Forchheim
Fußball-Bayernliga

Der Großvater gab den Weg vor

Jens Wartenfelser ist ein Glücksgriff für Jahn Forchheim, der Neuzugang hat sich sofort etabliert - und erfüllte seinem Opa einen großen Wunsch.
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Der Vater und die Brüder waren knallharte Verteidiger, er selbst ist ein filigraner Techniker und Torjäger: Jens Wartenfelser spielt erst seine dritte Saison im Herrenbereich, hat aber eine beachtliche Vita vorzuweisen. Einst hatte er Achim Beierlorzer als Chauffeur nach Fürth, heute wohnt er in Forchheim, spielt beim Jahn und gastiert mit seinem Team am Sonntag um 14 Uhr zum Bayernliga-Auswärtsspiel bei der DJK Don Bosco Bamberg.

Don Bosco Bamberg (15.) -SpVgg Jahn Forchheim (9.)
Ein Torjäger aus dem Hause Wartenfelser, eigentlich unvorstellbar für all jene, die vor Jahren gegen den SV Kleinsendelbach spielten und dort zu Glanzzeiten gleich von drei Wartenfelsern in der Defensive bearbeitet wurden. Die Brüder Roland, Christian und Peter sorgten für manch blauen Fleck auf den Schienbeinen ihrer Gegner, niemand spielte gern gegen sie. Dass ausgerechnet der Sohnemann von Peter nun für das Toreschießen zuständig ist, hat der Vater teils selbst zu verantworten, immerhin hat er ihn in den jüngsten Jahrgängen beim SVK selbst trainiert. "Mein Vater und meine Onkel waren als etwas härtere Verteidiger bekannt", weiß auch Jens. "Ich selbst habe nie defensiv gespielt. Janos Radoki, mein U19-Trainer bei Greuther Fürth, hat mich einmal als Außenverteidiger aufgestellt - es blieb aber bei einem Einsatz auf dieser Position", so der 21-Jährige, der schon immer den Drang nach vorn verspürte.

Zumindest Schwester Lisa hat die Verteidiger-Gene der Familie mitbekommen, spielte bei der Spvgg Hausen, dem FC Pegnitz, dem 1. FC Nürnberg II und aktuell beim SV Frensdorf. In Kleinsendelbach hängt aktuell mit Andreas, dem Cousin von Jens, noch einer aus der Fußballerfamilie die Fahne hoch. "Irgendwann will ich mit Andi in einer Mannschaft spielen", sagt Jens. Zuerst will er noch in höheren Ligen für Furore sorgen. Und das tut er gerade. Mit acht Toren in 19 Spielen ist er momentan der erfolgreichste Torschütze der SpVgg.

Schon früh verabschiedete sich der heute 21-Jährige aus Kleinsendelbach, kickte in der Jugend des FSV Erlangen-Bruck, fünf Jahre sollte er bleiben. "Unser Jahrgang war richtig stark. Später sind zwei zum Club und mit mir zwei zu den Greuthern", erinnert sich Jens.


Achim Beierlorzer gab Ausschlag

Zu jenem Zeitpunkt hätte es die Möglichkeit gegeben, zum 1. FC Nürnberg zu wechseln. Auch bei Carl Zeiss Jena absolvierte er ein Probetraining. In Jena kickte damals sein heutiger Mitspieler André Jerundow. Jens Wartenfelser wollte jedoch nicht aus seinem heimischen Umfeld raus.

"Ausschlaggebend war, dass Achim Beierlorzer bei Greuther Fürth zu jener Zeit Trainer der U17 war. Meinen Eltern wäre es nicht möglich gewesen, mich zu jedem Training zu fahren, weswegen mich Achim immer abgeholt und mitgenommen hat." Für den Coach war der Umweg nach Steinbach, dem Ortsteil von Kleinsendelbach, nicht groß und so saß Jens Wartenfelser mehrmals wöchentlich im Auto des heutigen Zweitliga-Trainers aus Stöckach. "Da wir drei Mal in der Woche Training hatten, habe ich viel von ihm mitbekommen. Damals hat er gerade seinen Fußballlehrer gemacht, jeder hat gemerkt, dass er es so weit wie möglich bringen will."

Sein künftiger A-Jugend-Trainer Janos Radoki, der später zum Coach der Profis aufsteigen sollte, hat Jens Wartenfelser bereits als B-Jugendlichem Einsatzzeiten in der U19 gegeben. Im zweiten A-Jugend-Jahr wurde Christian Springer, sein aktueller Coach beim Jahn, Co-Trainer in der U19. Jens Wartenfelser genoss in der U19-Bundesliga wohl eine der bestmöglichen fußballerischen Ausbildungen. "Ob es zum Profi gereicht hätte, kann man schwer sagen. Wahrscheinlich war ich nie der Vollblutfußballer. Neben vier Trainingseinheiten pro Woche habe ich lieber etwas mit Freunden unternommen." In der Regionalliga unter Thomas Kleine spielte er keine große Rolle. Vier Einsätze von Beginn und 13 Einwechslungen standen zu Buche. "Es war ein Hin und Her, ob ich bleibe. Am Ende wurde ich mit sieben anderen Spielern verabschiedet, ohne dass man uns einen Grund genannt hätte", bedauert Jens Wartenfelser. "Ich war erst fünf Jahre dort, aber da waren auch andere darunter, die schon elf Jahre dabei waren." So ist es eben im Fußballgeschäft.


Runterkommen in Baiersdorf

Kurze Strecken, nur zwei Trainingseinheiten pro Woche und ein tolles Umfeld mit sympathischen Teamkollegen. Das alles genoss Jens Wartenfelser nach seiner Fürther Zeit beim Baiersdorfer SV. Einige Vereine hatten sich bei dem sprintstarken Spieler gemeldet, etwas Vergleichbares wie Greuther Fürth war jedoch nicht dabei. Am Ende hatte sich BSV-Coach Thomas Luckner am meisten um ihn bemüht. "Wir haben eine richtig gute Saison gespielt", sagt der Offensive, der am Liebsten auf der Außenbahn zuhause ist. Obgleich er einige Spiele verletzungsbedingt fehlte, erzielte er immer wieder wichtige Tore, 19 Treffer waren es am Ende der Saison.

Auch in Baiersdorf kam der Großvater von Jens stets zu den Heimspielen mit seinem Mofa. Aus Langensendelbach hatte er es nicht weit. Allerdings ist eben jener ein riesengroßer Fan der SpVgg Jahn Forchheim. Als Christian Springer dort das Traineramt b übernahm, entschied sich Jens Wartenfelser zu einem Vereinswechsel - dem Opa zuliebe. "Das erste was ich gemacht habe, war, meinem Opa eine Dauerkarte für den Jahn zu schenken", sagt der vorbildliche Enkel. "Ich habe gewusst, dass der Jahn eine sehr interessante Mannschaft mit guten Kickern hat. Wenn man aus dem Landkreis kommt, ist der Jahn das Aushängeschild. Ich bin jetzt zwar erst ein paar Monate hier, aber ich fühle mich pudelwohl. Die Mischung aus fußballerischer Qualität und Gemeinschaft passt einfach." Mit dem Jahn will er in jedem Fall den Klassenerhalt erreichen. Einzig der kleine Kader, die vielen Verletzungen und auch die Roten Karten sorgten bislang für Probleme. Für seine zukünftige Laufbahn hält sich der 21-Jährige alles offen und will nichts ausschließen. So hat er es bisher gehalten - und wird das auch in Zukunft tun.
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