Kleinsendelbach
Jugendfußball

FUNiño - die Moderne Form des Straßenfußballs

Viele Trainer und Betreuer nutzten das "FUNiño-Festival" in Kleinsendelbach, um sich ein Bild von der neuen Art des Jugendfußballs zu machen. Insgesamt wurden bis zu 120 Kinder intensiv beschäftigt. Das Feedback ist positiv.
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So läuft eine Form von FUNiño ab. Grafik: www.facebook.com/FUNino4.0
So läuft eine Form von FUNiño ab. Grafik: www.facebook.com/FUNino4.0
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Mit dem Schlusspfiff wurden die letzten Bratwürste und die restlichen Stückchen Kuchen an die hungrigen Kinder verteilt, das war auch nötig nach einem anstrengenden Fußballtag in Kleinsendelbach. Der Grundgedanke des von Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann initiierten Fußballs 4.0 ist, dass die Kinder durchgehend in Bewegung sind und es keine Ersatzbank mehr gibt. Und das kostet auch Kraft.

Das FUNiño-Festival beim SVK fand einen unglaublichen Zuspruch. Bis zu 120 Kinder von der U7 bis zur U10 wuselten über den Sportplatz, auf dem acht FUNiño-Felder mit Hütchen abgesteckt wurden. Auch die Vorsitzende des SVK, Martina Kellner, staunte nicht schlecht und freute sich über den großen Zuspruch. "Der Dank gilt unseren Jugendleitern, die die Organisation komplett allein gestemmt haben." So richtig mitfiebern mit ihren Kids konnten beziehungsweise sollten die Eltern bei FUNiño jedoch nicht. Mit den verschiedenen Spiel-Variationen, die von Lochmann vorgestellt wurden, waren zumindest die Muttis bald überfordert. In beinahe jedem Feld sollte nach anderen Regeln gespielt werden, zu welchem Zweck auch die Tore anders aufgebaut waren. Diagonales Spiel, Umkehrtore und vieles mehr. Lochmann wollte den Anwesenden auf diese Weise einen großen Einblick in den Variantenreichtum des Spiels geben.


Alle sind Gewinner

Die Kinder freilich hatten kein Problem mit den Regeln und wuselten in einer Vielzahl bald auf dem Sportplatz umher. "Anfangs haben wir unsere Turniere CUP genannt, aber es ist ja nicht so, dass es einen großen Sieger gibt. Bei uns sind alle Gewinner, da alle durchspielen und alle Tore schießen. Deswegen sind wir der Meinung, dass der Begriff Festival den Charakter der Veranstaltung am ehesten trifft", sagte Lochmann zur Namensgebung.

Beim FUNiño heißt der Trainer nicht mehr Trainer, sondern Moderator. Immerhin ist der Grundgedanke der, dass die Kinder eigenständig Lösungen finden sollen und die Person, die außen steht, keine Anweisungen gibt. Die Aufgabe des Moderators besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden und das Wechselspiel nach jedem Tor erfolgt, so erhalten alle Kinder die gleiche Spielzeit. Darüber hinaus soll der Feldbetreuer die Kinder insbesondere bei guten Aktionen loben und in den Pausen durch geschicktes Fragen die Kinder zu neuen Lösungen animieren. Spätestens als gegen den 1. FC Nürnberg, der ebenfalls mit drei Mannschaften am Start war, einige Tore geschossen wurden oder sogar gewonnen wurde, war die Laune der Kinder und Betreuer besonders hoch.

Für viele war FUNiño an diesem Tag neu. Unbefangen machten sie sich ein Bild des "Straßenfußballs des 21. Jahrhunderts", wie es Lochmann gerne bezeichnet. Im Alltag werden die Vereine aber aktuell dennoch weiterhin den üblichen Fußball spielen lassen - auf Spielfeldern, die zu weitläufig sind, Tore, die zu groß sind und Regeln, die die schwächsten durchs Raster rutschen lassen. So ist es vom Verband vorgegeben. Einige Trainer und Betreuer am Turniertag wollten die neue Spielform lediglich als schöne Trainingsform abtun. Dem muss Lochmann widersprechen. "Sie übersehen hierbei allerdings, dass trotz der Einführung der Fair-Play-Liga, jene Probleme, die zu gigantischen Dropout-Raten im Kinder- und Jugendfußball führen, weiterhin bestehen bleiben. Die Anforderungen des Wettspiels in dem sie momentan agieren, entsprechen nicht den Entwicklungsmerkmalen des Alters der Kinder."

Die Intention des Professors vom Institut für Sportwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg war seiner eigenen Aussage nach erst einmal total egoistisch. "Ich wollte für die fußballerische Entwicklung meines Sohnes die beste Umwelt schaffen, die ich als Trainingswissenschaftler, Sportmediziner und Fachleiter Fußball der Friedrich-Alexander-Universität weltweit kenne." Bei FUNiño sieht er dies vor dem Hintergrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnislage am besten gewährleistet. "Zudem ist es meine berufliche Aufgabe, Innovationen im Sport zu entwickeln."


Der BFV zeigt Interesse

Lochmann nutzt die Aktivitäten dazu, einen Antrag zur Wettkampfsystemforschung beim DFB zu stellen, um die Effekte von FUNiño in Form eines experimentellen Spielbetriebs zu evaluieren. Insbesondere zu solchen Zwecken enthält die Spielordnung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) einen Passus, der dies ermöglichen kann. Es kann also sein, dass FUNiño schon bald unter dem Logo des BFV stattfindet. Neben den wissenschaftlichen Aktivitäten wird es in Kürze mit FUNiño auch in der Halle weitergehen.


Charly Merkel (1. FC Nürnberg): FUNiño ist mal was Neues und in dieser Spielform gibt es viele gute Akzente. Die Kinder bekommen sehr viel Spielzeit. Auch diejenigen, die nicht so talentiert sind, dürfen mitspielen. Für mich lautet die Botschaft: den Spaß am Fußball wieder neu zu erwecken und den Stellenwert des Fußballs bei den Kindern zurückzuholen. Alle Kinder sind während dieses Turniers voll involviert. Das ist einfach toll.

Ronny Wittmann (SpVggg Sittenbachtal): Die Kinder haben Spaß und sind richtig ausgepowert. Sie sind permanent beschäftigt, sodass sie kaum Zeit haben, Unsinn zu machen. Das Spiel ist zwar ohne Torwart, aber die kann man ja im Training fördern. Bei uns kam es allerdings schon einmal vor, dass die Kinder bei den normalen Verbandsspielen dann die Regeln mit FUNiño vertauscht haben. Hier müsste man eine Lösung finden.

Matthias Schaffelhuber (SV Kleinsendelbach):
Vom Ablauf her ist FUNiño eine gute Idee. Es ist eine schöne Trainingsform, die sich sehr gut einbauen lässt. Wir lassen das bereits regelmäßig spielen. Ich finde es jedoch unglücklich, dass es parallel zum normalen Spielbetrieb läuft. Da geht nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Eltern und Betreuer sehr viel Zeit weg. Bis jetzt sehe ich FUNiño eher als Trainingseinheit oder Ferienprogramm.

Vitali Gneiding (FC Dormitz): Ich selbst bin Vater und kein Trainer, aber das ist kein Problem, ich muss ja nur dafür sorgen, dass die Jungs rotieren. Wir machen zum ersten Mal mit, ich finde es super. Es kommt jeder zum Einsatz, die Kinder sind permanent am Spielen. Die Jungs haben die Regeln schnell verstanden, allerdings muss ich zugeben, dass man den Unterschied merkt, wenn andere FUNiño schon öfter gespielt haben.

Rainer Trinczek (VdS Spardorf): Im Training haben wir FUNiño bereits gespielt, aber bei einem Turnier machen wir zum ersten Mal mit. Die Spieler haben mitbekommen, dass Kick and Rush wegen den Schusszonen nicht mehr funktioniert und müssen andere Lösungen finden. Wir spielen stattdessen schöne Pässe, die Kinder bekommen einen besseren Überblick über das Spielfeld. Das ist genau das, was wir bisher noch nicht so konnten.
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