Bammersdorf
Elektrodance

Sommertanz im Schutzgebiet

Die Festival-Besucher waren zufrieden mit dem Ereignis in Bammersdorf, doch die Naturschützer gehen auf die Barrikaden.
Artikel einbetten Artikel drucken
Am Ende der beiden Festival-Tage waren es rund 700 Besucher, die zur Elektrodance-Party nach Bammersdorf (Gemeinde Eggolsheim) gekommen waren. Foto: Alexander Hitschfel
Am Ende der beiden Festival-Tage waren es rund 700 Besucher, die zur Elektrodance-Party nach Bammersdorf (Gemeinde Eggolsheim) gekommen waren. Foto: Alexander Hitschfel
Die Sommertanz-Veranstaltung vom Wochenende könnte ein rechtliches Nachspiel haben. Der Eggolsheimer Umweltschützer und Umweltaktivist Heinz Marquart will auf europäischer Ebene ein Verbot der Veranstaltung erreichen. Der Grund: Das Festivalgelände liegt im Europäischen Schutzgebiet.

Die beiden Freundinnen Jessica (22) und Marilena (21), die aus dem Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt extra zum diesjährigen Sommertanz-Elektrodance-Festival nach Bammersdorf gekommen sind, finden die Party-Location direkt am Waldrand in einer Talsenke einfach nur "nice", wie sie betonen.


Tanz in Gummistiefeln

Die beiden Studentinnen haben an diesem Wochenende die Turnschuhe gegen Gummistiefel eingetauscht und sind - trotz der widrigen Wetterverhältnisse nach Bammersdorf zum Sommertanz-Festival gefahren um fernab vom Uni-Lernstress einfach einmal alles um sie herum - wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen.

Da kam das Angebot der beiden Eggolsheimer Veranstalter Timo Uthmann und Mario Dorsch den beiden jungen Frauen sehr gelegen. "Wir wollen mit euch den Moment erleben. Diesen Moment, in dem ihr schweißgebadet auf der Tanzfläche steht, umringt von hunderten Freunden. Diesen Moment, in dem ihr vor lauter Liebe zur Musik Gänsehaut am ganzen Körper bekommt. In dem ihr unendlich glücklich seid und gleichzeitig total angespannt auf den Drop wartet. Und wenn der Bass endlich kommt, springt ihr, rastet aus und schreit vor Ekstse." - mit diesem Werbeslogan lockten die Veranstalter die Elektrodance-Fans nach Bammersdorf. Dieses Jahr sollte es sogar einen Tag länger dauern als im vergangenen Jahr. Das schlechte Wetter mochte einige Besucher abgehalten haben, aber am Ende zeigten sich die Festivalteilnehmer hartgesotten, und es kamen 700 Besucher.

Der Boden vor der Hauptbühne war durch den Regen der vergangenen Tage weich geworden, und die Tanzfläche vor der Bühne bot einen Hauch von "Woodstock-Feeling". Deswegen mieden viele Tanzbegeisterte auch den morastigen Boden und tanzten lieber im stylischen und typischen Elektrodance-Outfit auf der aufgebauten Tribüne.

War die Haupt-Area (auch "Wunderwald" genannt) im letzten Jahr noch durch ein Zelt überdacht, hatte man sich in diesem Jahr entschlossen, die Hauptbühne erstmals ohne Zelt im Freien zu errichten, damit die Kulisse höher gebaut werden kann. Der Name "Wunderwald" entstand, weil man mit der Gesamtveranstaltung näher an den Wald gerückt sei, so die Veranstalter.

Für Naturschützer aber ist die Veranstaltung und auch der "Wunderwald" ein Dorn im Auge. Der Eggolsheimer Umweltaktivist Heinz Marquart erhebt nun Vorwürfe gegen die Gemeinde und gegen das Landratsamt, weil sie die Veranstaltung genehmigt hatten; denn dort, wo gefeiert wird, sind zwar private Felder, aber letztendlich ist der ganze Bereich des Festivalgeländes "Europäisches Schutzgebiet". Für ein solches Gebiet gelte, dass der Erhaltungszustand "nicht verschlechtert werden darf", erläutert Marquart.

Im Wald direkt hinter der großen Bühne mit den voltstarken Lautsprechern würden seltene Fledermausarten leben, die durch solche Veranstaltungen immens gestört würden. "Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, dass die Behörden eine solche Veranstaltung an dieser Stelle genehmigen", kritisiert Marquart. Auf dem Festivalgelände werde sogar gezeltet. Die genehmigenden Stellen seien damit große Anwärter auf den Titel "Umweltfrevler des Jahres", so Marquart, der jetzt der Veranstaltung Einhalt gebieten will und zwar von oberster Stelle.

Wenn man von Seiten der Behörden nicht wisse, was erlaubt und was nicht erlaubt sei, dann müsse man eben von übergeordneter Ebene dem Ganzen Einhalt gebieten, kündigt Marquart an, der nun die Europäische Kommission von diesem - wie er sagt "Umweltfrevel" - in Kenntnis setzen will.


Fotodokumentation

Zu diesem Zweck habe er am Wochenende umfangreiche Fotodokumentationen erstellt. Marquart fragt zudem, warum hier nicht auch andere Naturschutzorganisationen einschreiten. Es sei durchgedrungen, dass man von Umweltschutzorganisationen bereits mehrfach gegen diese Veranstaltung - auch beim Landratsamt Forchheim - interveniert habe, jedoch offenbar ohne Erfolg. Falls diese Behauptungen stimmen, sei das "ein noch größerer Skandal", sagt Marquart, "denn dann hat man bewusst diese grobe Rechtsverletzung von Seiten der Behörde gebilligt".

Der Veranstalter gibt den "Schwarzen Peter" an die Gemeinde Eggolsheim und an das Landratsamt weiter. "Natürlich liegen für die Veranstaltung Genehmigungen der Gemeinde und des Landratsamtes vor, anders wäre dies ja gar nicht möglich", weist Mitveranstalter Tim Uthmann jegliche Schuld von sich.

Für Marquart ist eines klar: Wurden diese Genehmigungen tatsächlich ausgestellt, wurde hier von Seiten der Marktgemeinde Eggolsheim und des Landratsamtes "nicht fahrlässig, sondern sogar vorsätzlich eine grobe Rechtsverletzung gegen EU-Recht begangen". Marquart fordert eine Erklärung. Er selbst werde noch am Montag die zuständige Stelle der Europäischen Kommission umfangreich mit Fotomaterial und detaillierten Informationen versorgen.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren