Forchheim
Politischer Aschermittwoch

Söder hat die CSU-Seele berührt

Tacheles statt political correctness. Der Generationenwechsel bei der CSU ist vollzogen. Und Horst Seehofer ist fast schon vergessen.
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Markus Söder beim politischen Aschermittwoch in Passau.  Josef Hofbauer
Markus Söder beim politischen Aschermittwoch in Passau. Josef Hofbauer
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So eine Grippe ist zweifellos eine fiese Sache. Sie überfällt einen manchmal sogar über Nacht, völlig unerwartet. So wie den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der am Faschingsdienstag seinen Auftritt am Aschermittwoch in der Dreiländerhalle in Passau kurzfristig abgesagt hatte. So hatte der eine oder andere Besucher dieser Traditionsveranstaltung aus Bamberg und Forchheim den Verdacht, es könne sich um jene Art Grippe gehandelt haben, wie sie Schüler vor Schulaufgaben überfällt. Ausgesprochen hat diese Vermutung Astrid Häfner, Heroldsbach.
Umso gespannter waren die Besucher, wie sich der Franke Markus Söder bei seinem ersten Großauftritt in Passau schlagen würde. Und es waren nicht nur eingefleischte Union-Wähler. Auch Ludwig Lang (79), SPD-Mitglied aus Poppendorf, wollte Markus Söder hautnah erleben. "Ich bin schon öfters im Leben über meinen Schatten gesprungen", erklärt er.


Klare Vorstellungen

Klarere Vorstellungen von dem, was sie erwarten würde, hatten die Brüder Christian und Andreas Göller, Johann Rosenbusch und Hendrik Reuß, allesamt JU-Mitglieder. "Ich gehe davon aus, dass Söder die Themen Innere Sicherheit, Zuwanderung und Digitalisierung ansprechen wird", mutmaßte Reuß. Außerdem wollten sie sich die Premiere des künftigen Ministerpräsidenten nicht entgehen lassen.
Zu Recht. Söder gab den rund 4000 Besuchern in der Dreiländerhalle, die sich aber wie 10 000 anfühlten, das Gefühl, ihnen aus dem Herzen zu sprechen. "Er hat die CSU-Seele berührt", urteilte CSU-Bezirksvorsitzende Elif Weitzenfelder ergriffen.
"Er hat genau jene Punkte angesprochen, die den Menschen auf den Nägeln brennen", fand Bernhard Röder, Poppendorf. "Er hat mir deutlich besser gefallen als Seehofer vergangenes Jahr. Da pflichtet Herbert Dittrich aus Frensdorf spontan bei. "Söder hat Klartext geredet. Dagegen war der politische Aschermittwoch 2017 "wischiwaschi". Die Rede war ein Quantensprung", zeigt sich Dittrich begeistert. Seine Banknachbarn rechts und links pflichten kopfnickend bei. "Den Seehofer hat niemand vermisst", findet Josef Bräunig, Heroldsbach. Er spricht aus, was alle denken. Selbst der Sozialdemokrat Ludwig Lang zeigt sich von Söder begeistert. "Er hat die Sorgen der Bürger erkannt und Klartext geredet."


Sorgen ernst genommen

Damit erinnert Lang an Söders Formulierung, es herrsche eine tiefe Verunsicherung im Land. "Die Balance stimmt nicht mehr", hatte Söder kritisiert und tosenden Szenenapplaus bekommen, weil er diese Formulierung mit einem plakativen Beispiel untermauerte. "Wir geben mehr für Asylbewerber aus als für Wirtschaftsförderung, Gesundheit und Umweltschutz zusammen." Das war deutlich, das kam an.
"Darüber hat gestern meine Oma eine Stunde lang mit mir gesprochen", erklärt Hendrik Reuß. Sie hatte sich beklagt, dass die Politiker für alles Geld ausgeben, Rentner die ihr Leben lang gearbeitet hätten aber mit Mini-Bezügen abgespeist würden.
Ebenso deutlich positionierte sich Söder bei den Themen Rechtsstaatlichkeit, Heimat und Zuwanderung. "Wer die abendländische Rechtsordnung nicht anerkennen wolle, wer statt die ausgestreckte Hand zu ergreifen mit Gewalt antworte, müsse zurückgeschickt werden. Was teilweise daran scheitere, dass die Länder ihre eigenen Leute nicht aufnehmen wollten. "Ja wo samma denn?" Da hatte Söder die Stammtischhoheit.
"Sicherheit ist ein Gefühl", betonte der designierte Ministerpräsident, der eine bayerische Grenzpolizei mit Sitz in Passau ankündigte, damit sich die Menschen wieder sicher fühlen könnten.
Unter dem tosenden Applaus (auch der Bamberger Besucher) forderte Söder. "Wir müssen den Zuwanderern vermitteln, was uns wichtig ist. So gelte es, Sprache und Kultur zu vermitteln. Islam und Scharia gehörten definitiv nicht dazu. "Jeder muss Deutsch können, besonders Intelligente Bayerisch und Hochbegabte Fränkisch." Da tobte die Halle, die Bamberger und Forchheimer schwenkten CSU-Fahnen.


Versprechen halten

"Auch was Söder zum Thema Förderung von privatem Eigentum gesagt hat, finde ich absolut richtig", unterstreicht Franz Mainusch, Forchheim. Statt Mietpreisbremse hatte Söder eine Eigenheimzulage und ein Baukindergeld in Aussicht gestellt, denn ein eigenes Heim sei die beste Altersvorsorge. Beruhigend empfanden die Gäste der Dreiländerhalle, dass Kinder künftig nicht für die Pflege der Eltern aufkommen müssten.
Steuererhöhungen seien nicht nur falsch, sondern unanständig. Die öffentliche Hand müsse endlich lernen, mit dem zur Verfügung stehenden Geld auszukommen. Das hört der Bürger gern. "Jetzt muss er diese Versprechen nur noch umsetzen", so Josef Bräunig. Auch die anderen Mitfahrer im Reisebus aus Bamberg zeigten sich von den "Informationen aus erster Hand" beeindruckt.
"Ein politisches Hochamt", findet Franz Mainusch. "Söder hat seine ganze Kraft in seine Rede hineingelegt, um glaubwürdig rüber zu kommen. Und das ist ihm gelungen, befand Andreas Göller. "Eine Begeisterung, nicht so wie bei Seehofer, der war viel nüchterner", fand Herbert Dittrich. Erfreut stellte Bernhard Röder fest: "Der notwendige Generationswechsel bei der CSU ist gelungen." Und er liefert auch gleich das Erfolgsgeheimnis Söders: "Er hat den Boden der political correctness verlassen und Tacheles geredet. Das wollen die Leute." Horst Seehofer war zu diesem Zeitpunkt bei den CSU Wählern in Passau längst vergessen.
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