Unterleinleiter
Nahversorgung

Sie wollen einen Dorfladen für Unterleinleiter

Von den ursprünglich vier Läden in Unterleinleiter hat vor einem Jahr der letzte zugemacht. Damit wieder Leben ins Dorf einkehrt, haben sich engagierte Bürger zusammengetan. Anfang Juli wird es ernst für den"Ladarer Dorfladen": Über eine Genossenschaft soll ein Vollsortimenter gegründet werden.
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Sie wollen die Nahversorgung in Unterleinleiter wieder aufleben lassen (stehend v.l.): Elke Philipp, Reinhold Geck, Reinhold Wunder, Theodor Ott und Bürgermeister Gerhard Riediger, sowie (sitzend) Gerlinde Trautner und Reiner Philipp.  Foto: Pohl
Sie wollen die Nahversorgung in Unterleinleiter wieder aufleben lassen (stehend v.l.): Elke Philipp, Reinhold Geck, Reinhold Wunder, Theodor Ott und Bürgermeister Gerhard Riediger, sowie (sitzend) Gerlinde Trautner und Reiner Philipp. Foto: Pohl
"In Unterleinleiter gibt es nichts mehr. Keinen Bäcker, keinen Metzger, keine Wirtschaft und keine Bank", stellt Bürgermeister Gerhard Riediger (NWG) fest. Seit dem Tod von Elise Och gibt es auch keinen Lebensmittelladen mehr in der 1300-Einwohner-Gemeinde - ursprünglich waren es vier. Ein Zustand, den engagierte Bürger ändern wollen.

Die Initiative dafür ging vom mittlerweile ehemaligen Bürgermeister Gerhard Sendelbeck (FWG) aus. "Im November hatte er erstmals eine Bürgerbefragung zum Thema Dorfladen initiiert und auch zu einer Bürgerversammlung eingeladen", erinnert sich Elke Philipp, eine aktive Mitstreiterin. "Zu seinem eigenen Erstaunen kamen da 50 bis 60 Bürger ins Sportheim. Dann wurde ein zweiter Termin angesetzt, zu dem nur kommen sollte, wer sich auch aktiv an einem Dorfladen-Projekt beteiligen will. Und wieder wurden alle Erwartungen übertroffen."

20 "Laderer" waren dieser Einladung gefolgt. Und sie alle sind dem Projekt bis heute treu geblieben. In fünf Arbeitskreisen haben sie etwa die Standortmöglichkeiten ausgelotet, sich mit der Personalplanung befasst, den nötigen Umsatz und die Investitionen berechnet oder eine Marketing-Strategie entwickelt.

Experten aus allen Bereichen

"Es war erstaunlich, aus allen Bereichen, mit denen wir uns beschäftigen mussten, war bei den Interessierten jemand dabei, der durch seinen Beruf quasi Experte ist", freut sich Reinhold Wunder. Der Bereichsleiter Landwirtschaft am Landwirtschaftsamt in Bamberg hatte zum Beispiel sehr gute Kontakte zu vielen Direktvermarktern aus der Region. Das hat sich bei der Suche nach Lieferanten für den neuen Laden ausgezahlt.

"Wir wollen keinen Krämerladen, unser Dorfladen soll ein Vollsortimenter werden, bei dem Kunden alles für den täglichen Bedarf finden können", betont Wunder. Der Schwerpunkt soll dabei auf frischen, regionalen Produkten liegen; die Kunden sollen ihr Essen quasi bis auf's Feld und in den Stall zurückverfolgen können.

Auch von den Öffnungszeiten her soll der "Ladarer Dorfladen" mit anderen Supermärkten Schritt halten können. "Wir planen, an 300 Betriebstagen im Jahr jeweils zwölf Stunden geöffnet zu haben", erklärt Philipp, die seit 15 Jahren als Pflegedienstleiterin in der Personalplanung arbeitet und diese Arbeit auch für den Dorfladen übernimmt. Ein stolzes Pensum, das natürlich nicht über ehrenamtliche Helfer zu stemmen ist. Philipp plant derzeit, fünf hauptamtliche Kräfte für den Verkauf einzustellen, teilweise in Teilzeit und auf 450-Euro-Basis.

Neben der Möglichkeit, wohnortnah einkaufen zu können, soll der Dorfladen aber auch noch eine weitere Funktion erfüllen: die des Dorfmittelpunkts. "Besonders junge Mütter beklagen sich, dass ihnen hier eine Möglichkeit zu sozialen Kontakten fehlt", sagt Bürgermeister Riediger. Bei Elise Ott im Laden sei immer was los gewesen: Nie war man dort allein, und man hat immer etwas Neues erfahren. Für "ihren" Dorfladen wünschen sich die Initiatoren das auch. Es soll sogar eine Café-Ecke mit Bäckerstand und Getränken sowie einer Sitzgelegenheit geben.

Einer für alle, alle für einen

Damit all das Wirklichkeit werden kann, lädt das Dorfladen-Team für den 5. Juli zu einem Info-Tag ein. Zwischen 10 und 14 Uhr erfahren die Bürger nicht nur ganz genau, was sich die Mitwirkenden in den vergangenen Monaten ausgedacht haben, sie können sich auch direkt geschmacklich von den Produkten verschiedener Lieferanten überzeugen.

Und sie können sich auch selbst einbringen: Am 8. Juli soll eine Genossenschaft als Trägerin des Ladarer Ladens gegründet werden. "Das ist die einfachste Rechtsform, bei der jeder einfach mit einsteigen kann", erklärt Wunder, "bei allen anderen Geschäftsformen bräuchten wir dazu einen Notar." So aber kann jeder (nicht nur) aus Unterleinleiter Anteile am neuen Dorfladen kaufen. Etwaige Überschüsse würden dann auch an die Genossen ausgeschüttet.

Zunächst aber muss investiert werden: Das Haus, in dem bis vor kurzem noch die Sparkasse war, konnte das Team zwar günstig mieten, doch bevor der Laden entstehen kann, muss renoviert werden. Etwa 90.000 Euro wird der Laden bis zur Eröffnung verschlingen, davon rund 30.000 Euro für den Warenbestand. Wenn alles gut geht, soll der Dorfladen spätestens am 1. November seine Pforten öffnen. Damit endlich wieder Leben ins Dorf einkehrt.
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