Hausen
Kontroverse

Seniorin greift Hausens Bürgermeister an

Hausens Senioren sollen im Bürgerhaus nach dem Willen des Gemeinderats dem Kindergarten weichen.
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Das Bürgerhaus der Gemeinde Hausen Foto: gw
Das Bürgerhaus der Gemeinde Hausen Foto: gw
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Das gemeindliche Bürgerhaus in Hausen soll zu einem Kindergarten umfunktioniert werden. Dies hat Hausens Gemeinderat so beschlossen. Die gemeindliche Seniorenbeauftragte, Gerda Wagner, hat sich sich in dieser Angelegenheit nun ein weiteres Mal voller Empörung zu Wort gemeldet.

"Welchen Stellenwert haben die Senioren in Hausen überhaupt noch?", fragte sie in einem Brief an den Fränkischen Tag. Insgesamt habe man selbst 97 Unterschriften für den Erhalt des Bürgerhauses in seiner jetzigen Form gesammelt. Der Gartenbauverein habe nochmals 100 weitere Unterschriften beigesteuert.

Wagner, und sie spreche in diesem Zusammenhang für alle Senioren Hausens, fühlt sich vom Gemeinderat nicht ernst genommen. Bürgermeister Gerd Zimmer (SPD) habe immer wieder betont, dass man für die Senioren alternative Unterbringungsmöglichkeiten finden wolle. "Wo ist die gleichwertige Unterbringung?", fragt Wagner.


Nicht barrierefrei

Hausens Senioren, die Rede ist von 50 bis 60 Personen, hätten sich in den Räumen des Bürgerhauses wohlgefühlt. Die Behauptung von Bürgermeister Zimmer, die Senioren hätten ihren dortigen Raum allenfalls fünfmal pro Jahr genutzt, weist Wagner zurück.

Die von Zimmer angebotenen Alternativen seien allesamt wenig nachvollziehbar und würden keine wirklichen Alternativen für die Seniorenbeauftragte darstellen. Da gibt es laut Wagner zum einen den Pfarrsaal, wo die Senioren 22 Stufen nach unten gehen müssten und auf der anderen Seite 17 Stufen nach oben. "Ein barrierefreier Zugang ist hier nicht möglich", kritisiert Wagner.
Auch das zweite Angebot wird von der gemeindlichen Seniorenbeauftragten belächelt. Der Vorschlag, den Sitzungssaal im Rathaus für die Seniorentreffen zu nutzen, nennt sie ebenfalls "wenig praktikabel". Zum einen müsste das Mobiliar immer wieder heraus- und hereingeräumt werden, zum anderen sei dort kein Platz für 50 Personen.

Eine Küche gebe es dort auch nicht. Als dritte Alternative sei der Raum im Schützenheim von Bürgermeister Zimmer angeboten worden. Die Schützen hätten bisher von diesem Angebot überhaupt nichts gewusst. "Macht man das eigentlich nicht vorher?", fragt Wagner.

Über das Angebot von Zimmer bezüglich einer Nutzung des Schützenheimes zeigte sich auch Hausens Zweiter Bürgermeister und Schützenvereinsfunktionär Bernd Ruppert (CSU) verwundert. Von der Offerte Zimmers wusste er nichts. "Mit uns hat man diesbezüglich nicht gesprochen", so Ruppert.
Angeboten worden sei auch der Turnsaal im Kindergarten, wo die Senioren laut Wagner "abends nach Kindergartenschluss vielleicht auf kleinen Kinderstühlen sitzen müssen".


Schlechte Planung

Der Platzmangel im Kindergarten sei ein hausgemachtes Problem, hält die Seniorenbeauftragte den Verantwortlichen vor. "Der Kindergarten wurde erst vor drei Jahren ausgebaut, leider nicht zukunftsweisend und vorausschauend", kritisiert Wagner.

Für diese "Fehlplanungen" müssten jetzt die Senioren büßen und das dürfe nicht sein. Wagner ist sich sicher: Auch der neue Platz im Bürgerhaus ist nicht ausreichend, da mit "Lohe V" ja ein neues Baugebiet entsteht, welches in dieser Kalkulation noch gar nicht berücksichtigt worden sei. Wagner wünscht sich vom Gemeinderat, dass dieser Punkt in einer der nächsten öffentlichen Sitzungen zur Sprache komme. "Im Moment gibt es seltsamerweise nur nichtöffentliche Sitzungen über dieses Thema", wundert sich Wagner. Für die Mittagsbetreuung der Schule wolle man ein neues Gebäude errichten. "Es ist beschämend, dass dieses Konzept nicht auch für die Senioren in Erwägung gezogen wird", legt Wagner nach.

Sie selbst habe die Arbeit als gemeindliche Seniorenbeauftragte bisher mit Leidenschaft ausgeführt. Wenn sie aber keine Unterstützung seitens der Gemeinde erhalte, sie dieses Amt überflüssig.


Zimmer wehrt sich

Bürgermeister Gerd Zimmer (SPD) will die öffentliche Schelte der gemeindlichen Seniorenbeauftragten nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.
Er hält Wagner vor, "nicht kompromissbereit" zu sein. "Ich habe ihr auch eine Nutzung der Räumlichkeiten in der Sportgaststätte angeboten, die ebenfalls ebenerdig und barrierefrei sind", ergänzte Zimmer. Doch auch hier habe Wagner kategorisch abgelehnt. Alternativlösungen würden nun genug auf dem Tisch liegen, jetzt müsse die Seniorenbeauftragte entscheiden.
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