Forchheim
Prävention

Seltsame Anrufe könnten Vorboten für einen Einbruch sein

In der Region finden verdächtige Telefonate statt. Eine Seniorin im Landkreis Forchheim wurde schon zweimal von Anrufern mit osteuropäischem Akzent kontaktiert. Vermutlich dienen die Anrufe Kriminellen zur Vorbereitung ihrer Taten. Die Polizei rät zu Vorsicht.
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Symbolbild: Christopher Schulz
Symbolbild: Christopher Schulz
Das Alter des Gesprächspartners möchte der Anrufer wissen und ob man einen Hund hat. Das fragen die Anrufer, die angeblich eine Umfrage durchführen oder Informationen zu einem Thema sammeln. Das Thema gibt es nicht, nur diese seltsamen Fragen von Menschen, die mit osteuropäischem Akzent sprechen.

Anna Braun (Name von der Redaktion geändert) aus dem Landkreis Forchheim erhielt erst vor wenigen Tagen wieder diesen Anruf, angeblich vom Ifo -Meinungsforschungsinstitut aus Berlin. Von solchen Anrufen hört die Polizei in Forchheim zum ersten Mal und rät, die Nachbarschaft zu sensibilisieren, besonders in der Urlaubszeit. Das möchte Anna Braun tun, gerade im Hinblick auf die vielen Einbrüche, die derzeit in der Zeitung stehen.


Undeutliche Aussprache

Erst vor wenigen Wochen klingelte bei Anna Braun das Telefon. Den Namen des Anrufers hatte sie nicht gleich verstanden. Er bat die 75-Jährige, einige Fragen zu beantworten, um eine Auswertung vornehmen zu können. Die erste Frage galt ihrem Geburtsjahr. "Alt", sagte sie und erzählte freiheraus, dass sie Jahrgang 39 sei. Dann wollte er wissen, ob sie einen Hund habe. "Als ich erstaunt das Wort Hund wiederholte, meinte er, ja, Hund, wauwau. Mein Mann drückte dann auf die Gabel", erzählt Braun kopfschüttelnd.

Das kam ihr schon seltsam vor. Aber mehr noch ärgerte sie sich, ihr Geburtsjahr verraten zu haben. Am Display erkannte sie eine 003er-Nummer und da sie im Freundeskreis einen Mitarbeiter der Telekom haben, erzählten die Brauns ihm von diesem Anruf.

Auch bei der Polizei fragten die Brauns nach. Die braucht Hinweise. "Es ist uns lieber, wenn wir öfter verständigt werden, wenn jemand das Gefühl hat, dass ausgekundschaftet wird", sagt Rainer Penning, Dienststellenleiter der Polizei in Ebermannstadt.

Kennzeichen merken

Noch besser sei es, das Kennzeichen zu merken, wenn auffälliges Verhalten in Verbindung mit einem Auto stehe. Die Polizeibeamten müssen doch größere Strecken fahren, um die vielen kleinen Ortschaften zu erreichen.
Passiert ist der Familie Braun nach dem Anruf nichts. Doch Anna Braun und ihre Familie haben sich schon Gedanken gemacht, ob auf diese Art und Weise ausspioniert werden soll, ob ältere Leute allein zu Hause leben.
In ihrem Ort fahren oft Autos mit Kennzeichen aus Bulgarien, Rumänien oder Polen sehr langsam durch. Das ist auch einer Nachbarin aufgefallen, die inzwischen einen Fotoapparat griffbereit am Fensterbrett liegen hat, um die Kennzeichen zu fotografieren.

Anna Braun fühlt sich sicher, da es viele Hunde gibt in ihrer Straße. Aber hier leben auch viele alleinstehende Menschen. Dieses ungute Gefühl, dass hier für Einbrüche oder andere Kriminaldelikte ausspioniert wird, ist seit drei Tagen wieder in den Vordergrund getreten.

Da erhielt Anna Braun wieder einen Anruf. "Ein Peter Klein vom Ifo -Institut in Berlin wollte mir einige Fragen stellen. Er wollte wissen, wie alt ich bin und wieder erzählte ich mein Geburtsjahr. Das Ifo-Institut ist bekannt. Beim ersten Anruf war ich einfach überrumpelt", erklärt Braun. Dann wollte der "Mann aus Berlin", den Braun schlecht verstand, da er eindeutig osteuropäisch sprach, wissen, ob sie einen Hund hat. Die Enkelin, die das Telefonat mithörte, flüsterte der Oma zu, sie solle "zwei Dobermänner" sagen. Das tat Anna Braun und der seltsame Anrufer legte auf.

"Hier in unserem Einsatzbereich gibt es keine auffällige Zunahme", sagt dazu Rainer Penning. Öfter hingegen kämen solche Straftaten in der Vorweihnachtszeit vor. Die ländliche Gegend sei bislang im Großen und Ganzen verschont worden. Das heiße aber nicht, dass der Bürger sein Eigentum nicht schützen solle. Auch Polizeihauptkommissar Helmut Neundörfer von der Polizei in Forchheim kann keinen auffälligen Anstieg an Einbrüchen feststellen.

Kriminalpolizei informiert

Dass der Einzelne das Bedürfnis nach Information hat, zeige der große Zulauf bei der Präventationsveranstaltung im vergangenen Jahr zur Vorweihnachtszeit der Polizei in Ebermannstadt. Dort erklärten die Beamten, wie man seine Wohnung sichert. Doch bei aller Vorsorge weiß Neundörfer, dass es keine 100-prozentige Sicherheit gibt. Schließlich sei auch schon eingebrochen worden, obwohl die Hausherren schlafend im Bett gelegen hatten.

Die beste Sicherheit bieten aber immer noch Hinweise zu ungewöhnlichen Situationen oder fragwürdigem Verhalten unbekannter Personen. Sicher sei hier die Wahrnehmung unterschiedlich, wie Penning meint. Doch der erfahrene Beamte bleibt dabei: Lieber einmal zu oft anrufen und Hinweise geben. Ohne die kann selbst die Polizei nicht helfen.
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