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Tradition

Ohne Tracht geht Anna nie aus dem Haus

Anna Hack ist die letzte Weilersbacherin, die täglich ihre traditionelle Tracht trägt.
Stolz und mit viel Würde trägt Anna Hack ihre Tracht. Fotos: Heidi Amon
 
von HEIDI AMON
"Wenn wir den Trachtenbrauch pflegen und fördern, tragen wir zum Erhalt und der Förderung der Kultur unserer engeren Heimat und damit unseres schönen Oberfrankens bei . Tracht ist das Gewand der Heimat" sagt Bernhard Hack. Er ist der Vorsitzende des Trachtenvereins Weilersbach.
Für Hack sind Trachten nicht nur etwas Schönes, ja sogar etwas Prächtiges, sondern ein unverrückbarer Bestandteil der heimischen Kultur. An dieser Kultur festzuhalten, ist Hack sehr wichtig.
Trachten sind für Hack sehr bedeutend. Zwar beobachtet auch er, dass bei Festen wie dem Oktoberfest oder auch dem Forchheimer Annafest Lederhosen und Dirndl wieder sehr angesagt sind. Dies sei jedoch nicht das, was die Traditionstreue ausmache, sondern mehr "ein Karussel der Mode", meint Hack.

Hack hat eine Reise in die Geschichte der Tracht in Oberfranken unternommen. Die Reise führte in die Fränkische Schweiz, das untere Wiesenttal und in den Landkreis Forchheim. Ein Stück Heimat, gelegen zwischen steilen Hängen und Felsen, aber auch fruchtbaren Tallagen, die landwirtschaftlich geprägt sind. In der sich auch die Tracht und ihre Ausstattung widerspiegelt. Die Vielzahl der oberfränkischen Trachten ist ein noch nicht voll erfasstes Spektrum an Wissen.

Aber Hack hat viel Wissenswertes über das Trachtler-Sein zusammengetragen. Es gibt sie nämlich noch, die Treue zu Tradition und Brauchtum. Trachtenträgerinnen, die ihrer Tracht treu geblieben sind und für die die Tracht Teil ihres Lebens sind.
Sie tragen ihre Tracht mit einer ganz besonderen Würde. Sie repräsentieren ja damit Jahrhunderte von Heimatgeschichte. Für sie ist Tracht kein Kostüm, das man eben anzieht, weil es eben gerade schick ist. Für sie heißt Tracht, sich zu den überlieferten Bräuchen zu bekennen.


Tracht oder Kleid?

Meist sind es ältere Frauen, die von Jugend an Trachtenträgerinnen sind. Sie trugen die Tracht nicht in Vereinen, sondern es war ihre private Angelegenheit.
So wie bei Anna Hack aus Weilersbach. Geboren wurde sie 1928 in Oberehrenbach als Tochter eines Landwirts. Bis zu ihrer Firmung trug sie Kleider. Als sie ihre Patin fragte, ob sie zur Firmung ein Geschenk wolle oder eine Tracht, entschied sie sich für eine Tracht. Die habe ihr immer schon gefallen. Und sie bekam ihre Tracht, zog sie an und legte sie bis heute nicht mehr ab. Das war vor 75 Jahren.

Seither trägt sie ihre Trachtenkleidung das ganze Jahr über, von morgens bis abends. Es ist die Leutenbacher/Oberehrenbacher Tracht, deren Kittel hinten eine Spitze hat. Anna Hack war immer stolz auf ihre Tracht und dachte nie darüber nach, sich anders zu kleiden. "Ich wurde auch stets bewundert." Ihr Vater wollte eigentlich damals nicht, dass sie sich bäuerisch anzieht und Trachtenkleidung trägt, obwohl auch ihre Mutter Kuni und Oma Margareta Trachtenträgerinnen waren. Ihrem Ehemann Franz aus Weilersbach, den sie vor 70 Jahren heiratete, war es aber recht. "Er hat mich noch nie städtisch gekleidet gesehen" verriet sie.

Als Frisur trug sie zeitlebens einen Haarknoten. Zur Hochzeit trug sie eine schwarze Tracht mit einer handgestickten Schürze. Die "Anna" erinnert sich noch daran, dass ihr eine bereits gestorbene Weilersbacherin prophezeihte, dass sie einmal die einzige im Dorf sein wird mit der Tracht. Es kam tatsächlich so. "Ich bin in Weilersbach die Einzige mit Tracht. Geniert habe ich mich aber nie."
Besonderen Wert legte sie immer darauf, dass ihr Trachtenkleid perfekt sitzt. Die Schürzenbänder müssen gleich lang sein und die Schleife in der Mitte.


Hohe Feiertage

Ihr jeweilige Tracht hat Anna Hack meist selbst genäht. Und es waren ganz verschiedene Trachten, wie Bernhard Hack weiter weiß. So gab es für die Generationen von der "Anna" und auch seiner Großmutter eine festliche "Montur" und eine Arbeitskleidung für Feld und Stall, die sogenannte "Blaua Woa".

Auch gab es eine Kleidung für die "Werkatogskirch", für hohe Feiertage, für einfache Sonntage und für die Trauerzeit, die genau festgelegt war für Angehörige und Verwandte. In den 1920er und 1930er Jahren wurde die historische Tracht abgelegt und nur noch zu hohen Festtagen getragen. Es setzten sich neue Stoffe durch. Seide und gestickte Schürzen wurden modern. Strapazierfähige Materialien wie Perlon oder Trevira zogen in das Trachtengesamtbild ein. Bunt waren die Farben vor allem in Heroldsbach und Hausen. Beide Orte liegen im südlichen Landkreis Forchheim.

In ihrer farbenfrohen Tracht fuhren Frauen als Kreenweiber sogar bis nach München, um dort ihre "Woa" (Schnaps und Gemüse) zu verkaufen. Bis vor einigen Jahren konnte man sie noch vereinzelt in München in der Fußgängerzone antreffen.


Städtische Kleidung

Während Frauen der Tracht treu geblieben sind, haben Männer bereits vor über 100 Jahren die Tracht größtenteils abgelegt und sind zur städtischen Kleidung übergegangen. Warum das so war, ist bis heute nicht nachvollziehbar.

Im Jahr 2016 wurde im Fränkisch-Schweiz-Verein nun ein neuer Arbeitskreis "Männertracht" gebildet.
Was in Arbeitskreisen immer wieder zur Sprache komme, so Hack, sei das angestrebte Ziel: "Eine Erneuerung unserer fränkischen Tracht, die auch für junge Leute tragbar ist und zudem Einzug findet in Feste und Feiern, wie das traditionelle Annafest, Hochzeiten und Kirchweihen.
Bernhard Hack tut selbst einiges, um die Tradition des Trachtentragens am Leben zu halten. Er und auch seine Ehefrau Karin sind der Tracht jedenfalls bis zum heutigen Tag treu geblieben.
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