Forchheim
Amtsgericht

Mondeo-Fahrer bremst Lkw auf A 73 aus - Wiedersehen vor Gericht

Auf der A 73 bei Forchheim ging ein Lkw-Fahrer auf einen Autofahrer los, nachdem er von diesem ausgebremst worden war. Das Amtsgericht verhandelte.
Artikel einbetten
Symbolfoto: obs/Ford-Werke GmbH
Symbolfoto: obs/Ford-Werke GmbH
In der Autobahnbaustelle um Forchheim herum kommt es immer wieder zu Unfällen, so auch am 4. April dieses Jahres mitten im dicksten abendlichen Berufsverkehr. Vor dem Amtsgericht Forchheim musste sich deshalb ein 43-jähriger Berufskraftfahrer wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Sachbeschädigung verantworten.

Der erste - schwerwiegendere - Vorwurf wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft von Amtsrichterin Silke Schneider fallengelassen, nachdem der Angeklagte und der Geschädigte gehört worden waren. Wegen der nachfolgenden Sachbeschädigung - ein Schlag gegen das Auto - wurde der Lkw-Fahrer zu 40 Tagessätzen zu 20 Euro verurteilt.

Das Unfallgeschehen stellte sich für die Betroffenen ganz unterschiedlich dar: Der Schwerlastwagen war mit 25 Tonnen Granit und Marmor beladen. Er fuhr per Tempomat gesteuert die ganze Baustellenstrecke 85 km/h. Obwohl dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h gilt, überholte der Fahrer eines schwarzen Ford Mondeo den Lkw.

Er scherte etwa zwei Autolängen vor dem schweren Fahrzeug wieder ein und schaltete seinen Tempomaten auf 80 km/h. "Ich merkte, dass der Mondeo langsamer wird, ohne dass Bremslichter aufleuchteten", sagte dazu der Lkw-Fahrer. Er leitete umgehend den Bremsvorgang ein. Dazu bediente er sich wegen des Gewichts der Ladung nicht nur der Bremsen, sondern auch des sogenannten Retarders, also einer besonderen Drosselung der Motorschubleistung.

"Ich darf nicht schärfer bremsen, ohne ein Verrutschen der Ladung zu riskieren", betonte er. Schlimmste Folge wäre ein Umkippen des Schwerlastwagens gewesen. Was das im dichten Berufsverkehr bedeutet hätte, vor allem für die die Fahrzeuge hinter und neben den Beteiligten, kann man sich denken.

Der Autofahrer war sich keineswegs sicher, dass er beim Einscheren und vor allem beim Einschalten des Tempomats über den Rückspiegel den gerade überholten Lkw beobachtet hatte. Aufgrund des Schubs des Ladegewichts rollte der Lkw unweigerlich auf den Mondeo zu, touchierte ihn und schob ihn nach vorne.

Da der Mondeo-Fahrer die Situation nicht richtig erkannte, bremste er ab - mit der physikalisch zwangsläufigen Folge, dass der Schwerlastwagen noch zweimal auf den Mondeo aufprallte. 7000 Euro Sachschaden entstanden so. Bezahlt hat ihn bislang die Kaskoversicherung des Geschädigten.

Aus welchen Gründen die Lkw-Versicherung den Ausgleich abgelehnt hat, konnte der Mondeo-Fahrer trotz umfangreicher Anwaltskorrespondenz auch auf Nachfrage der Amtsrichterin nicht sagen. Rund 200 Meter zog sich das Geschehen hin, bis beide Autos zum Stand kamen.
Als das Auto ganz rechts anhielt, stieg der Lkw-Fahrer aus, packte dabei eine Eisenstange und lief zur Autotür. Der Autofahrer erschrak sehr, als sein Kontrahent ausholte. "Ich war sehr aufgewühlt. Dummerweise habe ich die Stange raus", bekannte der Angeklagte, der sich ausdrücklich dafür entschuldigte. Und: "Ich habe ihn doch vorbeigelassen, er hätte doch nur weiterfahren müssen."

Mag es auch bedrohlich für den Mondeo-Fahrer ausgesehen haben, die Stange verursachte nach den Fotos der Polizei und des Sachverständigen nur einen Kratzer im Lack. Aber Sachbeschädigung ist Sachbeschädigung.

Die Polizei hatte übrigens der Lkw-Fahrer verständigt. Einem der Polizeibeamten gegenüber äußerte der Mondeo-Fahrer: "Vielleicht habe ich was falsch gemacht." Weitere Angaben machte er dann erst einige Zeit in einer förmlichen Beschuldigtenvernehmung.
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren