"Nach Griechenland? Vergiss den leeren Rucksack nicht, um ein paar unserer Millionen mit zurückzubringen", meinte sein Nachbar K.-H. Schardig süffisant, als er von Heinrich Bickels Reiseziel erfuhr. Aber auch Papiergeld wird irgendwann schwer. Deswegen fährt der Dreuschendorfer wie jedes Jahr mit seinem mittlerweile 30 Jahre alten Rennrad, acht Kilo Gepäck und ein paar Werkzeugen durch die Welt. Nach der Devise eines Russen auf einer früheren Reise: "Mit Zange und Draht kann man alles reparieren."
Über den Brenner bei Innsbruck ging es, am Gardasee vorbei, nach Mailand und Genua zum Baden im Mittelmeer. Cinque Terre, Pisa und die Altstadt von Florenz waren die nächsten Ziele. Entlang des Heiligen-Franziskus-Pilgerwegs ging es über Siena in die "ewige Stadt" Rom. Auf der Via Appia führte die Tour weiter nach Neapel und "über" den Vesuv an die Amalfiküste.
Die landschaftlich schönste Strecke, die Bickel jemals gefahren ist, waren die 85 Kilometer von Pompei entlang der malerischen Amalfiküste nach Salerno. Bickel: "Da geht es teilweise so eng zu, dass man während der Fahrt rechts des weißen Streifens mit dem Ellbogen an der Felswand kratzt und mit der linken seinen Namen in den staubigen Bus schreiben kann."
Quer über den Apennin "ackerte" er von dort in die Adria-Hafenstadt Bari. Von dort setzte Bickel in das kroatische Weltkulturerbe Dubrovnik über. Obwohl der Fachlehrer an der Realschule Ebermannstadt seit zehn Jahren in Europa und Vorderasien mit dem Rad tourt, hat er Temperaturen knapp über 40 Grad Celsius über mehr als eine Woche noch nicht erlebt. "Manchmal dachte ich, ich habe eine heiße Wärmflasche als Rucksack." Am Abend, wenn der Schweiß getrocknet war, sah er aus wie ein mit Mehl bestäubter Müller.
Östlich der Adria waren die Temperaturen etwas erträglicher, jedoch immer über 35 °C. Aufgrund dieser Temperaturen nahm er bis zu zehn Liter Flüssigkeit zu sich.
Die Verpflegung während des Tages war auf früheren Reisen in Osteuropa, bei vergleichbarer Besiedelung, wesentlich einfacher. In Italien hatte Bickel den Eindruck, "die machen entweder Siesta oder es ist geschlossen". Tankstellen waren dort die reinsten Bruchbuden.
Abends war die Verpflegung dagegen sehr delikat und reichlich. Deshalb hielt sich auch der Gewichtsverlust des 1,92 Meter großen und ohnehin drahtigen Sportlers in Grenzen. Meistens war bei den nicht gebuchten Unterkünften immer ein Restaurant dabei.


Die Moral das größere Problem

Die Hitze, gepaart mit der bergigen Landschaft der Toskana, des Apennins, des westlichen Balkans und des Peloponnes, hat der Dreuschendorfer auf den täglich fast 200 Kilometern körperlich und vor allem mental als sehr strapaziös empfunden. Der Körper erhole sich relativ schnell. Die Moral sei das größere Problem, meint er. Wo übernachtest du? Sind die Beine gut? Herrscht Gegenwind? Hast du einen Defekt? Wie ist die Topographie? Regnet es? Kommst du in die Nacht? Stürzt du? "Diese und andere Fragen zerren ständig an dir!", berichtet der Radfahrer.
Im Gegensatz zu seiner Stalingradreise 2013, bei der er fast 4500 Kilometer weit Gegenwind hatte, war ihm der Wind auf dieser Tour wohlgesonnen. Entlang des Meeres und in den Bergen sei der Wind jedoch unberechenbar.
Zudem war Bickel von der geringen "Anteilnahme" der Bevölkerung überrascht. Auf früheren Reisen, zum Beispiel nach Aserbaidschan oder in den Iran, war er teilweise kaum vorwärts gekommen, weil er ständig angesprochen und eingeladen wurde. Diesmal versuchten lediglich die Kinder in ärmeren Regionen, mit ihrem Schulenglisch Kontakt aufzunehmen, und ein Ziegenhirte fragte ihn im albanischen Bergland nach seiner Herde. Ihn schickte Bickel dann ein paar Serpentinen nach unten, wo er sich kurz davor den Weg durch die Herde hatte bahnen müssen.


An seine Grenzen gegangen

Aber nur wer an seine Grenzen geht, lernt etwas über sich. Ein ehemaliger Chef meinte: "Was man sich in der Jugend erarbeitet, nimmt einem keiner mehr." Diese Tatsache lässt Heinrich Bickel, den früheren Radamateur von Concordia Strullendorf, solche Strapazen "überstehen".
Von Kroatien fuhr der Pädagoge durch Montenegro mit dem Regierungssitz Podgorica. Von dort ging es quer durch Albanien in die Hauptstadt Tirana und, vorbei an weiteren Weltkulturerbe-Stätten, nach Griechenland. Albanien war in ganzer Linie beeindruckend, jedoch "das dreckigste Land", das Bickel jemals bereist hat.
Delphi, Marathon und Athen waren für den 20-fachen Marathonläufer ein "Muss", bevor es über die Straße von Korinth auf den Peloponnes, vorbei an Epidaurus, in die alte Hauptstadt Navplion und Olympia nach Patras ging. In deren Hafen legte die Fähre nach Ancona ab. Von dort fuhr Bickel mit dem Zug heimwärts. "Nach gut drei Wochen war es ein herrliches Gefühl, vorwärts zu kommen, ohne sich bewegen zu müssen". red