Fabio kam 16 Wochen zu früh auf die Welt. Eine "starke Frühgeburt", sagt seine Mutter Jennifer Sessner. Der Sohn der 23-Jährigen musste am 15. Juni 2014 per Notkaiserschnitt entbunden werden. Der Kleine war nur 29 Zentimeter groß und wog 620 Gramm.

Was Fabio und seine Mutter dann erleben mussten, ist schwer zu beschreiben. Der neugeborene Junge leidet seit seiner Geburt an einer Reihe schwerer Krankheiten und verbrachte die ersten neun Monate seines Lebens auf einer Intensiv-Station. Am Schlimmsten traf es ihn am zweiten Tag seines Lebens - Fabio erlitt eine Gehirnblutung vierten Grades.

Wenn Jennifer Sessner vom Schicksal ihres Sohnes erzählt, kann sie das nur unter Tränen. Viele Operationen waren so schwer, dass die Ärzte sie schon fünf Mal vor einem Eingriffe gebeten hatten, sich von Fabio zu verabschieden. "Doch jedes Mal hinterher, wenn ich ihn an die Brust gelegt habe, waren seine Werte wieder gut und ich war überglücklich", erinnert sich Jennifer Sessner.

Ihr Fabio ist jetzt drei Jahre alt, er hat 14 Operationen hinter sich und seine Mutter befindet sich in einem emotionalen Auf und Ab. "Mir geht es gut, obwohl ich nicht weiß, wie ich das geschafft habe. Um keinen Preis in der Welt würde ich Fabio gegen irgendetwas in meinem Leben eintauschen wollen."


Härten des Gesundheitssystems

Obwohl die agile und freundliche junge Frau durch ihre Mutter, ihre Oma und ihre Tante eine liebevolle Unterstützung erfährt; obwohl sie mit einem neuen Partner glücklich in einer Patchwork-Familie in Heroldsbach lebt und die Kinder ihres Partners sich rührend um Fabio sorgen; obwohl die 23-Jährige also viel Zuspruch erlebt, fühlt sie sich regelmäßig ratlos und wütend, wenn sie mit den Härten des Gesundheitssystems konfrontiert wird. Weil ihr Kind weder laufen, noch sitzen oder sich drehen kann, wurde Jennifer Sessner nachts eine Pflegerin zur Seite gestellt. "Aber zu seiner Entwicklung äußert sich kein Arzt", sagt die Mutter.

2015 hatte Fabio auch noch eine Chemotherapie und eine Leber-Operation (der Krebs war durch die starken Medikamente ausgelöst worden) hinter sich bringen müssen. "Doch wenn ich von der Krankenkasse Unterstützung brauche, muss ich alles tausend Mal erklären und rennen."
Auch wegen einer Atemmaske für Fabio hat Jennifer Sessner lange mit der Krankenkasse gestritten. "Da hat man ein schwer behindertes Kind und muss um alles betteln."

Demnächst wird Fabio einen Rollstuhl bekommen. Damit Jennifer Sessner mit ihrem Sohn das Haus verlassen kann, benötigt sie ein behindertengerechtes Auto mit Rampe. Doch woher soll die Familie das Geld dafür (rund 30 000 Euro) nehmen? Jennifer Sessner weiß, die Krankenkasse werde sie nicht unterstützen. Die junge Frau hat daher 179 Briefe an Stiftungen geschrieben. Eine Antwort hat sie bislang nicht erhalten.

Doch Unterstützung kommt plötzlich aus unmittelbarer Nähe. Das Heroldsbacher Musiker-Ehepaar Szarek ist auf die Geschichte von Fabio Sessner aufmerksam geworden. Die Töchter der beiden Familien kennen sich aus der Schule. Außerdem habe sie im Gemeindeblatt den Spenden-Aufrufe für Fabio gelesen, erzählt Sarah Szarek. "Wir haben gespendet und gefragt, ob wir helfen können."

Die prompte Antwort von Jennifer Sessner: "Das Einfachste ist, wenn uns jemand ein Konzert spielt." Und so organisierte die Flötistin Sarah Szarek das Konzert. unterstützt von ihrem Mann Radoslaw Szarek, der Dozent für Marimba und Jazz-Vibraphon an der Musikhochschule in Nürnberg ist. Auch Pfarrer Klaus Weigand und Bürgermeister Edgar Büttner haben sich für die Idee eines Benefizkonzertes begeistert. Ganz Heroldsbach könnte am Sonntag für Fabio auf den Beinen sein, hoffen die Veranstalter. Viele musizieren mit - "der Rest soll in der Kirche sitzen", wünscht sich Sarah Szarek.


Programm beim Konzert

Am Sonntag, 15. Oktober, findet das Benefizkonzert für Fabio um 16 Uhr in St. Michael in Heroldsbach statt. Neben dem Kinder- und Jugendchor "Poppsternla" musiziert auch das Klarinettenquartett "Klaribella" des Musikverein Heroldsbach. Musikalisches Highlight wird der Auftritt von Radoslaw Szarek (Professor für Schlagzeug an der Hochschule für Musik Nürnberg) am Marimba sowie seiner Ehefrau Sarah Szarek an der Flöte sein. Jeder Zuhörer kann durch seine freiwillige Spende helfen. Der Eintritt ist frei. Da jede kleine Spende eine große Hilfe für die Familie ist, kann auch auf das für Fabio eingerichtete Spendenkonto DE 94 7635 1040 0020 6119 35 gespendet werden.