Forchheim
Tanzen

Der West-Coast-Swing kann Blockaden lösen

Die unterschiedlichsten Paare haben sich zum ersten Fränkischen West-Coast-Swing-Wochenende in Forchheim getroffen.
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Foto: Pauline Lindner
Foto: Pauline Lindner
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Männern die Angst vorm Tanzen nehmen will Roland Moser, der Inhaber der Tanzschule Rupprecht-Moser. Der Tanzlehrer hat in Erfahrung gebracht, dass besonders das Gefühl, man könne der Partnerin auf die Füße treten, viele Männer davon abhält, aufs Tanzparkett zu gehen. Moser hat ein "Heilmittel": den West-Coast-Swing.

Er ist gewissermaßen der Nationaltanz Kaliforniens und sein Geheimnis ist die Grundbewegung. Jeder Tänzer schwingt im Takt mit und so wird jede Bewegung fließend und passt sich automatisch der des Partners an. "Das ist ein relaxeder Tanz", versichert Moser und weist auf die Paare, die sich zum ersten Fränkischen West-Coast-Swing-Wochenende in Forchheim getroffen haben.


Es geht leger zu

Leger geht es da zu, ganz anders als beim Turniertanzen. Die Kleidung ist eher sportlich und selbst die Schuhe der Damen sind flach. Ziel der Kursstunden mit Carlo Testa aus Ulm und Fabian Schuster aus Gummersbach, den deutschen Meistern in diesem Tanzstil, ist es nicht, Figuren auswendig zu lernen. "Lerne mit einem Partner tanzen", würde Moser als Motto ausgeben.

Das spiegelt sich schon im Ablauf wider. Auf Anweisung werden die Tanzpartner gewechselt und bei den so genannten Jack'n'Jill-Turnieren werden nicht Tanzpaare, sondern der einzelne Tänzer bewertet.

"West-Coast-Swing ist eine Schnittmenge der Generationen", betont Schuster. Er betreut Tänzer zwischen 16 und 86 Jahren. Auch Moser hat eine 82-jährige Frau unter seinen regelmäßigen Besuchern. Für diese ungewöhnlichen Altersbandbreite gibt es mehrere Gründe. Zum einen entwickeln junge Leute vermehrt Interesse an Gesellschaftstanz. Zum anderen liegt es daran, dass der West-Coast-Swing auf jeden Musikstil zu tanzen ist. "Bis auf Walzer und einen sehr akzentuiert gespielten Tango passen sogar Turniertanzstücke", meint Schuster, "aktueller Pop sowieso, Rockklassiker und Schmuseballaden."


Schritte im Vierteltakt

Wir haben früher Schieber getanzt, mag ein Älterer jetzt denken. Und liegt in den Grundzügen richtig: Swingende Schritte im Vierteltakt. Der Reiz entsteht durch Figuren und Schrittfolgen, die man aber auch stark reduzieren kann, je nach Puste und Kondition, und bleibt deswegen bis ins hohe Alter.

Und der Tanz kann sogar zur Überwindung von altersbedingten Einschränkungen dienen. Moser erinnert sich an eine alte, sehr korpulente Dame. "Drei Leute mussten ihr zur Tanzfläche helfen, doch dann, als die Musik einsetzte, schwebte sie richtig." Die Musik löste bei ihr - und sehr vielen anderen Menschen - Blockaden im Gehirn, die zu Bewegungseinschränkungen geführt hatten.

Eine Ergotherapeutin bestätigte Mosers Vermutung - und Eckart von Hirschhausen, der bekannte Fernseharzt. Er ließ seine Gehirnfunktion vor und nach einem Tanzkurs mit West-Coast-Swing vermessen. Ergebnis: Seine Fähigkeit zu komplexen Bewegungsabläufen war gestiegen.
Auch das wäre doch ein kluger Grund für die Männerwelt, mal das Tanzbein zu s(ch)wingen. Und dabei noch der Partnerin eine Freude zu machen.
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