Obertrubach
Nahversorgung

Der Obertrubacher Dorfladen macht dicht

Hannelore und Gerhard Küpfer schließen am 14. Oktober ihr Kaufhaus. Für viele Obertrubacher ist dies eine schlechte Nachricht.
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Hannelore und Gerhard Küpfer   (r.)      geben  ihren Laden  auf. Fotos: Franz Galster
Hannelore und Gerhard Küpfer (r.) geben ihren Laden auf. Fotos: Franz Galster
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Ganz überraschend kommt die Nachricht nicht, dass das Kaufhaus Wölfel von Hannelore und Gerhard Küpfer in Obertrubach seine Pforten schließen wird. Das Geschäft ist ein Textil- und Lebensmittelladen. Konkret steht als letzter Tag der 14. Oktober im Raum. Bis zum 30. September gibt es noch das normale, teils aber schon eingeschränkte Sortiment. Ab 1. Oktober startet der Ausverkauf. Die Preise sind bereits jetzt teilweise stark reduziert.

In den Tagen vom 2. bis 14. Oktober öffnet der Laden nur noch von 7 bis 12 Uhr. Bürgermeister Markus Grüner (CSU) hat die Obertrubacher zu einer außerordentlichen Bürgerversammlung am Montag, 18. September eingeladen. Um 19 Uhr soll im Saal des Gasthauses "Zur Post" um die Nahversorgung gehen.


Im Winter nicht viel los

Die Küpfers wollen künftig ihren Ruhestand genießen. 1986 hatte der Vater von Hannelore den Laden Grießinger käuflich erworben, seit 2010 verfügen die Küppers darüber als Eigentümer. Zu den privaten kommen auch wirtschaftliche Gründe für den angekündigten Rückzug. " Im Winterhalbjahr ist hier nichts los, die Gaststätten machen wochenlang zu", sagt Hannelore Küpfer. Hinzu komme, dass viele Urlauber in Obertrubach Vollpension buchen. "Die 680 Einwohner im Ort kaufen hier nur, was sie vergessen. Schließlich fahren sie auf dem Weg zur Arbeit an 50 Supermärkten vorbei", sagt Gerhard Küpfer. Er zeigt sogar Verständnis für dieses Kaufverhalten.

Nachdem sich ihr Sohn beruflich anderweitig orientiert hat, wollen die Küpfers nicht länger mit der Schließung ihres Geschäfts warten. Die Gemeinde haben sie schon vor einem Jahr von ihrer Absicht in Kenntnis gesetzt. Damit verlieren auch zwei Minijobberinnen ihren Platz. Agnes Seitz aus dem nahen Stierberg ist seit vier Jahren im Geschäft. Sie bedauert dessen bevorstehende Schließung.


Die Wege werden künftig länger

Hedwig Karl aus Herzogwind kauft gerade ein. "Ich komme alle paar Tage hierher. Es ist ein kurzer Weg. Und hier gab es wirklich alles", sagt sie. Künftig werden die Wege acht bis 10 Kilometer länger. Erst in Gößweinstein und Gräfenberg gibt es die nächsten Supermärkte. Hart trifft es auch die Senioren, für die damit die regionale Versorgung schwieriger wird. Berta Maier, die Seniorchefin vom gegenüberliegenden Gasthof "Fränkische Schweiz", beobachtet die Entwicklung mit Sorge. "Wir hatten einmal zwei Tankstellen, drei Metzger, zwei Bäcker und drei Lebensmittelläden. Fast jedes zweite Haus beherbergte ein Gewerbe. Aber das ist alles Vergangenheit", sagt sie nachdenklich.

Das Kaufhaus Wölfel hat eine passable Größe und bietet im Grunde alles, was im täglichen Haushalt gebraucht wird.
Ein realistischer Kaufpreis des Gebäudes steht nun auf der Agenda. Dazu braucht es laut Wölfel ein Sanierungsgutachten. "Die Gemeinde muss aktiv werden, eventuell auch bereit sei, in Vorleistung zu gehen", fordert Wölfel. Der Geschäftsleiter der Gemeinde, Ulrich Meierhöfer, wiegelt indes ab. "Der jetzt aufgerufene Kaufpreis liegt weit über den Möglichkeiten und ist nicht realistisch. Dazu kommen denkmalschutzrechtliche Erfordernisse mit erheblichem Aufwand. Die oberen Stockwerke sind marode. Wir suchen natürlich aktiv nach Lösungsmöglichkeiten. Das Ganze steht und fällt aber mit der Bürgerschaft".


Denkbare Alternativen

Auch Markus Grüner betont: Nur wenn die Bürger konsequent hinter einem Dorfläden stehen, könne ein solches Projekt auch gelingen. Zur Erörterung der Potenziale eines denkbaren Dorfladens hat die Gemeinde Wolfgang Gröll vom Dorfladen-Netzwerk, der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden eingeladen.

Gröll ist bundesweit tätig berät und begleitet als Fachmann Lebensmittel-Einzelhändler und Dorfladen-Bürgergesellschaften bei der Gründung, Eröffnung und Führung. Am 23. August waren Grüner, Meierhöfer und Gröll zu einem ersten Gespräch zusammengekommen. Sie besichtigten damals auch die Immobilie. "Mit Gröll haben wir den richtigen Experten", glaubt Gemeinderat Roland Wölfel (Bürgerwerkstadt). Er kann sich verschiedene Modell vorstellen, mit denen sich der Dorfladen weiterführen ließe: mit einem Unternehmer, einem genossenschaftlichen Modell oder auch einem externen Betreiber.
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