Baiersdorf
Kunst

Der bunte Weg zum Zug

Nicht wiederzuerkennen ist die Baiersdorfer Bahnhofsunterführung. Aus der grauen Betonwüste zauberten Graffiti-Künstler einen "Spaziergang durch Europa".
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Soll sie die Europa darstellen? Das muss jeder Betrachter für sich entscheiden, wenn er ihr in der Baiersdorfer Bahnhofsunterführung begegnet. Fotos: Matthias Hoch
Soll sie die Europa darstellen? Das muss jeder Betrachter für sich entscheiden, wenn er ihr in der Baiersdorfer Bahnhofsunterführung begegnet. Fotos: Matthias Hoch
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Was hat Baiersdorf mit Berlin außer dem Anfangsbuchstaben gemeinsam? Eine East-Side-Gallery. 16 Graffiti-Künstler aus ganz Deutschland haben die Ostseite der Bahnhofsunterführung am Wochenende gestaltet.
Begonnen haben die Track Art Days als Schulprojekt. Bürgermeister Andreas Galster (CSU) war vor einiger Zeit an die Grund- und die Mittelschule herangetreten, ob man nicht den langen betongrauen Schlauch künstlerisch gestalten wolle. Er stieß auf offene Ohren. Und die stellvertretende Schulleiterin der Mittelschule, Susanne Stahl, konnte noch mehr dazu beitragen.

Sie hat Kontakt zu Carlos Lorente, der wiederum der Sprecher der Style Scouts ist. Die Künstlergruppe hat sich ganz dem Graffiti verschrieben. In Baiersdorf lautete ihre Aufgabe die Buchstabenfolge "Baiersdorf in Europa" in einzelnen Bildern in unterschiedlichem Stil zu gestalten. Mit im Boot waren auch die Schüler.

Die Kleinen übernahmen den westlichen Abgang und grüßen nun in vielen Sprachen die Passanten. Die M9 der Mittelschule wählte den anschließenden Durchgang unter den Gleisen. Sterne mit Parolen teils im Retrostil sind ihr Beitrag. Den setzte auf der gegenüberliegenden Wand eine Gruppe der JOB (Jugendarbeit Baiersdorf) fort.

Blickt man von hier auf das Tunnelende, hat man die Arbeiten von Bond und Jeroo vor sich. Die beiden Künstler übernahmen die Buchstaben D und O. Schon früh um 7 Uhr hat er angefangen, sagt Bond, der mit dem Krimihelden die Lizenz - allerdings zum Sprayen - gemeinsam hat. Auf der obersten Stufe einer Malerrampe ist er zugange und gibt geometrischen Formen dreidimensionale Rundungen mit der Sprühdose, als der offizielle Start ansteht.

Galster erklärt die Entstehungsgeschichte: die zwei "fürchterlichen" Lärmschutzwände, die die Stadt teilen, und den Kampf um die Rampe auf der Ostseite des Bahnhofs. Mehr als eine halbe Million musste die Stadt für den jetzigen Zustand aufwenden. Und bekam, so Galster, eine Betonwüste.


Nicht mehr grau

"Die wird bald anders aussehen", war er sich sicher und ulkte : Aus einem "Ozapft is" wurde so ein "Ogschprüht is". "Ein spannendes Projekt" bekannte Lorente, der zu Beginn erkannt hatte, dass die Fläche von- gut 250 Quadratmeter für die Schüler allein viel zu groß waren.

Mit der professionellen Verstärkung sind die Wände ein Gesamtkunstwerk geworden, in das jeder seine Ideen, seine Assoziationen zu Europa in seinem Stil einbrachte. Jeder Besucher oder Passant darf sich davon anregen lassen. Driften die Gedanken bei den Bildern mit den deutlichen typografischen Momenten Richtung Papierwust und Sprachenvielfalt bei allen europäischen Organisationen? Erinnern die verschlungen Wege und Treppen an Kafkas Schloss oder an die Bürokratie der EU?
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