Gräfenberg
Allergien

Das raten Experten bei Allergien

Die Schüler der Mittel- und Realschule Gräfenberg erhielten praktische Ratschläge, welche Alternativen es bei Allergien gibt.
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Der Baubiologe Stephan Oppolzer klärte die Gräfenberger Schüler über Luftverschmutzung auf. Fotos: P. Malbrich
Der Baubiologe Stephan Oppolzer klärte die Gräfenberger Schüler über Luftverschmutzung auf. Fotos: P. Malbrich
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Forchheim/Gräfenberg Mit der Luft, dem alltäglichsten und lebensnotwendigstem für den Menschen, hat der Baubiologe und Aus- und Weiterbildungspädagoge Stephan Oppolzer zum Thema hingeführt: Allergien und Asthma. In der Hausaufgabenbetreuungsgruppe der Ganztagesschule, bestehend aus der Mittel- und Realschule Gräfenberg, bleibt manchmal in der Woche Zeit für ein Projekt. Dieses Mal mit dem Thema Luft, um auf den 120. Geburtstag des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (Daab) hinzuweisen.
Der Bund wurde 1897 als Heufieberbund in Helgoland gegründet. "Damals nannte man die Reaktion auf Pollen Heufieber", erklärt Sonja Lämmel, Pressesprecherin des Daab. Der Weinhändler Otto Schulz fuhr damals regelmäßig auf Helgoland, um seine Beschwerden zu lindern. Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Zusammen mit anderen Betroffenen hat er dann den Bund gegründet. Allergien gab es schon damals. Doch andere Krankheitsbilder kamen im Lauf der 120 Jahre hinzu.
Heutzutage gibt es auf fast alles Allergien: auf Pollen, auf Tierhaare, auf Nahrungsmittel oder die Kontaktallergie. Außerdem gibt es Urtikaria, Asthma, COPD und Laktose-Intoleranz. Dass eine Person nur eine Allergie hat, gebe es nicht. "Es hängt oft mehr dran", sagt Lämmel. Alarmierend ist jedoch die Zahl der Anaphylaxie, dem schweren allergischem Notfall, hervorgerufen beispielsweise durch eine Nussallergie.


Allergien nehmen zu

In den letzten zehn Jahren hat sich diese Zahl bei Kindern um das Siebenfache erhöht. Noch immer sei dieser Notfall in Schulen ein Problem, da viele Lehrer nicht wissen würden, wie sie mit dem Notfallset umgehen müssen. Umso besser findet Lämmel, wenn in der Schule für das Thema Allergie und Asthma sensibilisiert wird. Damit angefangen hat Stephan Oppolzer ganz spielerisch, mit dem Messen der Atemfrequenzen im Laufen oder Liegen. Auch Luftballone durften die Kinder aufblasen und stellten bei allem fest: Der Mensch braucht Luft, um das zu tun zu können.
Nur gebe es eben Menschen, denen die Luft wegbleibt, die zu wenig Luft bekommen. Das kann auch durch Duftstoffe im Waschmittel passieren. Oder durch Haarsprays und Deos, die manche Schüler so gerne im Klassenzimmer versprühen. In fast allen Schulen, weiß Oppolzer.
Um das einzudämmen, um die Kinder dafür zu sensibilisieren, macht Oppolzer über mehrere Wochen das Projekt. "Es ist ungesund, das einzuatmen. Es gibt Alternativen", sagt er, zum Beispiel Deoroller oder Deosalz.
Weichspüler und Reinigungsmittel gehören für für viele moderne Menschen zum Alltag, dabei ist gerade die Hygiene einer der Gründe für die Zunahme an Allergien. "Wir wachsen in einer klinischen Welt auf", sagt Lämmel. Das Immunsystem langweile sich: War es früher für die Parasitenabwehr zuständig, suche es sich nun eine neue Aufgabe und attackiere die natürlichen Dinge.


Auslöser sind immer präsenter

Einen anderen Grund in der Zunahme an Allergien, Asthma und den anderen Krankheitsbildern sieht der Daab darin, dass die Auslöser immer präsenter sind. Die Ambrosia. Oder die Zederpollen und die Olivenpollen. Inzwischen gibt es ganze Olivenhaine. "Der dritte Aspekt sind die Umweltbelastungen", sagt Lämmel. Die Pollen werden durch Umweltschadstoffe wie Ozon und Dieselausstoße aggressiver.
Was alles die Luft verschmutzen kann, hat auch Stephan Oppolzer mit den Schülern besprochen. Ein CO2-Messgerät zeigt, wann die Luft im Klassenzimmer zu stickig wird und man deshalb lüften sollte. Um aufgeklärt zu sein, hat der Daab über 900 Kollegen, die allergologisch geschult sind.
Um sich zu schützen, sollte man die Allergene meiden. "Man kann den Allergenen gut aus dem Weg gehen, wenn man weiß, wie die Lebensmittelindustrie sie einsetzt", sagt Lämmel. Ein wenig zurück zu Großmutters Zeiten sei hilfreich: "Wie mache ich eine Soße ohne Fertigpäckchen", nennt Lämmel als Beispiel. Das soll aber nicht heißen, dass nur Chemie Allergien auslöst. "Es sind viele natürliche Stoffe wie ätherische Öle, Milch, Birkenpollen", zählt sie auf. Ein Thema, das auch in einen anderen Bereich fällt, sind die Duftstoffallergene. Diese können zum einen eine Kontaktallergie, also Juckreiz und Quaddeln auslösen. Oder die Atemwege betreffen und zusätzlich reizen.
Die Duftstoffe gehören aber auch in den Bereich der MCS, der multiplen Chemikaliensensibilität. Dieser Bereich wird vom Daab nicht mehr abgedeckt, da er einfach zu umfangreich ist. Aber Lämmel verspricht: "Wir setzen uns als Sprachrohr ein." Auch für eine duftfreie Umwelt.
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