"Ich fand das vermessen", sagte Johannes Harrer (CSU), Dritter Bürgermeister der Marktgemeinde Heiligenstadt, und meinte damit die Geschehnisse um die Festlichkeiten zum Ende der Renovierungsarbeiten der Sankt-Georg-Kirche in Oberngrub. Harrer war enttäuscht über Vorwürfe gegen die Bürgermeister, die lautgeworden waren.

"In der letzten Sitzung bat Marktgemeinderat Georg Bittel von der Bürgernähe ums Wort und drückte das Bedauern der Ortschaft Oberngrub aus, weil kein Vertreter der Gemeinde zum Besuch von Erzbischof Schick gekommen war", berichtete Geschäftsführer Rüdiger Schmidt. "Ich wollte das Thema eigentlich gar nicht ansprechen, aber wir sind einfach nicht eingeladen worden", erklärte Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) und Zweiter Bürgermeister Hans Göller (SPD) schimpfte: "Dabei gehen wir zu allen Veranstaltungen, zu denen wir eingeladen werden."

Bittels Schwester, Kirchenrätin Martina Hattel, gab an, dass sie erwartet hatte, dass die Bürgermeister privat kommen würden. Helmut Krämer erklärte, dass bei solchen Veranstaltungen, besonders wenn ein hoher Würdenträger eine Gemeinde besucht, üblicherweise eine Einladung an die Gemeinde erfolge. Dann werde geklärt, welcher Vertreter den Termin wahrnimmt, ob Grußworte oder eine Rede erwünscht sind, und ob ein Geschenk der Gemeinde überreicht werden soll.

"Wenn ich da einfach hingehe, mache ich mich doch lächerlich. Da wird dann gelästert, was ich da ohne Einladung will", schimpfte Hans Göller. Krämer hätte sich ein Gespräch mit den Beteiligten gewünscht. "Das gebietet doch der Anstand, dass man die politische Gemeinde zu so einer Veranstaltung einlädt", tadelte Göller.

Martina Hattel erklärte, dass die Kirchenräte und Pfarrer Christian Kaiser bei den Vorbereitungen beschlossen hatten, dass nur am Projekt Beteiligte und Spender eingeladen werden sollten. Die Marktgemeinde hatte nichts gespendet.

"Wir dürfen solche Zuwendungen nicht mehr geben, das ist uns nicht erlaubt", erklärte Rüdiger Schmidt. Der Haushalt der Gemeinde müsse vom Landratsamt genehmigt werden, damit für die Schulden Darlehen aufgenommen werden können. Deshalb müsse man bei den Ausgaben zurückhaltend sein. "Darum hat der Marktgemeinderat am 18.4.2004 in einer Sitzung beschlossen, dass zukünftig keine solchen Zuschüsse mehr getätigt werden", informierte Krämer.

Das gelte für alle 14 Kirchen und Kapellen und die 60 Vereine der Marktgemeinde. In anderen Teilorten habe das bisher auch noch kein Problem gegeben. Da sei die Gemeinde zu Besuchen des Erzbischofs eingeladen worden.

Pfarrer Christian Kaiser bestätigte, dass es bei der Gemeinde eine Anfrage für eine Zuwendung gegeben habe. Ein Aspekt für die nicht erfolgte Einladung sei das Geld gewesen, der andere, dass es sich um eine kirchliche Veranstaltung gehandelt habe.

Eine Einladung der Gemeinde sei von seinem Standpunkt aus nicht üblich. Pfarrer Kaiser gab an, dass die Bevölkerung beispielsweise über das Mitteilungsblatt eingeladen worden sei. Seiner Ansicht nach sei es nicht notwendig die Gemeinde einzuladen, da es sich nicht um eine politische Veranstaltung gehandelt habe.