Aufseß
Versorgung

Bäuerlein will keinen "Wasserkrieg"

Der Aufseßer Bürgermeister ärgert sich massiv über seinen Waischenfelder Amtskollegen. Hintergrund des Streits ist die Wasserversorgung.
Artikel einbetten
Der Aufseßer  Bürgermeister Ludwig Bäuerlein ist wütend. Foto: privat
Der Aufseßer Bürgermeister Ludwig Bäuerlein ist wütend. Foto: privat
"Die beiden Herren, die sich mit unwahren Angaben aus dem Fenster lehnen, kommen mir so vor, als wären sie Kreuzritter aus dem Mittelalter" - dies sagte ein verärgerter Außseßer Bürgermeister Ludwig Bäuerlein (CSU/UW) in Richtung seines Waischenfelder Amtskollegen Edmund Pirkelmann (BBS), der auch Zweiter Vorsitzender des Zweckverbands der Juragruppe ist. Die Wut Bäuerleins richtete sich zudem auch an dessen Werkleiter Hans Hümmer. Bäuerlein nutzte die jüngste Sitzung des Aufseßer Gemeinderats, um über die interkommunale Zusammenarbeit mit der Aufseßgruppe bezüglich der staatlich geförderten Kooperation in Sachen zweites Standbein für die gemeindliche Wasserversorgung von Aufseß zu informieren.

Bäuerlein betonte zwar, er wolle keinen "Wasserkrieg" anzetteln. Er teilte aber dennoch kräftig gegen Pirkelmann und Hümmer aus. Beide kämen als Kaufleute daher, die alles anzweifeln. "Das kommt mir bald wie eine Werbeveranstaltung vor, als ob einer Staubsauger verkaufen will", zog Bäuerlein weiter vom Leder. Weiter sagte der Bürgermeister: "Wenn die Juragruppe eine weitere Ringleitung braucht, muss sie sich selber darum kümmern."


Nicht so gut mischbar

Bäuerlein stellte klar, dass die Juragruppe als Kooperationspartner für die Wasserversorgung von Aufseß vor allem aus Kostengründen gescheitert sei. Denn hätte man sich an die Juragruppe angeschlossen, hätte die Gemeinde Aufseß die Leitung bis Hochstahl erneuern müssen. Außerdem sei das "Aufseßwasser" mit dem der Juragruppe nicht so gut mischbar wie mit jenem der Aufseßgruppe und dem aus dem Markt Wiesenttal. Dies hätte eine Untersuchung ergeben. Die Juragruppe würde zudem nur Wasser liefern, aber im Gegenzug keines abnehmen. Auch sei der Nitratgehalt im Trinkwasser der Juragruppe "wesentlich höher"; auch Pestizide seien darin auch enthalten. Beim "Aufseßwasser" liege der Nitratgehalt bei 20 Milligramm pro Liter, beim "Jurawasser" hingegen schon bei 28. Durch die Schadstoffeintragungen der Landwirtschaft werde der Nitratgehalt im Wasser der Juragruppe kontinuierlich steigen.

"Das ist ein großes Problem das uns eines Tages überrollen wird und schon jetzt ist es bedenklich", prophezeite Bäuerlein. Er stellte unmissverständlich fest, dass die Versorgungssicherheit seiner Bürger mit Trinkwasser durch die Kooperation mit der Aufseßgruppe und dem Markt Wiesenttal gegeben sei.
55 Meter ist der Tiefbrunnen der Wasserversorgung Aufseß tief. Ein 101 Stunden lang dauernder Pumpversuch habe nun gezeigt, dass man daraus ohne wesentliche Absenkungen 25 Liter Wasser pro Sekunde fördern kann. Und damit mehr als genug Wasser die Gemeinde Aufseß - vorbehaltlich Zochenreuth, aber mit Tiefenlesau in der Gemeinde Hollfeld.


Eine schlaflose Nacht

Dann erinnerte Bäuerlein an das erste Förderprogramm des Freistaats aus dem Jahre 2011 zur Schaffung eines zweiten Standbeins, dass später verlängert wurde. "Eine Roteintragung im Landkreis Bayreuth hatten wir nur deshalb, weil nur eine Einspeisung vorhanden war", so Bäuerlein. Am 9. August 2016 sei die Vorplanung an das Ingenieurbüro zur Kooperation mit der Aufseßgruppe in Auftrag gegeben worden und als dann der Antrag auf Zuwendung gestellt wurde. Erst dann Bäuerlein zufolge die Einsprüche der Juragruppe. Als dann auch noch Waischenfelds Dritter Bürgermeister Kurt Neuner (BBN), der beim Wasserwirtschaftsamt Hof arbeitet, die wasserrechtliche Genehmigung der Wasserversorgung der Gemeinde Aufseß anzweifelte, konnte Bäuerlein nach eigenen Angaben die ganze Nacht nicht schlafen.

Am nächsten Tag suchte er gleich die Unterlagen im Rathaus heraus. Die Genehmigung zur Entnahme von Trinkwasser aus dem Aufseßer Tiefbrunnen wurde am 13. Dezember 1991 erteilt und endet am 13. Dezember 2021. Bäuerlein "fiel ein Stein vom Herzen". Er betonte, das eine Verlängerung der wasserrechtlichen Erlaubnis kein Problem ist. Ebenso kein Problem gäbe es mit dem Wasserschutzgebiet der Gemeinde Aufseß. "Der Wasserschutz ist vorhanden und genehmigt", so Bäuerlein.Er informierte die Gemeinderäte weiter, dass bereits ein geologisches Institut beauftragt wurde, um zu überprüfen, ob die Größe des Wasserschutzgebiets auch noch in Zukunft ausreichend ist. Zum Wasserschutzgebiet der Juragruppe stellte Bäuerlein außerdem fest, dass dieses vom Landratsamt noch nicht genehmigt worden sei.

Jedenfalls sei das Wasser aus Aufseß ein hochwertiges Lebensmittel, das keinerlei technischer Aufbereitung bedürfe. Dann erinnerte Bäuerlein auch noch an die Anfänge der Juragruppe, die nach seiner Meinung einst wegen der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf entstanden sei. "Da hätte man wahnsinnig viel Wasser gebraucht, was nur mit einer großen Wasserleitung aus dem Fränkischen Jura möglich gewesen wäre", so Bäuerlein. Auf die Frage von Siegfried Krug (WG Sa/Ne), ob die Stadt Waischenfeld so einfach Breitenlesau aus der Aufseßgruppe herauslösen kann, antwortete VG-Geschäftsleiter Günther Bienfang, dass dies nicht ohne Zustimmung des Verbandsrats der Aufseßgruppe geht. "Da wird den Bürgern Sand in die Augen gestreut", so Bienfang,.
Das Schlusswort hatte wieder Bäuerlein: "Ich hoffe das sich das Ganze wieder legt und ich möchte mich auch nicht auf das Niveau der Verantwortlichen der Juragruppe herunterlassen."
Verwandte Artikel
1 Kommentar
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren