Forchheim
Urteil

Bademeister aus Forchheim muss doch in Haft

Der Mann, der im Königsbad zwei Jugendliche verletzt haben soll, wurde am Mittwoch von der kleinen Strafkammer in Bamberg verurteilt.
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Im Forchheimer Königsbad soll ein Bademeister überreagiert und zwei Jugendliche verletzt haben. Gegen das Urteil des Amtsgerichts ging der Angeklagte in Berufung.  Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Im Forchheimer Königsbad soll ein Bademeister überreagiert und zwei Jugendliche verletzt haben. Gegen das Urteil des Amtsgerichts ging der Angeklagte in Berufung. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Der Berufungsprozess gegen einen ehemaligen Bademeister des Forchheimer Königsbads ist am Mittwoch zu Ende gegangen: Richter Uwe Bauer und die beiden Schöffen verurteilten den Mann zu fünf Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Damit bestätigten sie die Entscheidung des Amtsgerichts Forchheim.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, Mitte 50, vor, im vergangenen Mai einem 18-jährigen Badegast einen Fußtritt verpasst zu haben. Außerdem soll er ihn bedroht haben. Der junge Mann war mit sechs anderen Jugendlicher am Schwimmerbecken im Königsbad. Einige von ihnen sind verbotenerweise vom Rand ins Wasser gesprungen, dadurch kam es zum Streit mit dem Bademeister.


Zweite Tat wurde eingeräumt

Zwei Monate später soll der Mann bei einem weiteren Fall einen 14-Jährigen am Arm gepackt und geschlagen haben. Die zweite Tat räumte der Angeklagte. Den Tritt gegen den 18-Jährigen bestritt der Mittfünfziger und behauptete, er sei damals ausgerutscht. Der Geschädigte kann nicht vor Gericht aussagen, da er im November letzten Jahres aus Deutschland ausgereist ist.

Seine polizeiliche Vernehmung wurde stattdessen verlesen. Von "zwei Schläge am Gesäß" ist darin die Rede. "Als mich die Schläge trafen, bin ich dadurch ins Wasser gefallen." Der Polizei sagte der 18-Jährige, dass die Gruppe keinen Quatsch gemacht und niemanden belästigt habe. Zwei unbeteiligte Badegäste sagten aus, dass der Bademeister sehr aggressiv und laut gegen die Jugendlichen vorgegangen sei, den Tritt haben sie nicht genau gesehen.

Die Verhandlung am Landgericht Bamberg hatte sich verzögert, weil ein wichtiger Zeuge Ende August unentschuldigt nicht vor Gericht erschien. Der Junge, der wie das vermeintliche Opfer 18 Jahre alt ist, ist einer aus der Gruppe. Auch am Mittwoch kam er zuerst nicht.

Die Verhandlung war für 13.30 Uhr angesetzt, konnte aber erst eine Stunde später beginnen. Die Polizei musste den Zeugen aus Forchheim abholen, damit er seine Aussage machen konnte. Er habe den Termin vergessen, beteuerte der Zeuge schließlich kleinlaut.


Streit am Becken eskalierte

Der 18-Jährige hat den Fußtritt gegen seinen Freund auch nicht gesehen. Er erinnert sich aber an die Bedrohung. Der Bademeister soll das Opfer ausländerfeindlich beschimpft und mit dem Tot bedroht haben.

Der Angeklagte schüttelt während der Zeugenaussage mit dem Kopf. Der junge Mann bestätigt, dass die Jugendlichen öfter Ärger im Königsbad gehabt hätten. "Ich weiß nicht, warum wir das gemacht haben. Ich finde selbst, dass es ein Fehler war", gab er zu. Der Streit mit dem Bademeister sei danach unübersichtlich, laut und aggressiv gewesen. Deswegen habe er auch die Polizei gerufen. Eine Tätigkeit hat er nicht mitbekommen, sein Freund habe sich aber beklagt, getreten worden zu sein.

Der Verteidiger Stefan Müller plädierte nach der Verhandlung auf eine Geldstrafe oder einen Monat Haft, die auf Bewährung ausgesetzt werden sollte. "Der angebliche Tritt hat sich nicht nachweisen lassen", so Müller. Deswegen würde eine Geldstrafe wegen der Drohung ausreichen. Den Schlag in den Bauch gegen den 14-Jährige habe sein Mandant gestanden und sich entschuldigt.

Der Mittfünfziger ist einschlägig vorbestraft und wurde schon viermal wegen Körperverletzung verurteilt. Zwei Bewährungsstrafen hat er bereits ausgestanden. Das langjähriges Alkoholproblem habe sein Mandant im Griff, meinte Müller. Bei der Strafe sei zudem zu berücksichtigen, dass der Angeklagte seinen Job als Bademeister verloren hat. Der Staatsanwalt plädierte auf sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung: "Bademeister sollen für Ruhe und Ordnung sorgen. Aber dabei muss er sich auch an die Regeln halten."


Fußtritt nicht nachgewiesen

Richter Bauer betonte nach dem Prozess, dass der Fußtritt nicht nachgewiesen werden konnte. Aber wegen der Bedrohung und der zweiten Tat verurteilte die kleine Strafkammer den Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Monaten.

Er bekam keine Bewährung vor allem, weil zwischen den beiden Vorfällen nur zwei Monate lagen. "Deswegen konnten wir nicht rechtfertigen, dass er noch einmal eine Bewährungsstrafe bekommt", argumentierte Bauer. "Es ist nicht okay, dass man sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Ein Bademeister kann gereizt reagieren, aber er muss sich im Griff haben."

Gegen das Urteil kann die Verteidigung lediglich das Rechtsmittel der Revision einlegen.
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