Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

So wichtig wie Winterreifen


Autor: Mike Wuttke

Forchheim, Mittwoch, 18. November 2015

Die Männer und ihre Scheu vor dem Urologen - Tipps von Dr. Hans-Martin Blümlein zum heutigen internationalen Männertag.
Dr. Blümlein zeigt auf ein Ultraschallbild, auf dem die Größe der Prostata vermessen wird.Foto: Michael Wuttke


Am 3. November wird der Weltmännertag und am 19. der internationale Männertag propagiert. Bei einem Aktionstag zur Männergesundheit werden vor allem rechtzeitige Vorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen gesundheitlichen Verfassung und Risiken in den Fokus gestellt. Der 19. November dient dazu, Benachteiligungen von Männern und Jungen in den Bereichen Gesundheit, Familienrecht, Bildung und Medien aufzuzeigen. Was Männern wichtig sein sollte, darüber haben wir ein Gespräch mit dem Forchheimer Urologen Dr. Hans-Martin Blümlein geführt.

Die Lebenserwartung der Männer liegt im Durchschnitt fünf Jahre unter der der Frauen. Kann Mann das ändern?
Dr. Blümlein: Die Gründe liegen zum Teil, so sagt es die Wissenschaft, in der Lebensführung vor allem in jungen Jahren. Für ihn gilt, er sollte seine gesundheitlichen Risiken im Auge behalten.

Die da wären? 
Es gibt drei Problembereiche: Testosteron, Prostata und Potenz.

Und das äußert sich wie?
Ab dem 30. Lebensjahr tritt ein Abfall der männlichen Hormone um zehn Prozent pro Dekade ein. Der körperlich feststellbare Mangel wird meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr spürbar.

Mit welchen Auswirkungen?
Das können mehrere sein wie Neigung zu depressiven Verstimmungen, Rückbildung der Muskeln, der Körper- und Schambehaarung, Abnahme der Hautdicke, Vermehrung des Fettgewebes - Stichwort Bierbauch - und Blutarmut. Außerdem Verkleinerung der Hoden, Rückgang von Libido, Potenz und Knochendichte.

Das klingt ja einigermaßen dramatisch. Gibt es Abhilfe?
Die Störungen können durch eine Testosteronbestimmung im Blutserum erkannt und behandelt werden.

Besonders alarmierend sind für die meisten Männer wohl Libidomangel und Potenzstörungen.
Hier ist ein Hormonersatz sinnvoll, zusätzlich zu erektionsverbessernden Medikamenten, wobei Kontraindikationen beachtet werden müssen. Die erektile Dysfunktion, also Potenzprobleme, ist die urologische Schwester des Herzinfarktes, welche meist zehn Jahre früher auftritt.

Wie hilft der Arzt?
Mit Abklärung des Blutdrucks, des Zucker- und Fettstoffwechsels, Ausschluss einer Verengung der Halsschlagader und Kontrollen des Medikamentenplans.

Und wie ist das mit der berühmten "blauen Pille"?
Die kann durchaus helfen. Es gibt aber auch andere Präparate mit Zulassung für Potenz- und Prostatabeschwerden.

Vorsorge ist ein wichtiges, aber auch heikles Thema, weil viele Männer den Gang zum Urologen scheuen.
Für Männer über 45, die das vor sich herschieben, heißt es Endspurt! Wie bei so vielen anderen Erkrankungen gilt auch beim Prostata-Krebs: Sofern der Tumor frühzeitig erkannt wird, ist die Chance auf eine vollständige Genesung sehr hoch. Bei Männern über 50 liegt die Rate bei 80 Prozent.

Warum ist Vorsorge so wichtig?
Das Prostatakarzinom steht an erster Stelle bei neu diagnostizierten Karzinomen der Männer und ist die dritthäufigste Todesursache. Besondere Risikofaktoren sind eine familiäre Vorbelastung, chronische Prostatitis und einige andere. Eine zwei- bis vierfache Risikoerhöhung besteht bei Brüdern und Söhnen von PCA-Patienten.

Wie sieht die Untersuchung aus?
Der Ausschluss eines Prostatakarzinoms erfolgt durch Abtasten der Prostata, die Größenbestimmung per Ultraschall vom After aus und Messung des PSA-Wertes nach einer Blutabnahme.

Der PSA-Wert ist umstritten. In der wissenschaftlichen Debatte herrscht Uneinigkeit darüber, ob er wirklich zur Früherkennung von Prostatakrebs geeignet ist.
Für mich ist der PSA-Wert ein wichtiger Tumormarker. Will sagen: Eine klare Krebsdiagnose wird, zusammen mit anderen Indikatoren, mit steigendem PSA-Wert wahrscheinlicher. Auch wenn die Kassen den Test nicht bezahlen. Ich sage also deutlich: Männer, denkt nicht nur an die Winterreifen fürs Auto, die neuen Skier und Weihnachtsgeschenke für die Frauen - denkt auch an euch! Eine PSA-Messung kostet 20 Euro, ein Testosteron-Test 23 Euro. Das sollte keinem zu viel sein.

Das Gespräch führte unser Mitarbeiter Michael Wuttke.


Zur Person
Dr. Hans-Martin Blümlein betrieb viele Jahre eine urologische Facharztpraxis und war Belegarzt am Forchheimer Krankenhaus. Er war 20 Jahre Vorsitzender der Oberfränkischen Urologischen Gesellschaft und führte Fortbildungen durch. Außerdem ist seine jetzt privat betriebene Praxis Beratungszentrum der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft.