Forchheim
Amtsgericht

Nach Opferstock-Diebstählen im Kreis Forchheim: 55-Jähriger muss einsitzen

Den 55-Jährigen, der im September 2016 in Hetzles, Neunkirchen und Steinbach Opferstöcke aufbrach, bringt seine 31. Vorstrafe ins Gefängnis.
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"Das geht wirklich gar nicht. Die Kirche ist ein besonders geschützter Raum", kommentierte Richterin Silke Schneider die Tat des Angeklagten. In drei Gotteshäusern hat er das Kleingeld gestohlen, was andere für einen guten Zweck vorher gespendet hatten,  Foto: Winfried Roppelt/Archiv
"Das geht wirklich gar nicht. Die Kirche ist ein besonders geschützter Raum", kommentierte Richterin Silke Schneider die Tat des Angeklagten. In drei Gotteshäusern hat er das Kleingeld gestohlen, was andere für einen guten Zweck vorher gespendet hatten, Foto: Winfried Roppelt/Archiv
"Ich schließe nicht aus, dass ich es gewesen bin", sagte der 55-jährige Angeklagte am Donnerstagvormittag im "Opferstock-Prozess" am Forchheimer Amtsgericht.

Eine Aussage, die im allerersten Moment wie ein Affront gegen das Gericht klang - durch den nächsten Satz des Mannes aber eine ganz andere Botschaft vermittelte. "Ich habe um 5.30 Uhr mit dem Trinken angefangen. Whiskey, Flachmänner - nur hartes Zeug. Ich kann mich nicht mehr erinnern."


Großer Schaden - geringe Beute

Der Vorwurf gegen den Mann, der aus dem Saarland stammt und während der Tatzeit in einer Gemeinde im südlichen Landkreis Forchheim wohnte: Er soll am 16. September 2016 in den katholischen Kirchen in Hetzles und Neunkirchen sowie der Kapelle in Steinbach Opferstöcke aufgebrochen und das Kleingeld gestohlen haben. Insgesamt erbeutete er geschätzt gut 100 Euro. Dabei entstand Sachschaden von etwa 1500 Euro.

Überführt wurde der Mann von aufmerksamen Zeugen. "Durch den Zeitungsartikel über den Diebstahl erinnerte ich mich, dass ich ihn im Vorbeifahren vor der Kapelle in Steinbach gesehen habe", sagte eine Frau, die das Gotteshaus pflegt und sich wunderte, da der Mann kein Kirchgänger gewesen sei.


Mit dem Täter unterhalten

Ein anderer Zeuge, ein Mesner in Neunkirchen am Brand, hat sogar in der von ihm betreuten Kirche St. Michael mit ihm gesprochen. "Er sagte, er wolle beten, da er Stress mit seiner Frau habe. Er hat einen fertigen Eindruck gemacht." Im dritten Fall in Hetzles hat eine DNA-Analyse ergeben, dass auch hier der Angeklagte derjenige war, der zwei Opferstöcke aufgebrochen hat.

Besonders betrunken habe der Angeklagte auf die Zeugen jedoch nicht gewirkt. "Mir ist nichts aufgefallen, als er vom Kleinkraftrad herunter stieg", sagte die Frau. "Er hat nicht gelallt oder stark gerochen", gab der Mann an. Richterin Silke Schneider kommentierte: "Den Komplett-Blackout nehme ich Ihnen nicht ab."


Angeklagter stark alkoholkrank

Für alle Beteiligten unstrittig war jedoch, dass es sich bei dem Mann um eine stark alkoholkranke Person handele. "Es tut mir wirklich sehr leid. Ich kann mich nicht mehr im Spiegel anschauen, will weg vom Alkohol und wieder ein normaler Mensch werden", sagte der Mann, der den Sinn seiner Tat nicht erklären konnte. "Geldnot hatte ich eigentlich nicht. Ein bisschen was hatte ich immer."

Richterin Schneider vermutete, dass sein Körper das Trinken bereits gewohnt sei und deswegen kaum Ausfallerscheinungen zeigte. "Da kann man nicht von Schuldunfähigkeit sprechen."

Verteidiger Andreas Dräger hingegen argumentierte, dass Alkoholkranke oft äußerlich fitter wirkten als sie in dem Moment seien. Er plädierte für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit. Staatsanwalt Matthias Schmolke wunderte sich, warum der Mann trotz jahrelanger Trinker-Karriere ab September 2016 erst seine erste Therapie gemacht hat.

"Die Krankenkassen haben das vorher nicht gezahlt", antwortete der Angeklagte, der seine Therapie im Januar 2017 abschloss, seitdem aber ohne festen Wohnsitz ist und laut Aussage eines Forchheimer Polizisten auch danach schon zweimal erheblich alkoholisiert aufgegriffen wurde. Um ihn für die Verhandlung zu laden, musste nach ihm gefahndet werden. Seit April 2017 sitzt er in Untersuchungshaft.

Richterin Schneider: "Positiv ist, dass Sie es aus eigener Stücken versucht haben. Aber die Therapie war kein Erfolg." Der Forderung von Verteidiger Dräger, seinem Mandanten eine weitere Bewährungsstrafe zu geben, erteilte die Richterin eine Absage. "Ich weiß nicht, wie die letzte Bewährung in Nürnberg zustande kam. Aber ich kann keine mehr geben."


Vorstrafen beginnen 1977

Immerhin - so die Richterin - passe die Tat perfekt ins bereits im Jahr 1977 beginnende Vorstrafenregister des Angeklagten. "Ich erlebe viel. Aber ihre Palette an Vorstrafen ist schon einzigartig." Richterin Schneider las unter Zustimmung aller Beteiligten nur diejenigen der insgesamt 30 Vermerke vor, die sich auf Taten seit 2012 beziehen. Sie waren gespickt mit Trunkenheitsfahrten und Diebstählen - inklusive der bestehenden Bewährungsstrafe des Amtsgerichts Nürnberg über acht Monate, die mit der nun verhängten Strafe verrechnet wurde.

Letztlich verurteilte ihn die Richterin wegen Diebstahls und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Der Staatsanwalt hatte einen Monat mehr, der Verteidiger eine Strafe von unter einem Jahr gefordert. Der Haftbefehl blieb bestehen, die Verfahrenskosten trägt der Angeklagte. Da beide Seiten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig.
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