Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Jubiläum

Jubiläum: Main-Donau-Kanal feiert 25-jähriges Bestehen

Früher als "weiß-blauer Panama-Kanal" bezeichnet, heute ein fester Bestandteil der Region: Der Main-Donau-Kanal. Dieses Jahr feiert er Jubiläum.
Der Main-Donau-Kanal feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen.Foto: Daniel Karmann / dpa
 
von DPA
Der frühere bayerische Ministerpräsident Max Streibl (CSU) hielt ihn für ein "Jahrhundertprojekt", Naturschützer dagegen für einen "ökologisch-ökonomischen Alptraum". Kaum ein Mammutprojekt erhitzte einst die Gemüter in Bayern so sehr wie der Main-Donau-Kanal. Daran hat sich bis heute, 25 Jahre nach der Freigabe des letzten Kanalabschnitts, kaum etwas geändert.

Zwar haben sich die Gemeinden entlang der Wasserstraße inzwischen mit dem Kanal arrangiert. Und auch die schweren Landschaftseingriffe erscheinen unter dichtem Grün längst nicht mehr so dramatisch wie in den Anfängen. Der Bund Naturschutz (BN) und andere Naturschutzverbände hadern dagegen bis heute mit den damit verbundenen gravierenden Natur- und Umweltschäden.


Eröffnung der "Erlebniswelt Wasserstraße" am Wochenende

Dabei hatten Bund und Freistaat Bayern mit dem Bau des 171 Kilometer langen Kanals einen mehr als 1000 Jahre alten Traum wahr gemacht - den von einer durchgehenden Wasserstraße zwischen Nordsee und Schwarzem Meer. Seitdem können Massengüter ohne Umladen etwa vom holländischen Nordseehafen Rotterdam per Binnenschiff ins österreichische Linz und weiter ins rumänische Constanta (Konstanza) verfrachtet werden.
Die Schifffahrtsbehörde und die Tourismusregion Naturpark Altmühl lassen sich daher von der anhaltenden Kritik der Naturschützer nicht beirren. Beide begehen das eigentlich erst Ende September anstehende Jubiläum schon seit dem Frühjahr mit Schleusenkonzerten, Tanzfahrten, Feuerwerken und Infoveranstaltungen.
Höhepunkt ist dabei am kommenden Wochenende (24. Juni) die Eröffnung der "Erlebniswelt Wasserstraße" in der Gösselthalmühle bei Beilngries (Landkreis Eichstätt).

Beleuchtet wird in der Ausstellung neben der "Rolle des Kanals für die Binnenschifffahrt" vor allem seine "Bedeutung als Lebensader für die Region".

Damit soll daran erinnert werden, dass über die Wasserstraße jährlich rund 125 Millionen Kubikmeter Donau- und Altmühlwasser ins regenarme Franken geschleust werden. Ohne die sogenannte Wasserüberleitung, so sind Fachleute überzeugt, würden mehrere Mainzuflüsse in heißen Sommern trockenfallen. Ohne den Main-Donau-Kanal gäbe es heute auch das touristisch bedeutsame fränkische Seenland mit Altmühl-, Roth- und Brombachsee nicht.


Bilanz lässt zu wünschen übrig

In wirtschaftlicher Hinsicht hätten sich Politik, Hafenbetreiber und das Nürnberger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt im Jubiläumsjahr freilich eine etwas bessere Bilanz gewünscht. Statt eines Booms erleben die Kanalbetreiber seit 2013 ein stetig sinkendes Frachtaufkommen.

Die Zahlen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache: Waren zu seinen besten Zeiten noch 8,53 Millionen Tonnen Fracht über den Kanal verschifft worden, waren es 2016 noch 4,6 Millionen Tonnen, berichtet der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Nürnberg, Guido Zander. Vor allem auch in den beiden vorangegangen Jahren lief es für den Main-Donau-Kanal in Sachen Frachtverkehr nicht wirklich gut. Der langjährige Schnitt liegt bei rund 6,2 Millionen Tonnen.

Zander: "Wir hatten 2015 und 2016 wesentlich stärkere Rückgänge gehabt als vorher. Das lag am niedrigen Wasserstand auf Rhein und Donau." Dieser wiederum habe dazu geführt, dass Unternehmen beim Transport von Schüttgut - Dünger, Streusalz, Eisenerz, Kohle und Getreide - "temporär" auf die Bahn umgestiegen seien - und damit vorübergehend für die Binnenschifffahrt verloren waren. "Erst seit Herbst 2016 läuft es wieder gut", berichtet Zander.


Nürnberg und Bamberg profitierten von "schwimmenden Hotels"

Einen überraschenden Boom hat dagegen der Flusskreuzfahrt-Tourismus dem Main-Donau-Kanal beschert. Allein 2016 passierten 1272 schwimmende Hotels den Kanal in Richtung Donau oder Main und Rhein - vier Mal so viele wie vor 15 Jahren. Davon profitieren nach Zanders Angaben vor allem die Städte Nürnberg und Bamberg.

Von dem Kuchen des Flusskreuzfahrt-Tourismus hätte auch gerne Christoph Würflein etwas ab. Er ist Geschäftsführer des Tourismusverbandes Naturpark Altmühl - einer Region, die mit dem Bau des Main-Kanals völlig ihr Gesicht veränderte. "Ich würde mir wünschen, dass die Schiffe auch bei uns mal halten."

Seine Bilanz in Sachen Main-Donau-Kanal fällt gemischt aus: "Touristisch war der Kanal für uns sicherlich kein Nachteil." Klar, die Bauphase, in der das Altmühltal "total umgegraben wurde", seien schwierige Jahre gewesen. Guten Landschaftsarchitekten sei es aber gelungen, den Kanal gut in die Landschaft einzupassen. "Die haben das so hingekriegt, dass das Altmühltal heute wie die Täler an Main und Mosel wirken."

Die Zahl der Touristen habe jedenfalls mit dem Kanalbau deutlich zugelegt. Würflein führt das nicht nur auf die entstandenen attraktiven Uferpromenaden und Radwege entlang das Kanals zurück. Beliebt seien auch die Fahrten mit den Ausflugsschiffen, die erst mit dem Main-Donau-Kanal möglich wurden.

Völlig anders sieht man das beim Bund Naturschutz (BN). Auch ein Vierteljahrhundert nach der Kanal-Fertigstellung ist die Verbitterung über die erlittene Niederlage groß. Schließlich seien dem Kanalbau "Höhepunkte mitteleuropäischer Kulturlandschaften" zum Opfer gefallen. Nach BN-Erhebungen wurden im Altmühltal, Ottmaringertal und im Sulztal "600 Hektare schutzwürdigste Feuchtgebiete irreparabel vernichtet". Dadurch sei eine Vielzahl von Arten dort für immer verschwunden.
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.