Forchheim
Triathlon

Lauf mit perfekter Rettungskette

170 Helfer waren gestern an der Strecke, um das sportliche Großereignis in Forchheim sicher über die Bühne zu bringen.
Artikel einbetten
Der Schwächeanfall eines Läufers machte einen Rettungseinsatz nötig. Fotos: Pauline Lindner
Der Schwächeanfall eines Läufers machte einen Rettungseinsatz nötig. Fotos: Pauline Lindner
+2 Bilder
Gülnaz Aki klatscht eifrig, wenn ein Läufer sich nähert. Ansporn muss sein, gerade hier an der äußerten Ecke des Laufkurses des Stadttriathlons, bevor es zur letzten geraden Strecke vor der Einmündung ins Königsbad geht. Aki vom Erlebnislauf Forchheim ist eine der 170 Helfer, die bei diesem sportlichen Großereignis im Einsatz sind.
Ihr Posten liegt genau an der Ecke, an der die Laufstrecke aus dem Gewerbegebiet auf den Geh- und Radweg entlang der Äußeren Nürnberger Straße trifft. Und wo eintreffende Zuschauer, stadteinwärts fahrende Autos und eben die Sportler zusammentreffen. So gilt ihr Augenmerk nicht nur den Läufern, sondern genauso den Passanten. "Bleiben Sie auf der roten Radlerspur", gibt sie ihnen mit. Wegen der schnelleren Läufer, die die graue Gehspur nehmen können; aber vor allem, damit niemand auf die Straße tritt. Denn viele Autofahrer wollen hier in Richtung Innenstadt.
Der kritischste Punkt liegt aber auf Höhe der Einmündung der Käsröthe. Hier wenden die Radler in einer engen Kurve, die Läufer biegen zum Bad ab, Zuschauer stehen anfeuernd am Rand und erste Badegäste und Anlieger wollen rein- und rausfahren. Hier hat deswegen auch die Einsatzzentrale aller "Retter" ihren Standort. Roland Brütting vom Ordnungsamt ist hier, die Polizei mit ihren drei Streifenwagenbesetzungen halten Kontakt und ebenso die Leitenden der 28 Helfer von Feuerwehr und THW.
"Wir haben keine besonderen Sicherheitsauflagen. Es gibt ja hier keine Menschenansammlung wie am Weihnachtsmarkt", erinnert Brütting an das Polizeiaufgebot im Dezember. Trotzdem war einiges an Vorausplanung nötig. Eine besonders wichtige Frage im Vorfeld war: "Welche Betriebe, die sonntags arbeiten, welche Heime liegen im Streckenverlauf? Beispielsweise wird Mittagessen angeliefert." So ein Kleinbus wartet nun gerade; ein Mitarbeiter geleitet ihn wie abgesprochen zu seinem Ziel.
Kaum ist er aus der Engstelle gewunken worden, nähert sich ein Auto vom ärztlichen Bereitschaftsdienst. Der Mediziner wurde in eines der Seniorenheime in der Jahnstraße gerufen. Die Lösung heißt hier: Schlüssel. Brütting selbst übernimmt das Lotsenamt, öffnet die Sperre und lässt den Arzt über den Fußweg zum Einsatzort fahren.
Ein Problem bei der Streckenplatzierung war laut Brütting die Zufahrt zum Bahnhof: Dort sei eine Fahrbahn-Verschwenkung zu beachten. Die Rettungsleitstelle wurde informiert, dass zeitweilig die BRK-Fahrzeuge kaum aus der Jahnstraße fahren können. Das ist im Einsatzplan einkalkuliert, wie auch, dass zwei Rettungsfahrzeuge am Streckenverlauf postiert sind.
In Puncto Sicherheit hat man sein Möglichstes getan. So wurden auch die kleinen orangen Pylonen in den Garagenausfahrten zum Beispiel in der Karolingerstraße aufgestellt. Als Gedächtnisstütze. Die Anwohner dort wurden eigens per Flyern auf das Sportereignis und die nötigen Einschränkungen - für rund drei Stunden - hingewiesen. "Aber man kann nie völlig ausschließen, dass nicht doch jemand rausfährt", sagt Brütting.
Dazu im Vergleich haben die Frauen wie Marianne Walter an der Athletenversorgungsstation einen "sicheren" Posten. 30 Kuchenbleche sind in mundgerechte Stücke geschnitten, Obststücke, zig Becher mit Iso, Cola, Wasser oder Apfelsaft warten auf durstige Sportler. Der Andrang steigert sich, als die Jedermann-Durchgänge sich ihrem Ende nähern.
Thomas Wende, einer der Wettkampfrichter, hat hoffentlich wenig zu tun gehabt, auch wenn er auf das Einhalten der sportlichen Regeln achten muss, und die füllen ein ganzes Heft. Dass alles im Zielbereich gut läuft, dafür ist Harald John vom Orgateam des SSV zuständig. Unter dem Gesichtspunkt Sicherheit, Gesundheit und sportliche Fairness. Aus dem letztgenannten Gesichtspunkt heraus erhalten die Läufer Bändchen an einer ihnen unbekannten Stelle des Streckenverlaufs. Es wird gar nicht so selten manipuliert, weiß John.
"Erste Hilfe geht immer dem Wettkampf vor", ist das oberste Prinzip der Organisatoren. Dazu gehört auch bereits im Vorfeld der Nachweis einer Rettungskette. Ein Teilchen davon sind auch die zwei Leute von der Wasserwacht, die am Wettkampfbecken ihren Standort haben. Doch nun laufen sie im Eiltempo auf der Läuferstrecke stadtauswärts; ein Rettungsfahrzeug fährt mit Blaulicht vor und hält just am Posten von Gülnaz Aki. Ist der von ihr befürchtete Unglücksfall eingetreten?
Glücklicherweise nicht, aber ein junger Läufer fühlte sich nicht mehr gut. Aki konnte für ihn medizinische Hilfe herbeirufen. "Das kommt bei Laufwettkämpfen immer wieder mal vor, oft, weil ein Teilnehmer sich nicht ausreichend vorbereitet hat", weiß sie von eigenen Wettkämpfen. "35 Grad wie beim Stadttriathlon kürzlich in Berlin-Treptow, das sind nochmals andere Bedingungen als gestern vormittag in Forchheim."
Einen Wunsch hat Aki für nächstes Jahr: Eine Sperrung des östlichen Gehwegs auf der Trubbachbrücke für Passanten. Denn zur Mittagszeit haben die Zahlen von Fußgängern, Radlern und Autos deutlich zugenommen.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren