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In Forchheim hat das Kasperle auch eine dunkle Seite

Nicht jedermanns Sache war das Eröffnungsstück der "17. Forchheimer Puppentheaterwoche" im Jungen Theater. "Krieg der Welten" irritierte die Zuschauer, weil der "Rote Faden" fehlte.
Carsten Dittrich offenbart die blutrünstige Seite des Kasperle. Foto: Alexander Hitschfel
 

Das Theater Fiesemadände zeigte ein abstruses Puppentheaterstück mit einer Fülle von Zusammenhanglosigkeiten, was die meisten Zuschauer im Jungen Theater wohl mehr verwirrte als unterhielt. "Krieg der Welten" war wirklich ein kurioser Auftakt für die "17. Forchheimer Puppentheaterwoche".

Grundlage des Puppentheaterstücks ist der 1898 von H. G. Wells erschiene Science-Fiction-Roman, in dem Marsianer als dreibeinige Kampfmaschinen das Vereinte Königreich angreifen, um von dort aus die Erde zu erobern. Was Jan Mixsa (Berlin), der das das Stück für das Puppentheater geschrieben hat, aus diesem Bestseller gemacht und gemeinsam mit Carsten Dittrich auf die Bühne gebracht hat, ist - vorsichtig ausgedrückt - gewöhnungsbedürftig. Die beiden bezeichnen ihre Produktion selbst als kroteske, aberwitzige und völlig bescheuerte Puppenkunst.

Dubiose Gestalten


Carsten Dittrich und Schauspielkollege Jan Mixsa haben sich in ihrem Unterschlupf verbarrikadiert. Außerhalb ihres "Bunkers" herrscht Krieg. Nur noch mit Gasmaske kann man vor die Türe gehen, und zur Verteidigung steht immer ein schussbereites Gewehr in greifbarer Nähe. Vor dem Zimmerfenster tauchen immer wieder dubiose Gestalten in Form von verschiedenen Handpuppen auf.

Da zeigt sich etwa ein völlig entstellter Graf Stauffenberg mit seinem Sprengstoffkoffer und sucht nach dem Schauspieler Tom Cruise. Dann präsentiert sich das mordslustige Kasperle von seiner blutrünstigsten Seite, der Prinz vergeht sich an seinem Pferd und Michael Jackson gibt in den Kriegswirren noch ein Konzert. Aus dem Hintergrund ertönt die Stimme von Bibi Blocksberg, die mit ihrem Hexenbesen Kartoffelbrei durch die Gegend fliegt.

Die einzelnen Szenen sind genauso abstrus wie das Theaterstück im Ganzen. Immer wieder blitzen politische und gesellschaftskritische Sachverhalte auf. Mit ihrer Aufführung sorgten Dittrich und Mixsa bei so manchem Besucher an diesem Abend für Verwunderung, Verwirrung und jeder Menge Fragezeichen. Die Suche nach dem "Roten Faden" ist hoffnungslos, dem Stück fehlt der Zusammenhang.

Solche "Gaga-Inszenierungen" muss man mögen; sie sind nicht jedermanns Sache. Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Für manchen Zuschauer wurde die "Grenze des guten Geschmacks" an diesem Abend überschritten. Aber vielleicht hat dies der Autor ja auch ganz bewusst in Kauf genommen.

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