Amtsgericht

Hin und Her eines Opfers lässt Richterin zweifeln

Wegen Körperverletzung stand ein 36-Jähriger vor Gericht: Er soll seine damalige Freundin geschlagen, angespuckt, bedroht und an den Haaren gezogen haben.
Ein Streit zwischen einer 51-Jährigen und ihrem 36-Jährigen Partner eskalierte in Eggolsheim. Foto: dpa
 
von SARAH STIERANKA
Sie können nicht mit, aber auch nicht ohne einander. Dieses Sprichwort trifft hervorragend auf ein Pärchen aus Eggolsheim zu. Im November 2015 kam es zu einem Streit zwischen dem 36-Jährigen und der 51-Jährigen. Es wurde geschrien und geschimpft. Dann soll der Angeklagte seine damalige Freundin mehrmals ins Gesicht geschlagen, sie angespuckt und an den Haaren gezogen haben. Diese Version erzählte zumindest das Opfer der Polizei.

Doch dann die Wendung: Immer wieder nahm die 51-Jährige ihre Aussage zurück - ging sogar zum Rechtsanwalt des Angeklagten, um ihre Anzeige zurückzuziehen.

Dann der nächste Sinneswandel: Bei einer erneuten Vernehmung gestand die Eggolsheimerin, dass sie von ihrem Ex-Freund unter Druck gesetzt wurde. Unter Tränen erzählte sie vor Gericht: "Er hat mir ständig gedroht, dass er mir und meinen Kindern was antut. Über einen Nachbarn hat er mir ausrichten lassen, dass er gleich vorbei kommt."

Doch das ständige Hin und Her des Opfers, dass unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und einen Suizid-Versuch hinter sich hat, ließ die Richterin zweifeln: "Warum sollte ich Ihnen das jetzt glauben?" Keinen Zweifel hingegen gab es an den Drohungen, die der 36-Jährige aus Schwandorf immer wieder aussprach. Ein Chat-Verlauf der beiden protokollierte all die Drohungen - darunter Sätze wie: "Wenn du keine Frau wärst, würde ich dich totschlagen" und "Ich hoffe einer pisst dir ins Gesicht".

Die Erklärung des Angeklagten war genauso kreativ, wie seine Drohungen. "Ich stehe zu meinen Fehlern. Ich glaube Beleidigungen sind normal in einer Beziehung. Ein Teil der Nachrichten wurden geändert wegen der automatischen Sprachfunktion." Eine Aussage, die Richterin Silke Schneider wütend kommentierte: "Verkaufen Sie uns doch nicht für dumm. Die verändert höchstens mal ein Wort." Doch der Angeklagte hielt an seiner Version fest - beteuerte, dass er das Opfer nicht geschlagen, genötigt und bedroht habe. "Wir haben uns gestritten und es ist eskaliert. Danach haben wir uns gegenseitig ins Gesicht gespuckt."

Sowohl dem Angeklagten als auch dem Opfer wollten Staatsanwalt Christian Schorr und Richterin Silke Schneider nicht Recht glauben. Vor allem, weil das Opfer den Angeklagten nach der Tat mehrmals in die Wohnung ließ. "Ich dachte er hat es eingesehen", erklärte die 51-Jährige diese Situationen. Laut Angeklagten sei die Annäherung jedoch noch weiter gegangen. "Ich habe Nachrichten bekommen, in denen sie mich anfleht zurückzukommen." Doch das Opfer bestritt die SMSen vor Gericht. Ihre Erklärung: Ihr Ex-Freund habe ihr Handy genommen und die Nachrichten gefälscht.

Nach einer mehr als einstündigen Verhandlung stellte Richterin Schneider das Verfahren ein und erhob eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro. "Das nehme ich in Kauf für die Beleidigungen", äußerte sich der 36-Jährige zur Strafe. Ein Kontaktverbot soll künftig verhindern, dass die beiden wieder aneinander geraten.

zum Thema "Gericht"

Newsletter kostenlos abonnieren





Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:
Benutzer     Passwort    

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.