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Prävention

Gefährliche Zeit für Rehe und Co.

Der Bund Naturschutz weist auf Vergrämungsmethoden hin, um den Kitzen, Hasen und anderen Tieren zur Zeit der Mahd einen grausamen Tod zu ersparen.
Zu den neuesten Vergrämungsmethoden zählt eine sogenannte Wildscheuche. Foto: Bauernverband
 
von PETRA MALBRICH
Die Mahd beginnt und damit der grausame Mähtod für unzählige Kreaturen, vor allem Jungtiere. Nur wenige Fälle werden bekannt. Letztes Jahr wurden zwei angemähte Rehkitze bei Hetzles einfach am Waldrand in ein Gebüsch geworfen. Ob sie zu dem Zeitpunkt noch gelebt haben, ist nicht bekannt.
Vor wenigen Tagen wurde bei Kleinsendelbach nachts zwischen 23 Uhr und 1 Uhr eine Wiese gemäht - im Flutlicht. "Da ist alles verloren", sagt Christoph Reh von der Neunkirchner Ortsgruppe des Bund Naturschutzes (BN). Wenn die Tiere angestrahlt werden, bleiben alle sitzen. Selbst die Rehgeißen, die sonst noch eine Chance auf Flucht vor den meterlangen scharfen Mähmessern der großen landwirtschaftlichen Maschinen haben. Der Jagdpächter von Kleinsendelbach hatte das zuständige Lohnunternehmen wohl zur Rede gestellt. Ein Defekt an der Maschine hat dementsprechend zur Zeitverzögerung und somit zum nächtlichen Mähen geführt. Doch selbst wenn das eine Ausnahme sei, weist der Bund Naturschutz auf Möglichkeiten zum Schutz dieser Tiere während der Mahd hin. Das wolle auch der Bauernverband, um die Kitzen, Hasen und Wiesenbrüter vor dem grausamen Tod zu bewahren.
"Es tut einem Landwirt in der Seele weh, wenn er das schon erlebt hat", sagt Werner Nützel vom Bauernverband Forchheim. Aber ein Landwirt könne nicht einfach so mal 20 Hektar oder mehr absuchen. In der Regel würde der Jäger informiert, der seinen Jagdhund durch das Feld oder die Wiese laufen lässt. "Wo der Jagdhund drüber geht, bleibt kein Reh mehr drin. Die Rehmutter wird das Kleine nachts in eine Schonung bringen", erklärt Nützel. Doch das Absuchen durch Jagdhunde sei die einzige Möglichkeit, die nicht oder nur schwer überprüft werden könne, findet der Bund Naturschutz.


Diebstahlsichere Wildscheuchen

Von anderen Möglichkeiten sei aber wenig bis gar nichts zu sehen. Dabei sind diese Vergrämungsmethoden recht effektiv. "An den Wiesen leichte Müllsäcke oder Blinklampen, die auch Töne von sich geben, anbringen", erklärt Reh. Durch die Geräusche würden die Muttertiere ihre Kinder aus der Wiese führen. Auch der Maschinenring Fränkische Schweiz, als Lohnunternehmer für Mäharbeiten, die durch hiesige Landwirte durchgeführt werden, kennte diese Vergrämungsmethoden. "Der Maschinenring Bayreuth hat Wildscheuchen aufgestellt", erklärt Rüdiger Haase. Diese Wildscheuchen machen Geräusche, klappern und wackeln und sind GPS-gesichert und somit diebstahlsicher. "Das ist eine neue Sache und aufgrund der Wildverluste wichtig", sagt der Maschinenring, der überlegt, diesem Beispiel zu folgen. Wildverluste in einer größeren Größenordnung seien aber nicht bekannt. Ein Horrorszenario gebe es nicht. Diese Scheuchen dürfen aber nur ein oder zwei Tage vor der Mahd angebracht werden, damit sich die Tiere nicht daran gewöhnen.
Hans-Jürgen Dittmann aus Eggolsheim ist Kreisvorsitzender des Landesjagdverbands und erkennt seit dem gemeinsamen Appell des Bauernverbands und des Jagdverbands durchaus Erfolge. So wird beispielsweise für die Biogasanlagen nur noch drei Mal statt der früheren fünf Mal gemäht und auch die Jagdpächter würden benachrichtigt, um die Wiese am Vorabend mit den Hunden durchzulaufen. 70 Reviere gebe es in Forchheim und es würde deutlicher durchgezogen, die Jagdpächter vor der bevorstehenden Mahd zu informieren. "Dass die Tiere nicht von außen eingekesselt werden, sondern von innen heraus gemäht werden soll, um den Tieren einen Fluchtweg zu lassen, darum kümmern sich Rosi Kraus und Hermann Greif", erklärt Dittmann, wie die gemeinsame Aufklärungsarbeit für die Landwirte aussieht.


Landwirte ansprechen

Die Neunkirchner Ortsgruppe des BN möchte auch die Bürger sensibilisieren, durchaus stehen zu bleiben und mit den Landwirten zu sprechen, sie darauf hinweisen, wenn sie anders handeln und bei einem angemähten Tier auch ein Foto zu machen und dann bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Landwirte, die keine Schutzmaßnahmen ergreifen, könne durchaus ein Strafverfahren drohen und finanziell belangt werden. Die Vergrämungsmaßnahmen selbst kosten nur wenig Geld und wenig zusätzlichen Zeitaufwand.
Auch Drohnen einzusetzen, wäre eine Möglichkeit. Drohnen haben seines Wissens die Landwirte nicht im Einsatz. "Das ist nicht so einfach. Wer trägt die Kosten?", fragt Nützel. Denn Naturschützer würden zwar erwarten, dass der Tierschutz an erster Priorität stehe, doch wer übernehme Arbeitszeit und Kosten, wenn gerade der Naturfreund das billigste Fleisch im Supermarkt hole? Der Naturschutz steht nicht nur für die Naturschützer an hoher Stelle, dieser sei auch im Gesetz verankert, findet Christoph Reh, der beruflich Polizeibeamter ist. Den Artikel 141 in der Bayerischen Verfassung und den Artikel 1 im Tierschutzgesetz nennt er hier als Grundlage. In der Verfassung Bayerns heißt es, dass die vorwiegenden Aufgaben des Staates sind, heimische Tier- und Pflanzenarten und deren notwendigen Lebensraum zu schonen und zu erhalten und die Tiere als Mitgeschöpfe geachtet werden sollen. Für den Tier- und Naturschützer Reh zählen dazu eben auch geeignete Vergrämungsmaßnahmen, um solche grausame Szenen bei der Mahd zu vermeiden.
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