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Begegnung

Familien im XXL-Format

Erzbischof Schick und der Familienbund in der Erzdiözese Bamberg haben kinderreiche Familien zu einem Erlebnistag auf den Feuerstein eingeladen.
Viel Spaß und Abwechslung genossen die Kinder und ihre Eltern auf Burg Feuerstein.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
 
von MARION KRÜGER-HUNDRUP
Eigentlich ist die Erlanger Familie Hager gar nicht so groß: vier Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren. Doch als Mutter Dagmar (46) nach den ersten beiden Buben zwei weitere auf die Welt brachte, riefen Nachbarn fassungslos aus: "Allmächd - auch noch Zwillinge!" Schließlich zählen Familien mit drei, vier Kindern heutzutage schon zu den kinderreichen. Mitleidig beäugt von einer Single-Gesellschaft, die die Geburtenrate niedrig hält.
Um gerade Familien mit mehreren Kindern anzuerkennen und zu stärken, hatte Erzbischof Ludwig Schick und der Familienbund in der Erzdiözese Bamberg diese zu einem Erlebnis- und Begegnungstag auf den Feuerstein eingeladen. "Ich habe einen natürlichen Hang zu kinderreichen Familien!" lachte der Erzbischof, der selbst mit dreißig Cousins und Cousinen aufgewachsen und Onkel einer großen Schar von Neffen, Nichten und deren Kindern ist.

"Familie schenkt Glück und ist wertvoll", betonte Schick. Aber Familie komme in der Gesellschaft oft zu kurz und brauche mehr Förderung. So hat der Bamberger Oberhirte vor einigen Jahren auch seine "Familienstiftung Kinderreich" ins Leben gerufen.

Jährlich schüttet diese Stiftung bis zu 50 000 Euro aus, mit denen besonders bedürftigen Familien unter die Arme gegriffen wird. Dass Großfamilien aber nicht per se über Benachteiligungen und Sorgen jammern, wurde an Samstag rund um die Burg Feuerstein und die Katholische Landvolkshochschule Feuerstein deutlich. 40 Familien mit zusammen 160 Kindern - eine Familie aus Priesendorf kam mit gleich acht Sprösslingen - genossen das abwechslungsreiche Programm.

Für die Kinder sorgten Pädagogen für Workshops von der "Wollwerkstatt" mit echten "Alpinen Steinschafen" über eine Kräuterwanderung bis hin zum Hochseilgarten. Fachreferenten kümmerten sich derweil um die Eltern in Gesprächsrunden zum "Abenteuer Pubertät" oder "Nachhaltiger Lebensstil".


Auszeit vom Beruf

"Ein schönes Event für Eltern und Kinder!", lobten denn auch Dagmar und Alexander Hager die Fülle an Angeboten. Schon zum dritten Mal nahm die Familie an einem solchen Tag teil.

Es sei einfach schön, Familien mit mehreren Kindern zu treffen, so Dagmar Hager, die ihre Berufstätigkeit als Krankenschwester der Familie zuliebe erst einmal an den Nagel gehängt hat. "Meine Kinder sind froh, wenn die Mama zu Hause ist und gekocht hat, wenn sie aus der Schule kommen", lacht sie. Dass sich nicht jedes Elternpaar den Luxus erlauben kann, dass einer von ihnen daheim bei den Kindern bleibt, räumten die Teilnehmer der nachmittäglichen Podiumsdiskussion für die Erwachsenen freimütig ein.

"Politisch muss sich noch etwas tun", wandte sich Christiane Kömm, Diözesanvorsitzende des Familienbundes, an Bayerns Familienministerin Emilia Müller. Die 65-jährige CSU-Politikerin, die nach eigenen Worten selbst in einer großen Mehrgenerationenfamilie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und zwei Söhne hat, brachte denn auch ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die sie durchsetzen wolle.

Und Müller schickte voraus, dass Begriffe wie "Herdprämie" und "Rabenmutter" aus dem Wortschatz gestrichen werden müssten. Und dass der Staat nicht das Recht habe, Familien vorzuschreiben, wie sie leben wollen. Ministerin Müller plädierte für die Anerkennung der Erziehungsleistung durch die Mütterrente auch für Kinder, die vor 1992 geboren sind. Unter anderem bei den Steuern will sie nachbessern: "Der Freibetrag muss wie das Kindergeld - 35 Euro pro Kind - erhöht werden."

Außerdem werde ein "Kinderbonus" bei der Rente benötigt. Das bedeute, pro Monat und pro Kind 50 Euro monatlich weniger in die Rentenkasse einzuzahlen, ohne dass die Rente später geschmälert werde.


Entlastung von Familien

Ferner forderte Ministerin Müller, die bisher dreijährige Ausbildungszeit der Erzieherinnen auf zwei Jahre zu verkürzen, um diesem Fachkräftemangel abzuhelfen. Außerdem sollten Erziehungsberatungsstellen direkt an die Kindertagesstätten angedockt werden.
"Wir müssen und wollen Familien entlasten", betonte die Ministerin. Ob ihre Pläne auch in die Realität umgesetzt werden könnten, hänge "von den Parteien ab, die Koalitionsverträge aushandeln"- Professorin Henriette Engelhardt-Wölfler, Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg, machte klar, dass die Geburtenrate "nur die Summe des Gesamtpaktes der Familienpolitik reagiert", also steigen könnte.

Die Anzahl der Kinder und nicht die absolute Einkommenshöhe sollte maßgeblich sein bei staatlichen finanziellen Leistungen, verlangte die Professorin. Wünschenswert wäre auch, dass Frauen "früher Kinder bekommen" und auf dem Arbeitsmarkt nicht als "stille Reserve in einer älter werdenden Bevölkerung" angesehen würden. Erzbischof Schick setzte sich unter anderem auch für eine andere Staffelung des Kindergeldes bei mehreren Kindern ein.
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