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Amtsgericht

Erster Tag in Freiheit führt 32-jährigen Mann wieder in Knast

Am Tag seiner Entlassung hat ein 32-Jähriger in Egloffstein über die Stränge geschlagen. Er traf einen Mann mit der Faust und demolierte eine Heckscheibe.
Der Angeklagte schlug mit der Faust gegen den Unterkiefer des Geschädigten.  Symbolfoto: Christopher Schulz
 
von MAXIMILIAN GLAS
Drei Jahre und neun Monate saß Jochen M. (Name von der Redaktion geändert) im Knast. Am Tag seiner Entlassung im Mai dieses Jahres vergingen gerade mal einige Stunden, bis der 32-Jährige wieder eine Straftat beging. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung muss Jochen M. nun wieder für neun Monate ins Gefängnis. Amtsrichterin Silke Schneider brachte es bereits zu Beginn der Verhandlung auf den Punkt: "Etwas Dümmeres als so etwas am Entlassungstag zu tun, gibt es nicht."

Am Abend seiner Entlassung war Jochen M. mit seinem Cousin in einer Gaststätte in Egloffstein. Mit dessen Hund gingen beide anschließend Gassi in einem Wohngebiet eines Egloffsteiner Ortsteils. Dabei trafen sie auf einen anderen Hundebesitzer und gerieten nach einer anfangs harmlosen Konversation in Streit. Ein Nachbar wurde durch das lautstarke Wortgefecht aufmerksam und wollte schlichten.


Filmriss nach Leinenriss

Laut Anklageschrift schlug Jochen M. diesem Mann ohne rechtfertigenden Grund mit der rechten Faust gegen den linken Unterkiefer und anschließend gegen dessen rechte Schulter. Kurze Zeit später randalierte der Angeklagte auf einer Baustelle, nahm einen etwa faustgroßen Stein in die Hand und warf diesen gegen die Heckscheibe eines geparkten Autos - und das mit so einer Wucht, dass der Stein durch die linke Seitenscheibe wieder herausflog und sogar ein zweites Auto daneben traf. Sachschaden: über 2000 Euro.

Erinnerungen an die Taten hat der Angeklagte keine mehr. "Ich habe mir ordentlich die Kante gegeben. Was danach passiert ist...keine Ahnung", sagte er am Donnerstag vor Gericht. "Ich weiß nur noch, dass beim Gassi gehen die Leine gerissen ist und dann hatte ich einen kompletten Filmriss." Mehr Licht in die Sache konnte der Geschädigte bringen. "Als ich hinkam, sagte er, er ist wieder da und bringt jetzt alle um", sagte der Zeuge. "Er war sehr aggressiv. Er hatte mir dann einen Hieb verpasst, den ich noch paar Tage danach gespürt habe."
Der Mann erlitt einen leichten Bluterguss am Unterkiefer. Nach dem Schlag ins Gesicht hatte er Jochen M. einen Schubser gegeben, woraufhin dieser zu Boden ging. Er stand schnell wieder auf, fiel dann aber einige Meter weiter in eine Baugrube, nachdem er über den Zaun einer Baustelle geklettert war. "Ohne Rauschmittel kann man sich wohl kaum so verhalten", kommentierte der Geschädigte.


Sinneswandel im Gefängnis?

Alkohol trinken wollte Jochen M. nach seiner Entlassung ursprünglich gar nicht mehr. Die Nachricht, dass seine Tante verstorben war, habe ihn allerdings an diesem Tag komplett aus der Bahn geworfen, versuchte der Angeklagte sein Verhalten der Richterin zu erklären. Mindestens zehn Bier hat er nach eigener Aussage an diesem Tag getrunken. Seit vielen Jahren bereiten dem 32-Jährigen Alkohol und Drogen große Probleme. Die Rauschmittel waren dabei maßgeblich für den Großteil seiner 17 Vorstrafen, die von gefährlicher Körperverletzung bis hin zu Diebstahl reichen. Eine Therapie gegen sein Suchtproblem hat Jochen M. nie gemacht. Im Gefängnis weigerte er sich, Drogentests durchführen zu lassen und war nach Aussage seines Bewährungshelfers das "enfant terrible" der Strafanstalt.

Durch die lange Haftstrafe fühlt sich Jochen M. selbst mittlerweile geläutert. Den Landkreis Forchheim hat er sechs Wochen nach seiner Entlassung verlassen. Mittlerweile wohnt er mit seiner neuen Partnerin in der Nähe von Hof. Einen neuen Job habe er bereits für Februar in Aussicht. "Seitdem ich hier bin, habe ich weder etwas getrunken, noch Drogen konsumiert. Ich habe eine willensstarke Frau, die mir hilft, stark zu sein", erklärte er. "Wir bekommen im April ein Kind. Wenn ich jetzt noch mal ins Gefängnis muss, ist alles aus. Ich will eine Bewährungs- oder eine Geldstrafe."

Ein verzweifeltes Flehen, das beim Urteil von Silke Schneider aufgrund des eindeutigen Sachverhalts und der Masse an Vorstrafen, kein Gehör fand. Zwar könne sie durchaus verstehen, dass ihm die Nachricht mit seiner Tante aus der Bahn geworfen habe - trotzdem gebe es kein ausreichendes Argument, das eine Bewährungsstrafe rechtfertigen würde. Staatsanwalt Peter Bauer forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die Richterin verurteilte Jochen M. letztendlich zu neun Monaten Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 32-Jährige wird wohl Berufung gegen das Urteil einlegen.
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