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Ein Dorfhauser bei den Emirs
Für die Familie von Hof aus Dorfhaus ist die Globalisierung kein Fremdwort. Hardy muss um die halbe Welt reisen, um Brötchen zu verdienen. Hannelore sitzt mit den Kindern häufig im Flieger, um einfach zusammen sein zu können.
21 Cent kostet der Liter Super. Für ein paar Euro hat Hardy von Hof vor einer Woche vollgetankt. So genau achtet dort niemand auf den Preis. Dort ist Bahrain. Eines der vielen Länder, in denen Hardy von Hof arbeitet. Manchmal monatelang, manchmal nur tagelang, bis er wieder in den Flieger steigt, um nach Katar, Saudi Arabien oder Dubai zu fliegen. Ein ruheloses Leben.
"Wenn ich drei Tage zu Hause bin, werde ich unruhig", sagt der 42-Jährige, der nun den zweiten Urlaubstag zu Hause mit seiner Familie in Dorfhaus verbringt. Das ist für die Familie nicht schlimm. Denn Hannelore und die beiden Söhne Alexander und Sebastian möchten auch mal Urlaub von zu Hause machen und wie der Papa die Welt sehen.
Denn Hardy von Hof hat seinen Arbeitsplatz seit zehn Jahren in vielen Ländern. Von Hof arbeitet - seit seine Abteilung bei Siemens aufgelöst wurde - für verschiedene Firmen in der Schwerindustrie. Bei einer Firma, die inzwischen nicht mehr existiert. Von der Ex-Firma ist er wiederum an eine andere Firma verliehen worden. Seit diesem Jahr arbeitet er als Festangestellter bei der Firma NMK Noell.
Schwarze Hunde mit Stäbchen
Als Industriemeister sowie Bau- und Projektleiter stellt der gelernte Stahl- und Schiffbauschlosser das Equipment für diese Industrie her. Das sind Kräne und riesige Fertigungsanlagen für Aluminiumwerke. Das Super-Flugzeug A 380 kennt er natürlich auch aus nächster Nähe. "Wir bauten die Plattform, die Kräne, eben die Ausrüstung, damit ihn andere zusammenbauen können", erzählt von Hof. Bei bis zu 15 Arbeitsstunden am Tag sehe man freilich nicht viel von Land und Leuten der fernen Länder.
Einen regelrechten Kulturschock erlitt Ehefrau Hannelore, als sie und die beiden Jungs mit nach China in die tiefste Provinz flogen. Das war 2005. "Diese Armut kannte ich nicht. Die Familien lebten in Fertiggaragen, ohne Wasser, ohne Licht und ohne Toiletten. Ihr Geschäft verrichteten sie auf den Feldern. Die Babys trugen keine Windeln, sondern hatten Schlitze in den Hosen", erinnert sich Hannelore von Hof. Vor allem lernte sie den Unterschied zwischen chinesischem Essen in China und chinesischem Essen in unseren Restaurants in Deutschland kennen: "Dort gab es jeden Tag Hund zu Mittag, schwarzen, der gibt am meisten her. Aber das wusste sie nicht und es wurde gegessen, da es nichts anderes gab", sagt Hardy von Hof. An diese bitterarmen Menschen denkt sie noch heute. "Das ist in Indien schlimmer. Und in Venezuela zimmerten sich die Leute aus den Kisten, in denen unser Material geliefert wurde, Häuser zusammen", berichtet Hardy von Hof von seinen Erlebnissen aus der globalisierten Arbeitswelt.
Dubai in vier Tagen
"Wenn man viel reist, stört man sich nicht mehr daran. Dann ist das normal", meint er achselzuckend. Freilich kennt er auch den Reichtum der Welt. Für ein Projekt reiste er nach Bahrain, arbeitete für ein Aluminiumwerk. "Die Araber sind freundlich und fleißig", findet von Hof. Aber irgendwann musste er wieder in den Flieger steigen. Ziel: Norwegen. "Eigentlich bin ich nirgends mehr richtig zu Hause." Unweit des Polarkreises baute er Krananlagen auf. Nach der Kälte schickte man ihn wieder in die Wüste: Katar, wieder Bahrain, dann in den Oman und schließlich nach Dubai an den Golf von Persien. Seine Familie besuchte ihn auch dort. "Dubai hat man in vier Tagen angeschaut. Es ist klein und familiär", erzählt von Hof. Seine Ehefrau erinnert sich noch mit Schrecken an die siebenspurige Autobahn. Aber in den gigantischen Einkaufszentren könne man alles kaufen. "Luxus pur und Preise wie in Europa", erzählt sie.
Strom ist in Deutschland zu teuer
Gekocht wird in Dubai selten. "Der Lieferservice ist billiger als selber kochen", erzählt sie. Vom Leben der Einheimischen bekomme man so allerdings nur wenig mir. Bei neun Millionen Einwohnern zählt nur eine Million als Einheimische. Auch die Arbeitskollegen kommen aus aller Herren Ländern. Der Nachteil: "Jeder hat eine andere Interpretation von Arbeit", sagt Dorfhauser. Trotzdem wird in der Aluminiumherstellung sehr viel gearbeitet. Von Hof erklärt das so: "Sie haben große Gasvorkommen und bauen Gasturbinen, mit denen Strom erzeugt wird. Das zweite Grundmaterial für Aluminiumerzeugung ist Strom." In Deutschland gibt es inzwischen nur noch ein Aluminiumwerk. Hier sei der Strom zu teuer.
Job-Flucht ins Ausland
Deshalb bleibe ihm nur das Ausland , um einen Job zu bekommen. Ein "normales" Arbeitsleben mit Feierabend bei der Familie sei ihm so leider nicht möglich. Er lebt inzwischen nach anderen Regeln: Freitag ist Sonntag - jedenfalls am Golf. Auch an die Hitze hat er sich gewöhnt. Aber in der Mittagsglut ist Siesta. "Wir arbeiten oft Nachtschicht, das ist erträglicher", sagt von Hof. Nach Feierabend geht er geschafft in sein Hotelzimmer zurück und freut sich auf das nächste Familientreffen.




















