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Zusammenarbeit

Deusel erklärt jüdisches Leben

Die Bamberger Rabbinerin sprach zur der Woche der Brüderlichkeit in Forchheim über Rechte und Pflichten eines gläubigen Juden. Auch zahlreiche Bräuche, die den Lebenszyklus begleiten, stellte sie vor.
 
von ALEXANDER HITSCHFEL
Zur Woche der Brüderlichkeit fand am Montagabend im Forchheimer Rathaussaal eine Veranstaltung mit der Bamberger Rabbinerin Yael Deusel statt. Eingeladen hatten das evangelisch-lutherische Dekanat Forchheim-Muggendorf sowie das katholische Dekanat Forchheim und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die damit in Forchheimden Wiedereinstieg in die Veranstaltungsreihe auf den Weg brachten.

Durch den Tod Edeltraud Meiers sei bei den Veranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit eine Lücke entstanden, sagte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) einleitend. Er dankte deshalb den Vertretern beider Konfessionen, dass sie diese Veranstaltung nun wieder reaktiviert hatten. Stumpf begrüßte als Rednerin Rabbinerin Yael Deusel aus Bamberg.

Deusel erklärte, dass man beim jüdischen Lebenszyklus von Individuen spreche, von einzelnen Menschen, von der Geburt bis zum Tod. Wird ein jüdisches Kind geboren, dann erhält es am achten Tag seines Lebens offiziell seinen Namen. Eine Taufe wie im Christentum gibt es nicht. Es findet stattdessen eine Zeremonie zur Namensgebung in der Synagoge, vor versammelter Gemeinde satt. Hier erhält das neue Gemeindemitglied seinen Namen.

Bei Mädchen geschieht das anhand einer vorgegebenen Namensformel in der Woche nach ihrer Geburt. Bei einem Jungen ist diese Zeremonie zusätzlich verbunden mit der Brit Milah, der Beschneidung.

Immer am achten Tag

Die Beschneidung könne sowohl in der Synagoge, als auch bei den Eltern zu Hause durchgeführt werden, erläuterte die Referentin. Die Beschneidung müsse am achten Tag stattfinden, auch wenn das auf Schabbat fällt. Ausnahmen gelten nur, wenn der Gesundheitszustand des Kindes das erfordert. Die Beschneidung werde durch einen Mohel oder eine Mohelet vorgenommen, die speziell medizinisch und religiös dafür ausgebildet worden seien. Deusel betonte, dass es sich bei der Beschneidung keineswegs um einen "barbarischen Akt" handle. Sie werde auch in Ländern wie beispielsweise den USA praktiziert. Beschneidung sei auch keine "Genitalverstümmelung", und auch das Ergebnis danach sehe nicht hässlich aus.

Etwas, das nur das Erstgeborene betreffe, sofern dieses Kind männlich ist, sei das Gesetz der Auslösung des Erstgeborenen. In der Torah ist die Höhe des "Lösegelds" mit fünf Schekeln aus Silber angegeben. Heute wird die Auslösung mit fünf Silbermünzen der jeweiligen Landeswährung als symbolischer Akt praktiziert.

Ein jüdischer Junge wird religionsmündig mit seinem 13. Geburtstag; ein jüdisches Mädchen mit dem zwölften Lebensjahr. Der Junge werde damit zum Bar Mitzwa, das Mädchen zur Bat Mitzwa: Das bedeutet Sohn beziehungsweise Tochter des Gesetzes. Ab diesem Zeitpunkt sind die Jugendlichen zur Einhaltung der Mitzwot, der Ge- und Verbote, verpflichtet und sie treten in die vollen Rechte und Pflichten eines erwachsenen Mitglieds der jüdischen Religion ein.

Unterschiedliche Bräuche

Eine Hochzeit ist mit zahlreichen Traditionen und Bräuchen verbunden, die unterschiedlich sein können je nachdem ob das Brautpaar aschkenasischer oder sefardischer Herkunft ist, ob die Eheleute dem orthodoxen oder dem konservativen oder liberalen Umfeld zuzuordnen sind.
Ist einer der beiden Hochzeiter nicht jüdisch, kann das Paar trotzdem heiraten, es ist dann aber keine jüdische Hochzeit: Ökumenische Trauungen wie zwischen katholischen und evangelischen Christen sind nicht vorgesehen. Ausreichend für eine Eheschließung ist es, wenn der Bräutigam der Braut einen Ring an den Finger steckt, in Anwesenheit zweier Zeugen und dazu die Verlobungsformel spricht: "Mit diesem Ring seist du mir angelobt, entsprechend dem Gesetz von Moses und Israel."
Die Zeremonie der Verlobung also des Ring Ansteckens, bezeichnet man als Kudduschin (Heiligung). Die eigentliche Hochzeitszeremonie, mit der die Verlobung direkt in die Heirat übergeht, heißt Nissui.
Soll eine jüdische Ehe wieder geschieden werden, ist die Prozedur streng vorgeschrieben. Sie erfolgt vor einem Bet Din aus drei Richtern, die in den Gesetzen von Eheschließung und Ehescheidung kompetent sind. Weiterhin braucht man zwei Zeugen, außerdem einen Schreiber, der dann auch den Get ausstellt, den Scheidebrief. Der wird der Frau zugestellt.
Zum Thema "Tod und Trauer" führte Deusel zahlreiche Bräuche auf. Ein sehr alter Trauerbrauch bei der Beerdigung sei etwa das Einreißen eines Kleidungsstücks am Grab als Zeichen von Schmerz und Trauer.
Musikalisch umrahmte eine Klezmergruppe aus München die Veranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit. Es gab ein Wiedersehen und Wiederhören mit Boris Kupin, Träger der Ehrennadel für besondere kulturelle Verdienste in der Stadt Forchheim.


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