Pautzfeld
Knigge

Der Mann, der weiß, was sich gehört

Gutes Benehmen will gelernt sein. Der Knigge-Trainer Bruno Wissenz aus Pautzfeld hält nicht nur Seminare für Jugendliche, auch Erwachsene profitieren davon, denn der Trainer ist überzeugt: Knigge vermittelt Lebensqualität.
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Knigge-Trainer Bruno Wissenz im Männer-Kurs Foto: privat
Knigge-Trainer Bruno Wissenz im Männer-Kurs Foto: privat
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Am Tisch lümmelt man nicht herum, wer schüttelt wem zuerst die Hände, welche Kleidung trägt man zu welchem Anlass? Ausschließlich solche Antworten findet man im Knigge, lautet die gängige Meinung.

Irrtum, sagt Bruno Wissenz. Er ist Knigge-Trainer und muss es ja wissen. Knigge ist für ihn ein großes Stück Lebensqualität. Der Begriff steht insofern nicht für Benehmen, sondern für eine Interaktion mit der Umwelt. "Wenn man immer abwartend bleibt und nur reagiert, ist man ein Opfer", nennt Wissenz den eigentlichen Grund, sich mehr mit dem Menschen, der hinter den "Benimmregeln" steht, zu beschäftigen.

"Wer bin ich? Bin ich der, der ich sein möchte?" lauten die Fragen, deren Antworten und Umsetzung Wissenz zufolge die Umwelt sehr wohl beeinflusst. Positiv. Das gelte nicht nur für Schulabgänger, denn den ersten Eindruck gibt es in jeder Lebenssituation und der ist zu 97 Prozent für den Erfolg verantwortlich. "Viele glauben, der Inhalt sei wichtig, aber wenn man einen schlechten ersten Eindruck hinterlässt, hört keiner mehr zu", klärt Wissenz die gängige Fehleinschätzung auf.

Benehmen beeinflusst die Umwelt

Beim Training für das perfekte Bewerbungsgespräch macht er dann auch deutlich, wie das Benehmen die Umwelt beeinflusst. Welche Wirkung hat man auf die Leute, wenn man Parfüm verwendet, wenn man einen Businessdress anzieht oder wie man steht? Bei den Übungen in seinen Workshops und Seminaren sollen die Teilnehmer das Gefühl dafür erhalten, wie man gerade steht. Ein Mensch, der gerade steht, die Schultern nach unten, drückt Entspannung aus. Mit dem Geradestehen wird aber auch Ehrlichkeit verbunden, erklärt Wissenz. "Viele fühlen sich arrogant dabei. Doch wie will ich mich verkaufen, wenn ich gebückt dastehe? Man möchte nicht als Knecht eingestellt werden", beschreibt er die ersten Gefühle der Jugendlichen in den Seminaren.

Eine junge Frau mit tiefem Dekolletee wirkt vielleicht reizvoll, doch für ihre Fachkompetenzen wirbt sie so nicht. Und jemand, der sich als Lehrling bewirbt, ist wohl unpassend mit den Businessklamotten gekleidet. Auch wenn man mit Freunden grillt. Läuft allerdings ein Geschäftsführer bei einem wichtigen Gespräch im T-Shirt herum und erwähnt, dass er sonst immer Hemden trage, verrate er schlicht, dass er lügt.

"Bringt mir das etwas?"

"Die Jugendlichen sind positiv eingestellt, haben den Drang, das zu lernen", freut sich Bruno Wissenz. Erwachsene hingegen dächten zunächst, das alles zu können. Schließlich lernten sie bereits als Kind, dass Nasebohren verpönt ist. Dann komme die Skepsis, die Frage nach dem "bringt mir das überhaupt etwas?", erläutert der Pautzfelder, der Tanzlehrer ist und eine eigene Tanzschule hat.

Viel hat er in seinem Beruf mit Menschen zu tun. Dieser Umgang mit den Menschen war es auch, der ihn dazu bewegte, den berühmten Knigge in die Hand zu nehmen. Dieser beinhaltet Lebenshilfen in allen Bereichen. Vom Jugendlichen zum Erwachsenen, Knigge bittet zu Tisch, Flirten mit Stil, Basic - was jeder können sollte, nie wieder Streit in der Partnerschaft oder wer bin ich, wie möchte ich sein - Authentizität mit Knigge, so lauten einige der Workshops, die Wissenz anbietet und zugleich zeigt es die Bandbreite des Benimmbuches auf.

Selbstwertgefühl wird vermittelt

Gerade das moderne "ich bin, wie ich bin", ist für Wissenz falsch, ist etwas Gelerntes, ein Verhalten, das einem beigebracht wurde und ebenso geändert werden kann. Dann sei man noch immer authentisch, werde aber von der Umwelt positiver wahrgenommen. Letztendlich vermittle es ein Bewusstsein für sich selbst und ein Selbstwertgefühl. Männer oder Frauen, die wie Paradiesvögel gekleidet sind oder im Alter noch Mode für 15-jährige Mädchen tragen, machen sich wohl eher lächerlich. "Alt ist nicht schlecht", meint der 36-jährige Knigge-Trainer und erklärt das Selbstbewusstsein, sich bewusst zu sein, wer und wie man ist.

Was die wichtigsten Benimm regeln und die schlimmsten Benimmsünden angeht, muss Wissenz nicht lange überlegen: Wenn man andere nervt, ist es die schlimmste Sünde. Man muss nicht mit den Gelenken knacken oder mit dem Fingernagel an den Zähnen streichen. Dieses Benehmen sein zu lassen, dazu könne man sich schon disziplinieren.
Umgekehrt gilt: Wer einen guten Eindruck hinterlässt, erhält ein positives Feeback und tut sich damit selbst etwas Gutes. Knigge ist nicht damit Benehmen, Knigge ist Lebensqualität, wie sie Bruno Wissenz vermitteln will.
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