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Bei diesen Oltimern ist alles Handarbeit

Der Karosseriebauer Torsten Walsdorff aus Ebersbach setzt Oldtimer instand. Sein Nachbar, der Schreiner Stefan Albert übernimmt dabei die Stellmacher-Arbeiten.
An der Motorhaube feilte  Torsten Walsdorff eine Woche lang. Jetzt ist der Kotflügel des "Little Bustard" dran.  Foto:  Josef Hofbauer
 

Schreinermeister Stefan Albert nennt seinen Nachbarn Torsten Walsdorff, Schauspieler James Dean und den italienischen Auto-Designer Pietro Frua in einem Atemzug. Was die vier verbindet, sind legendäre Autos. Walsdorff ist nämlich Karosseriebau-Meister, ein Experte, was die Reparatur von Oldtimern an belangt.
Für den gelernten KfZ-Mechaniker und Karosseriebauer, der sich auf die Restauration klassischer Fahrzeuge spezialisiert hat und im Prüfungsausschuss der Fahrzeugakademie in Schweinfurt sitzt, sind Fahrzeuge wie ein Mercedes-Benz SSK, ein Porsche Spyder oder BMW 507 aus der Mitte der 50-er Jahre Kulturgüter. Sie zu erhalten ist seine Passion. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht" bekennt der gebürtige Berliner, der aus Liebe zu seiner Frau nach Franken gezogen ist.

Holz mit Blech benagelt


Seine Kunden sind Besitzer handgemachter Autos. "An dem Mercedes aus den 20-er Jahren mit dem Steuer und dem Holzlenkrad auf der rechten Seite ist alles Handarbeit" erklärt Walsdorff, der den Oldtimer in sämtliche Einzelteile zerlegt hat und nun wieder zusammenbaut. "Weil sich die Autos aus den Kutschen entwickelt haben, bestand damals die komplette Karosserie inklusive der Türen aus Holz, das dann mit Blech benagelt wurde.
Bei der Reparatur eines solchen Fahrzeuges müssen wir umgekehrt denken. Weil Walsdorff so viel wie möglich vom Originalzustand eines solchen wertvollen Fahrzeuges erhalten will, darf das noch brauchbare Blech nicht zerstört werden. Müssen Holzteile ersetzt werden, bemüht er seinen Nachbarn, den Schreinermeister Stefan Albert, der die so genannten Stellmacher-Arbeiten übernimmt. "Die besondere Herausforderung besteht für mich darin, das Holz in die Negativ-Form hineinzubringen", erzählt Albert. In akribischer Feinarbeit hat er das "Rückgrat", das Holzgestell des fast 90 Jahre alten Mercedes-Veteranen auf Vordermann gebracht. Am besten eignet sich dafür Eschenholz, das gut abgelagert sein muss. Der Feuchtigkeitsgrad liegt bei nur acht Prozent. Dann ist wieder Walsdorff am Zug.

Mit Leidenschaft


"Vor mir liegen tausende von Arbeitsstunden, um ein Dutzend solcher Fahrzeuge restaurieren zu können. Dazu hat sich der Experte fünf Schweißtechniken, drei Löttechniken und unterschiedliche Niet-Verfahren angegeignet. Diese Arbeit ist unheimlich facettenreich. "Da muss man Leidenschaft mitbringen", lacht der Blechkünstler.
Und Geduld. An der Komplett-Restaurierung des 1964 auf dem Autosalon in Genf vorgestellten "Opel Kadett A Italsuisse Spider", den kein geringerer als der italienische Auto-Designer Pietro Frua "geschneidert" hat, arbeiteten Walsdorff und seine beiden Mitarbeiter seit November 2009. Jetzt sieht das weltweit einzige erhaltene Exemplar aus wie neu.
Mindestens 1500 Arbeitsstunden - "ein Jahr, wenn ich nichts anderes mache" - wird die Instandsetzung des Porsche 550 Spyder dauern. Dieses kleine schnittige Rennfahrzeug, das auch als "James Dean-Porsche" bekannt ist, ähnelt eher einem Puzzle als einem Auto. Der Schauspieler kaufte sich 1955 so einen Flitzer mit Leichtmetall Karosserie und nannte ihn "Little Bustard". Dean verunglückte damit tödlich.
Mit dem Little Bustard, den Walsdorff zurzeit wieder flott machen soll, kann der Besitzer, übrigens ein Franke - schon bald wieder mit der Höchstgeschwindigkeit von 220 Km/h über den Salzburg-Ring brettern. Der Zahn der Zeit hat aber derart an dem Kultfahrzeug genagt, dass der 45-jährige Ebersbacher Autobauer eine neue Tür anfertigen muss. Da es keine Original Ersatzteile für den Fahrzeugtyp gibt, von dem überdies nicht einmal hundert Stück gebaut wurden, ist die Blechbiegekunst des Handwerkers gefragt. Dafür verwendet er spezielles Aluminium, das mit Magnesium versetzt ist. "Das lässt sich zwar schwerer schweißen, ist aber leichter und stabiler." Allein an der Motorhaube hat Walsdorff eine Woche lang nur gefeilt. "Man braucht Gefühl für das Material, muss wissen wie es sich verhält", verrät der Blech-Artist, für den Spachtelmasse tabu ist. Auf diese Perfektion legen seine Kunden in der ganzen Welt größten Wert.

Hinter Walter Röhrl her


"Jeder Auftrag ist etwas Besonderes", verrät der Auto Experte, der bei der einen oder anderen kniffligen Aufgabe schon einmal in einem Oldtimer Werksmuseum an einem Vergleichsstück nachmisst. Zur Belohnung für die gelungene Reparatur wird er manchmal auch von den Besitzern zu Oldtimer-Paraden oder Rennen eingeladen. Ein einmaliges Erlebnis war es für Walsdorff, als er 2005 mit einem Porsche 356 A an der internationalen Metz Rallye teilnahm. Endlich mal fahren, statt feilen, schweißen, nieten, hämmern. Er hatte die Startnummer 28. Rallye-Legende Walter Röhrl führte das Feld mit der Startnummer eins an.

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