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Kunst

Außergewöhnliche Performance in der Kaiserpfalz

Miriam Wuttke zeigt im Gewölbekeller der Kaiserpfalz eine außergewöhnliche "Performance" zum Thema "Heimat, Vergangenheit und Zukunft".
Miriam Wuttke zeigte während der Performance kaum ihr Gesicht. Fotos: Sonja Lengenfelder
 
von SONJA LENGENFELDER
So ganz genau wusste selbst Kulturreferent Dieter George nicht, was die Zuschauer am Freitagabend im Gewölbekeller der Kaiserpfalz eigentlich erwartet würde. Mit den Worten: "Wir betreten unbekanntes künstlerisches Terrain", kündigte er die Performance zum Thema "Heimat, Vergangenheit und Zukunft" der in Berlin lebenden Forchheimerin Miriam Wuttke an.

Als das Schauspiel beginnt, erklingt eine Spieluhr. Die Künstlerin, die ein weißes Nachthemd trägt, hält sie in den Händen und schreitet ganz langsam Richtung Bühne. Gleichzeitig flimmert eine Videoaufzeichnung über eine Leinwand. Auch hier ist Wuttke zu sehen, wie sie in einem weißen Nachthemd durch eine Waldlandschaft wandelt. Sie erklimmt vermoderte Baumstümpfe, immer wieder begegnen ihr Rehe und Hirsche. Es wirkt wie ein Traum.

Einmachgläser, Saucieren, Eier


Auf der Bühne hat die Frau inzwischen einen mit Erde gefüllten Koffer geöffnet und den Inhalt auf dem Boden verteilt. In einem zweiten Koffer befinden sich verschiedene Gegenstände: Einmachgläser, Saucieren, Eier, Kohle, Spielzeug. Sie verteilt alles auf dem Boden. Gleichzeitig durchdringt ein markanter Ton das Gewölbe, der ein beklemmendes Gefühl bei den Zuschauern auslöst. Es wirkt verstörend und sorgt für Verwirrung. Doch was hat das alles zu bedeuten?

Die schwierige Suche nach "Heimat" war das Thema, das die in Forchheim geborene Wuttke den Gästen durch ihre metaphorisches Projekt näher bringen wollte. Es behandelte einerseits die Geschichten von Vertriebenen, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs ihre alte Heimat verloren hatten. Wuttke hatte im Vorfeld Interviews mit drei Betroffenen geführt. Die Emotionen, die sie während dieser Gespräche empfand, hat sie versucht auf der Bühne umzusetzen.

Zwischen da und dort


Wuttke verarbeitete ebenso ihre eigene Familiengeschichte, denn auch ihre Großeltern mussten damals die schlesische Heimat hinter sich lassen. Nicht zuletzt steht die Künstlerin selbst, die einige Jahre ihres Lebens auch in den USA verbrachte, zwischen mehreren Polen: dem Arbeitsort Berlin und dem Geburtsort Forchheim.
"Ankunft, Abschied und Erinnerung" - so lautete der Titel der Performance - bezieht sich auf Individuen, die aus bestimmten Gründen zwischen ihrer Vergangenheit und der Zukunft stehen. Es sind Menschen, die in Forchheim angekommen sind und dafür ein altes Leben aufgegeben haben. Oder, wie die Künstlerin, Forchheim verlassen haben und noch in einer Heimat ankommen müssen. Der Wald, der im Film zu sehen war, ist als Metapher für das "Wurzeln schlagen" zu verstehen. Wuttke versuchte all diesen Geschichten und Gefühlen in ihrer "Performance" Ausdruck zu verleihen.

Viele Zuschauer konnten gar nicht hinsehen. Doch das lag nicht etwa daran, dass das Dargebotene sie so sehr verstört hätte. Die Sicht war an vielen Sitzplätzen so stark eingeschränkt, dass viele von dem Schauspiel, das sich überwiegend auf dem Boden abspielte, nichts mitbekamen. Auch die Akustik ließ zu wünschen übrig.

Drei Menschen, drei Geschichten


Ein wenig entschädigte da, dass im Anschluss an die 25-minütige Darbietung Kulturreferent George und Mike Wuttke, Miriams Vater, nach vorne traten und drei Geschichten von Menschen vorlasen, die in Forchheim eine Heimat gefunden hatten. Mike Wuttke gewährte in der letzten Erzählung Einblicke in seine Kindheitserinnerungen. Die Geschichten - so wurde angekündigt - werden Teil eines Sammelbandes sein, der demnächst erscheinen wird.
Im Anschluss an die Veranstaltung, die auch Teil des Programms "Netzwerk Kultur" des Bayrischen Städtetages zum Thema "Zwischen Gestern und Heute" war, hatten die Gäste die Möglichkeit Fragen zu stellen und zu diskutieren, was ausgiebig genutzt wurde.


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