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Gesundheit

Auch Forchheimer Landkreis-Apotheken stehen im Wettbewerb mit Online-Apotheken

Seit dem EuGH-Urteil dürfen ausländische Versandapotheken nun auch auf verschreibungspflichtige Medikamente Rabatte gewähren.
Wiebke Wittmann aus der "Neuen Apotheke" in Gräfenberg Foto: Petra Malbrich
 
von PETRA MALBRICH
14 gute Gründe für die Apotheke vor Ort und gegen den Versandhandel sind auf dem Flyer aufgelistet. Am Ende wird mit einem "Wählen Sie richtig, wenn Ihnen Ihre 24-Stunden-Versorgung wichtig ist", für das Vertrauen und für die Apotheken vor Ort geworben.
Der Flyer steckt in dem neuen Apothekenheft, das die ältere Frau immer zum Lesen mit nach Hause nimmt, wenn sie ihre Medikamente in der Apotheke geholt hat. Im Internet würde sie ohnehin nicht bestellen, damit kennt sie sich nicht aus. Aber Jutta Stein, deren richtiger Name anders ist, bestellt regelmäßig im Internet, denn dort bekommt sie viele Medikamente günstiger. Nicht nur freiverkäufliche, vor allem auch verschreibungspflichtige, die sie regelmäßig nehmen muss, werden mit Rabatt angeboten. Rabatte, die von den deutschen Apotheken auf verschreibungspflichtige Medikamente nicht gegeben werden können, weil sie an die gesetzliche Preisbindung gebunden sind. Zudem sei Deutschland das einzige Land, in dem auf verschreibungspflichtige Medikamente der volle Mehrwertsteuersatz erhoben werde. Dass andere nur sechs Prozent Mehrwertsteuer haben, werde nicht gesehen, sagt Christian Bleile, Vorstand der bayerischen Landesapothekenkammer.


Rabatte für Versandapotheken

Mit Unterschriften, Plakaten und nun durch Flyer machen sich die Apotheken vor Ort für ein Verbot von verschreibungspflichtigen Medikamenten durch ausländische Versandapotheken stark. Eine Aktion, die auch Bleile unterstützt.
"Die ausländischen Versandapotheken dürfen beim Hersteller Rabatte einfordern, was wir durch die Preisbindung nicht dürfen. Diese Rabatte gehen bei uns direkt an die gesetzlichen Krankenkassen", sagt Wiebke Wittmann aus der "Neuen Apotheke" in Gräfenberg. Seit dem EuGH Urteil Ende Oktober vergangenen Jahres ist den ausländischen Versandapotheken gestattet, auch Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel und Zuzahlungen zu gewähren. Das sei deutschen Apotheken zugunsten der Krankenkassen verboten und lässt die Apotheker vor Ort handeln. "Das Problem ist das EuGH-Urteil, das dazu führt, dass der Freiberuf Apotheker gefährdet ist, weil aufgrund der Rosinenpickerei Großapotheken schnelle Geschäfte an sich reißen und die restliche Arbeit den Apothekern vor Ort lassen", sagt Christian Bleile. Die restliche Arbeit sind auch in den 14 Gründen definiert.


Unterschiedliche Positionen

"Wir sind zum Notdienst verpflichtet, müssen Rezepturen herstellen, was der Versand ablehnen darf und sind gesetzlich verpflichtet, Beratung ohne Entgelt zu leisten", sagt Wittmann. Es ist nicht erst einmal vorgekommen, dass sie oder ihre Kolleginnen die Kunden über Medikamente oder andere Produkte ausführlich beraten und informieren und am Ende des Gesprächs ein "Danke, aber das bestelle ich im Internet, dort ist es billiger", zur Antwort erhalten haben.
"Wir haben ausgebildete Mitarbeiter, sie kosten Geld, jede Apotheke leistet Nachtdienst, 30 oder 45 Dienste je Apotheke. Das macht auch niemand zum Spaß", sagt Christian Bleile. Er und andere Apotheker im Landkreis sehen eine große Gefahr in Kapitalgesellschaften wie ausländischen Versandapotheken, die nach maximalen Gewinnen streben. Kein Einzelberufler könne gegen eine Kapitalgesellschaft bestehen. Die AOK Bayern allerdings sieht das anders und unterstützt die Apotheken vor Ort nicht. Ein Verbot für den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente ist nach Ansicht der AOK nicht zeitgemäß, wie Sprecherin Vedrana Romanovic sagt. Jeder Versicherte solle selbst entscheiden können, ob er bequem bestellen oder sich in der Apotheke persönlich beraten lassen möchte, sagt Romanovic.


Was bringt der Versandhandel?

Zudem sei der Versandhandel gerade für Patienten in strukturschwachen Regionen eine Erleichterung. Nur: "Es gibt auch in strukturschwachen Regionen Apotheken. Sie sind die ersten, die dann Schwierigkeiten bekommen", sagt Bleile.
Dass gerade strukturschwache Regionen von Versandapotheken versorgt werden können, sei eine Fehleinschätzung, findet auch Bernd Dotzauer, Inhaber der "Neuen Apotheke" in Gräfenberg. "Ein krankes Kind auf dem Land braucht auch am Samstagabend ein Medikament, nicht erst zwei Werktage später auf dem Postweg", betont Dotzauer. Denn auch die Apotheken in ländlichen Regionen böten Lieferservice, zahlten Steuern in der Gemeinde, bildeten junge Leute aus und böten all die Vorteile, die auf dem Flyer hervorgehoben werden.
Ein Flyer, der ein Verbot des Versands verschreibungspflichtiger Medikamente fordert und die Apotheken vor Ort unterstützen will.
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