Gericht

Angeklagter belächelt seine Strafe

Ein 40-Jähriger steht wegen zweifacher Körperverletzung vor Gericht und kommt mit einem blauen Auge davon. Doch von Reue ist keine Spur.
Mit der Faust schlug der Angeklagte zwei Mal auf den Betreiber der Pizzeria ein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
 
von SARAH STIERANKA
Große Fassungslosigkeit bei den Zeugen und Zuschauern: Wegen zweifacher Körperverletzung war ein 40-Jähriger im Amtsgericht Forchheim vorgeladen. Mit einer derart harmlosen Strafe - sechs Monate Haft auf Bewährung - rechnete keiner im Gerichtssaal - keiner, bis auf den Angeklagten selbst. Höhnisch lächelte der immer wieder in Richtung beider Opfer.

Laut Anklage soll der Altenpfleger Anfang des Jahres vor einer Pizzeria in Gößweinstein auf einen 26-Jährigen mit der Faust eingeschlagen haben, der nach Mitternacht mit seinem Hund spazieren ging. Das Resultat: eine Fraktur an den Zähnen, Hämatome sowie Prellungen.


Heftiger Aufprall mit dem Gesicht

Als der Betreiber des Restaurants die beiden Männer auseinanderhalten wollte, soll er zwei Mal vom Angeklagten ins Gesicht geschlagen worden sein. Danach stieß der 40-Jährige, laut Zeugenaussage, das zweite Opfer mit voller Wucht zur Seite. Dabei sei der 51-jährige Gößweinsteiner mit dem Gesicht auf dem Pflasterstein-Boden aufgeprallt.

Was der Grund für den Ausraster war, darüber konnte im Gerichtssaal nur spekuliert werden. Der Angeklagte jedoch wies die Vorwürfe von sich und sah die Schuld beim 26-Jährigen. "Er ist mit seinem Hund gekommen und hat geschrien. Der Hund hat bei mir am Bein Schutz gesucht. Als ich ihn streicheln wollte und mich bückte, habe ich einen Tritt ins Genick bekommen", verteidigte sich der Angeklagte. Nach einer kleinen Rangelei soll der 40-Jährige, nach eigenen Aussagen, von der Pizzeria weggegangen sein.

Doch: Der 26-Jährige habe ihm hinterhergeschrien, dass er ihn heute noch umbringe. Daraufhin wollte der Angeklagte zu ihm, doch der Betreiber habe ihn von hinten gepackt und beide seien umgefallen. "Am nächsten Tag war ich dann der Buhmann. Es stimmt schon, dass einer auf dem Boden lag, aber das war ich", ärgerte sich der 40-Jährige.


Fehlender Beweis ist Verhängnis

Eine andere Version vor Gericht präsentierte das erste Opfer, der 26-Jährige aus Gößweinstein. Demnach habe der Angeklagte ohne Vorwarnung auf den jungen Mann eingeschlagen. "Warum sollte ich da rumbrüllen? Ich habe voll eine auf die Zwölf bekommen. Nach einem Schlag war ich weg", erinnerte er sich. An mehr aber auch nicht, was auch zum Problem in der Verhandlung wurde. Fehlen Zeugen, heißt es: "Im Zweifel für den Angeklagten."

Und der einzige Zeuge, der etwas zur Schlägerei sagen konnte, bekam nur die Schläge mit, die der Pizzeria-Inhaber einstecken musste. "Ich habe dem Angeklagten noch zugerufen, dass ich das gesehen habe. Er meinte dann nur: 'Was hast du gesehen, du Glatzenheini'", erinnerte sich der Zeuge.

Auch die nächste Zeugin konnte den Angeklagten nicht entlasten. Dabei war er sicher, dass sie den Tritt des 26-Jährigen gesehen habe. "Ich habe gar nichts gesehen, ich war da bereits zu Hause", erklärte die 51-jährige Gößweinsteinerin.


Einigung der beiden Anwälte

Nach den Zeugenaussagen unterbrach Richterin Silke Schneider die Verhandlung - ein Verständigungsgespräch zwischen Staatsanwalt Christian Schorr und Rechtsanwalt Peter Dorscht fand statt. Nach mehreren Minuten konnten sich beide Parteien auf eine Bewährungsstrafe einigen. "Wir glauben, es muss vorher zu einer Provokation gekommen sein", erläuterte die Richterin. Deshalb ließ sie die Faustschläge, die der 26-Jährige einstecken musste, in ihrer Entscheidung außen vor. Die Schläge gegen den Betreiber der Pizzeria jedoch nicht.

Ihr Vorschlag: eine Bewährungsstrafe für ein Geständnis. Ein Sechser im Lotto für den Angeklagten, der wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Körperverletzung auf Bewährung war. Daher nahm er das Angebot von Schneider auch grinsend an: "Ich gebe zu, dem Besitzer eine gegeben zu haben."
Kopfschütteln im ganzen Gerichtssaal. Das 26-jährige Opfer kommentiert das Geständnis ohne Aufforderung der Richterin: "Und mir nicht?" Nach beiden Plädoyers kam Silke Schneider der Forderung von Staatsanwalt Christian Schorr nach und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit, der Übernahme der Verfahrenskosten und einem Anti-Aggressions-Training.

Die Bewährungszeit legte sie auf fünf Jahre aus und machte klar: "Sobald Sie provoziert werden, sehen Sie rot. Das sollte Ihnen zu denken geben." Die Bewährungsstrafe hatte sie dem Angeklagten nur eingeräumt, weil er arbeitet und sie die Hoffnung habe, dass er sich durch das Training bessern werde.

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