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Energie

40-Millionen-Projekt auf der Kippe

Die Heiligenstadter informierten sich über den geplanten Bürger-Windpark Brunn. Am 20. Juli stimmen die Anwohner bei einem Bürgerentscheid über dieses Vorhaben ab.
Experten nahmen am Podium Platz Foto: fra-press
 
von KARL-HEINZ FRANK
Wenige Tage vor dem Bürgerentscheid am 20. Juli informierten sich rund 250 Zuhörer in der Aula des Schulzentrums Heiligenstadt über das Für und Wider des geplanten Bürgerwindparks bei Brunn. Unter der Gesprächsleitung des Journalisten Heiner Gremer stellten sich neben Bürgermeister Helmut Krämer (Einigkeit) die Experten Thomas Foken (Uni Bayreuth), Hubert Treml-Franz (Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg), Ralf Haupt (Geschäftsführer der Klima- und Energieagentur Bamberg) und Ludwig Hofmann (Landratsamt Bamberg) den Fragen der Bürger.

Bürgermeister Helmut Krämer erinnerte daran, dass bei dem geplanten "Bürgerwindpark Brunn" auf einer Gesamtfläche von 180 Hektar bis zu acht Windkraftanlagen der Drei-Megawatt-Klasse entstehen sollen. Als prognostizierte Jahresleistung nannte Krämer ca. 60 000 Megawattstunden. Das sei klimafreundlicher Strom für 15 000 Haushalte.


Gemeinderat sagt ja zur Windkraft


Der Gemeinderat hatte diesen Plänen vor zwei Jahren zugestimmt und die Vorrangfläche von 40 auf 180 Hektar erweitert. Allerdings in einem Landschaftsschutzgebiet. Im gleichen Jahr beschloss das Gremium, die Bürgerwindräder gemeinsam mit den Stadtwerken Ebermannstadt und den Regionalwerken Bamberg anzugehen. Dagegen wendet sich das Bürgerbegehren "Stoppt Windräder..."


Effizienz angezweifelt


Den Reigen der Wortmeldungen eröffnete Rainer Pracht aus Poxdorf, der seine Bedenken bereits in einem offenen Brief an Thomas Foken geltend gemacht hatte. Er zweifelte die Berechnungen für die Energieerzeugung der Windräder an. Statt 60 000 könnten höchstens 43 000 Megawattstunden erzielt werden. Abhängig von den jeweiligen Windgeschwindigkeiten könnten kaum mehr als 2400 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Professor Foken dagegen fand es höchste Zeit, mit Hilfe der Windkraft etwas gegen den sich abzeichnenden Klimawandel zu unternehmen. Auch wenn sich Windkraftanlagen bei fünf Metern pro Sekunde erst ein- und bei 15 Metern pro Sekunde wieder abschalteten, könnten mindestens 1000 Megawatt an Energieleistung erzeugt werden. Professor Foken bekräftigte, dass die Bürger, der Klimaschutz und die Gemeinden mit den daraus resultierenden Gewerbesteuereinnahmen, etwas von den Windkraftanlagen hätten.

Auch Christoph Schenk, Graf von Stauffenberg, als Herr von Schloss Greifenstein unmittelbarer Nachbar eines künftigen Bürgerwindparkes Brunn, machte aus seiner Ablehnung gegen das Vorhaben keinen Hehl. Für ihn sei die Fotomontage mit den Windrädern auf den Hügeln gleich neben seinem Schloss Greifenstein (Bild oben) ein unerträglicher Anblick. "Ich bin beileibe kein grundsätzlicher Gegner der Windkraft, eine derartige Anlage passt aber nicht in das Landschaftsbild. Es geht den Verantwortlichen dabei doch nicht um den Klimaschutz, sondern nur ums Geld", behauptete Graf Stauffenberg.

Bürgermeister Helmut Krämer verwies darauf, dass bereits vier bis acht Windkraftanlagen stehen würden, allerdings finanziert von Fremdinvestoren, wenn die Gemeinde die Flächenausweisung nicht rechtzeitig selbst in die Hand genommen hätte. Er könne die Befürchtung nicht teilen, dass in der Nähe von Windkraftanlagen die Grundstückspreise in den Keller fielen. Vielmehr herrsche in der Gegend um Teuchatz ein Boom bei der Anfragen nach Bauland; trotz der benachbarten Windkraftanlagen. Es stimme auch nicht, dass die Touristen diesen Gegenden fernblieben.


Gegner in der Minderheit?


Krämer widersprach auch der Behauptung von Monika Schenk, Gräfin von Stauffenberg, dass in dieser Frage die Bevölkerung nicht hinter der Gemeinde stehe. Vielmehr hätten eine Fragebogenaktion und verschiedene Abstimmungen in den Ortsteilen das Gegenteil bewiesen. Rund 80 Prozent der Bürger hätten sich für die Errichtung von Windkraftanlagen ausgesprochen. Eine Zuhörerin beklagte sich, warum die dem Bürgerbegehren zugrunde liegende Fragestellung so umständlich und für einfache Menschen nahezu unverständlich formuliert worden sei. Eine direkte Antwort darauf erhielt sie nicht, allerdings verwies Bürgermeister Helmut Krämer darauf, dass beim Bürgerentscheid am 20. Juli alle Befürworter eines Bürgerwindparks auf dem Stimmzettel das "Nein" ankreuzen müssten.

Ein Befürworter des Bürgerwindparkes wunderte sich, dass eine Bürgerinitiative aus dem gerade mal 130 Bürger zählenden Hohenpölz der restlichen Großgemeinde mit ihren 23 Ortsteilen vorschreiben wolle, was deren Einwohner zu tun hätten.


Alternativloses Projekt?


Christian Kiehr, der Vorsitzende der Bund Naturschutz Ortsgruppe Ebermannstadt-Wiesenttal, sprach sich klar für den Bürgerwindpark aus, denn dieses Projekt sei schon bald alternativlos, wenn die fossilen Brennstoffe in absehbarer Zeit der Geschichte angehörten. Schließlich gab Bürgermeister Krämer zu bedenken, dass im Falle eines Nein beim Bürgerentscheid das 40 Millionen Projekt gestorben sei. Dann sei der Gemeinderat ein Jahr lang handlungsunfähig und Fremdinvestoren werde Tür und Tor geöffnet.

zum Thema "Windpark Brunn"



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