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Raubtierasyl bei Ansbach bekommt nun Unterstützung aus Höchstadt

Das Raubtierasyl bei Ansbach ist eine einzigartige Einrichtung und muss doch um seine Existenz kämpfen. Unterstützung erhält es vom Höchstadter Gymnasium.
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Tigerdame Kiara und ihre Artgenossen kann man jeden ersten Sonntag im Monat besuchen. Foto: Yannick Hupfer
Tigerdame Kiara und ihre Artgenossen kann man jeden ersten Sonntag im Monat besuchen. Foto: Yannick Hupfer
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Wenn man die ersten Schritte in das Raubtierasyl wagt, scheint erstmal alles friedlich. Am Rande des Dorfes Wallersdorf nahe Ansbach sagen sich Fuchs und Hase "Gute Nacht". In diesem Fall würden das aber wohl eher Tiger und Frettchen sein. Läuft man weiter durch das Gelände, vorbei an den Gehegen der Affen und Frettchen, kommt man zu den Tigern. Dann hört man erstes Gebrüll. Es ist Kiara, die heute im Gehege neben einem Tiger ist, den sie gar nicht leiden kann, erzählt Leiter Olaf Neuendorf.

Seit mittlerweile 23 Jahren gibt es das Raubtier- und Exotenasyl nahe Ansbach. Es beherbergt ausgefallene Tiere, die vom Zoll beschlagnahmt oder von Zirkussen aussortiert wurden. Auch Tiere, die Besitzer nicht mehr haben möchten, werden hier aufgenommen. So hält der gleichnamige Verein aktuell fünf Tiger, zwei Luchse, einen Puma, drei Bengalkatzen, mehrere Frettchen und noch einige weitere Tiere.


Die Anfänge

Bereits 1972 entstand auf dem gleichen Gelände ein Tiergehege. Damals hat ein Architektenehepaar neu gebaut, ihre Leidenschaft für ausgefallene Tiere wollten die Eheleute frei ausleben und so haben sie schon damals mehrere Tiger gehalten. Als das Architektenbüro dann 1994 in die Pleite ging, entstand auf dem Grundstück ein Tierschutzverein. Seitdem werden in den Gehegen nicht mehr Tiere gezüchtet, sondern nur noch Tiger und ausgefallene Tierarten angenommen, die sonst keine Perspektive mehr haben. In einigen Fällen stünde ihnen im schlimmsten Fall der Tod bevor.

Um das zu verhindern hat sich Olaf Neuendorf zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Tieren ein neues, besseres Zuhause zu bieten. Doch er ist nicht alleine. "Wir haben sehr viele ehrenamtliche Helfer", erklärt er. Der Verein komme mittlerweile auf einen harten Kern von rund 25 Personen, die regelmäßig tatkräftig mit anpacken. Auch viele Praktikanten seien vor Ort, die dem Verein noch zusätzlich helfen.


Vermieter will verkaufen

Doch er und sein Team haben ein großes Problem. Der Vermieter, von dem der Verein das Grundstück zurzeit anmietet, möchte sein 6000 Quadratmeter großes Areal verkaufen. Ihm zufolge sei dieses rund 100 Euro pro Quadratmeter wert. Für Neuendorf allerdings eine viel zu hohe Zahl. Doch der Vermieter sei, laut Neuendorf, von seinem Preis überzeugt. Dabei war der Vermieter selbst Mitglied im Verein.

Der ausgeschriebene Preis sei "unerschwinglich" für den gemeinnützigen Verein. Er finanziert sich lediglich aus Spendengeldern. Bei monatlichen Ausgaben von rund 9000 Euro, die Grundstück und Futter für die Tiere verschlingen, bleibt nicht viel Geld, um zusätzlich noch auf einen eigenen Kauf des Grundstücks zu sparen.
Auf Gelder aus der Politik kann der Verein zudem nicht setzen. Zwar gab es einen entsprechenden Antrag der Freien Wähler, doch dieser wurde von der CSU abgelehnt. "Die Behörden versuchen, sich fernzuhalten", sagt Neuendorf. Auch böse Beschuldigungen seitens der CSU, der Verein sei nur zum Spaß der Mitglieder da, weist der Leiter des Raubtierasyls zurück. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt. Auch ein Politiker der CSU hat das Asyl besucht, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

"Seit den Äußerungen der CSU haben wir gute Gespräche geführt", sagt Neuendorf. Er ist aktuell der einzige fest angestellte Mitarbeiter des Asyls. Ein Antrag über 50 000 Euro pro Jahr für einen weiteren festen Mitarbeiter läuft aktuell noch.

Gleichzeitig möchte man auf dem Grundstück aber auch neue Gehege errichten. Gerade der Platz für die Tiger ist zu gering. "Wir können den Tieren ein vernünftiges Leben anbieten, trotzdem sind wir damit nicht glücklich", erklärt Neuendorf. Weiter sagt er: "Die Gehege sind nicht mehr zeitgemäß". Zwar hat der Verein vor vier Jahren bereits ein neues Gehege im Wald errichtet, das Geld dafür reichte aber nur für ein Luchs-Gehege. Außerdem sei die Nachfrage, im Raubtierasyl Tiere abzugeben, recht hoch. Immer wieder erhält Olaf Neuendorf Anrufe, ob er Tiger übernehmen kann.

Um sich aber auch selbst zu finanzieren, veranstaltet der Verein an jedem ersten Sonntag im Monat, also auch an diesem Wochenende, einen Tag der offenen Tür. Der Eintritt ist frei. Der Verein hofft vielmehr auf großzügige Spenden, die die 800 bis 1000 Besucher an einem Tag geben. "Für uns rechnet sich das so besser, als wenn wir festen Eintritt verlangen würden", erzählt der Leiter.


Schüler malten und sammelten

Gespendet hat auch das Gymnasium Höchstadt. Jedes Jahr geht von Höchstadt aus der Projektwandertag der sechsten Klassen in das Raubtierasyl. Als Kunstlehrerin Sonja Koenigk heuer mit ihren Sprösslingen mitgefahren ist, war sie von dem Projekt begeistert. Sie wollte helfen. Dazu hat die Kunstlehrerin, gemeinsam mit ihren Schülern, Bilder und Karten gemalt, auf denen Tiger abgebildet waren. Diese haben sie dann auf dem Schulfest verkauft. Gleichzeitig gingen Schüler auf dem Sommerfest herum und sammelten Spenden.

Auch andere Lehrer schlossen sich an und so kam eine Summe von über 1100 Euro zusammen, die dem Verein am Donnerstagvormittag übergeben wurde. Auch in Zukunft möchten das Gymnasium Höchstadt und Sonja Koenigk dem Verein finanziell unter die Arme greifen, damit vielleicht doch irgendwann das Grundstück dem Verein selbst gehört.
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