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Botanik

Wo ist Saskia - die Lilie?

Stefan Strasser aus Erlangen bewahrt in seiner Lilien-Arche alte, aber bewährte Sorten. Doch nach der ersten Züchtung seines Vaters fahndet er bislang vergebens.
Stefan Strasser mit der Lilie "Scheherazade". Foto: Ronald Rinklef
 
von MICHAEL SCHULBERT
Weiß jemand, wo Saskia ist? Stefan Strasser aus Erlangen sucht die Schöne seit Jahren: "Ich habe ihr Bild so oft angeschaut - ich würde sie auf Anhieb identifizieren. Sie war eine einmalige Erscheinung." Vielleicht lebt Saskia mitten unter uns - irgendwo - und wir erkennen sie nicht.

Saskia - um das Rätsel aufzulösen - ist eine Lilie, wurde von Stefans Vater Viktor Strasser gezüchtet, vermehrt und weltweit verbreitet. Mit ihr reiste der Mann, den man später "Lilienpapst" nannte, 1978 zu seinem ersten Wettbewerb und gewann den Hauptpreis der Zeitschrift "Mein schöner Garten". Spätestens da war der Versicherungsdirektor, der die Pflanzenzucht zeitlebens als Hobby betrieb, den edlen Blüten, die in der christlichen Symbolik für Reinheit und Unschuld stehen, hoffnungslos verfallen. Er brachte weit über 1000 Züchtungen hervor, viele davon sind im internationalen Register der Royal Horticultural Society in London aufgeführt. Doch das genetische Material von Saskia scheint verschollen zu sein.


Retter der Raritäten


Viktor Strasser starb 1998, sein ältester Sohn führt das Erbe fort. "Ich will Gärtner werden!", soll der Knirps schon mit fünf Jahren ausgerufen haben. Jetzt ist er 52, züchtet selbst und gilt als "Retter der Raritäten". So steht es jedenfalls auf seiner Visitenkarte. Wir sind neugierig und besuchen den Fachmann auf seiner Lilien-Arche im Erlanger Ortsteil Kriegenbrunn, wo uns zunächst seine Mutter Erni in Empfang nimmt und von den Anfängen erzählt. Ständig hätten sie und ihr Mann Viktor Lilien gekauft, die aber nach einem Jahr kaputt waren. "Was für ein Glumb, dachten wir und fingen schließlich selbst an zu züchten. So ging's los. Wir hatten keine Ahnung, aber man lernt doch alles, oder?", sagt die tatkräftige Frau herausfordernd. Wir glauben ihr aufs Wort. Aber was ist dran an den Lilien? "Sie riechen gut. Und sie halten eigentlich sehr lange. In der Vase bestimmt zehn bis vierzehn Tage", stellt Erni fest, die immer im Hintergrund gearbeitet hat und für den Erfolg der Männer sorgte. Wenigstens aber ist eine samtrote Taglilie nach ihr benannt, wie uns ihr Sohn Stefan später verrät.

Nicht alle sind gartentauglich

Lilien wachsen nur in der nördlichen Hemisphäre. Es gibt etwa 110 Arten, Tausende von Kreuzungen und jedes Jahr kommen neue Varianten hinzu. "Manche werden speziell für den Schnittblumenmarkt gezüchtet und sind nur bedingt für Hausgärten geeignet", erklärt Stefan Strasser. Solche Zwiebelgewächse zeigen ihre Schwächen in regenreichen Sommern oder nassen Wintern: "Dann können sie den alten Sorten nicht das Wasser reichen." Deshalb hat es sich der Sohn des "Lilienpapstes" vor fünf Jahren zum Ziel gesetzt, die alten Züchtungen, von denen sich viele als gartentauglich bewährt haben, zu sammeln und zu erhalten. Was nicht ganz einfach ist, denn so mancher Züchter hat sein Wissen mit ins Grab genommen und so mancher Sammlergarten wurde nach dem Tod seines Besitzers rigoros umgepflügt und neu angelegt. Seit 2010 gehört die Erlanger Einrichtung zur "Bundesarbeitsgemeinschaft Pflanzensammlungen", die die Vielfalt genetischer Ressourcen dauerhaft erhalten will.


Zwiebeln tief vergraben

Im Erdreich der 7500 Quadratmeter großen Lilien-Arche finden die Schätze eine neue Heimat. Stefan Strasser hat die Zwiebeln 30 Zentimeter tief in den Boden gesetzt, damit die Wühlmäuse keine Gefahr mehr darstellen. Aufgeschichtetes Holz dient als Unterschlupf für Eidechsen, Ringelnattern oder Kröten, die wiederum für biologische Schädlingsbekämpfung sorgen. "Ich spritze nicht, ich dünge nicht, ich gieße nicht", lautet das Credo des Fachmanns, der seit 2013 mit Terra Preta experimentiert - einer tiefschwarzen Erde, der Holzkohle beigemischt ist. "Seitdem wächst alles wie verrückt", freut sich der Gärtner, dessen Hauptarbeit die Landschaftsgestaltung ist. Von den Lilien allein könne man nicht leben, sagt die Mutter. Garten-Lilien können über drei Meter hoch werden und mehr als 70 Blüten tragen. Besonders zur Geltung kommen sie in Kombination mit Stauden wie der Riesen-Wiesenraute, mit Phlox oder Gräsern. Bei Stefan Strasser gedeihen neben Lilien auch verwandte Pflanzen wie Tag- und Schwertlilien. "Die heißen zwar so ähnlich, sind aber ganz anders", stellt der Fachmann fest, erspart sich und uns aber die Erklärung, sondern reißt seiner jüngsten Züchtung, die noch keinen Namen hat, den Kopf ab. Er drückt uns die Blüte in die Hand: "Beißen Sie mal rein!" Wie bitte? "Doch, doch", hören wir. "Lilien sind essbar." Tatsächlich vernaschen wir die schöne Unbekannte. Sie schmeckt - gut, aber irgendwie nach nichts. Vielleicht sollten wir mal einen Kochkurs bei Stefan Strasser belegen, dann verrät er nämlich auch, was man aus Lilienzwiebeln alles zaubern kann.

Kult um seltene Blüten

Aber Vorsicht: Einige Gewächse sind viel zu wertvoll zum Verzehr. Denn der Lilien-Kult treibt offenbar so seltsame Blüten wie im 17. Jahrhundert die "Tulpenmanie", als Blumenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. "Für gewisse neue oder seltene Lilien reisen Sammler um die Welt. Die derzeit teuerste Zwiebel dürfte die vor 100 Jahren gezüchtete Lilium callosum sein. Dafür legen Interessenten bis zu 1400 Euro hin", weiß Strasser. Doch das sind natürlich Ausnahmen. "Normale" Züchtungen wie die schöne Scheherazade sind schon für sieben bis acht Euro pro Pflanze zu haben.
Was der "Retter der Raritäten" wohl für Saskia - die erste Züchtung seines Vaters - zahlen würde? Die "verlorene Tochter" soll damals mit ihrer einmaligen Farbkombination aus Karmin, Aubergine und Rosa die Jury bezaubert haben. Schauen Sie doch mal in Ihrem Garten nach.


Führungen in der Lilien-Arche

Die Lilien-Arche befindet sich in der Gustav-Adolf-Straße 2 in 91056 Erlangen. Bis zum 27. August ist Sommerpause. Danach liegt der Schwerpunkt auf spät blühenden Lilien und Taglilien. Führungen dauern etwa eine Stunde. Anmeldungen sind möglich unter Tel. 0171 3156045 oder über das Erlanger Tourismusbüro (Tel. 09131/895112).

Bei Stefan Strasser können Lilienpflanzen und Samen bestellt werden (Listen unter www.lilienarche.de).


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