Herzogenaurach
Technologie

"Wer nicht digitalisiert, der verliert"

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt referierte im Herzogenauracher Autohaus Wormser über die Zukunft der Mobilität.
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt warb in Höchstadt für automatisiertes Fahren. Foto: Richard Sänger
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt warb in Höchstadt für automatisiertes Fahren. Foto: Richard Sänger
Volles Haus bei der Future Lounge im BMW-Autohaus Wormser an der Bamberger Straße. Über 150 Zuhörer waren gekommen, um die Veranstaltung zum Thema "Was bringt uns die Digitalisierung" mit dem Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, und dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Stefan Müller, zu verfolgen.

Doch vorab nahm Dobrindt Stellung zum Diesel-Gipfel und stellte klar: Mit ihm wird es keine Fahrverbote für private Diesel in deutschen Städten geben: "Es kann nicht angehen, dass private Käufer, die CO2 -sparende Dieselfahrzeuge gekauft haben, nun dafür bestraft werden." Auch der Forderung nach einer blauen Plakette für Diesel-Fahrzeuge erteilte der Verkehrsminister eine Absage, schließlich mache ein Aufkleber ein Auto nicht sauberer. Dagegen sei ein Software-Update eine erste schnelle Hilfe.

Wer wie manche grüne Politiker Einfahrverbote in Städte fordere, wolle "die Mobilität der Menschen brutal beschränken und Dieselfahrer kalt enteignen", sagte der Minister und bekräftigte, dass es den Diesel noch viele Jahre als "Übergangstechnologie" geben werde. "Die Behauptung, ab 2030 werde es keine Autos mehr mit Verbrennungsmotoren geben, ist Nonsens", so der Minister.


Grüne Welle gefordert

Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Luftqualität in Großstädten sieht Dobrindt in einem ganzheitlicheren Ansatz, der auch den weiter zunehmenden Verkehr durch Kleintransporter, Lkws, Taxen und Busse und eine deutliche Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs sowie den schnelleren Ausbau der Elektromobilität einschließt. So sollen auch Lieferverkehre gebündelt und Ampeln besser vernetzt werden. "In den Städten muss wieder grüne Welle herrschen", das sei im digitalen Zeitalter machbar und müsse angegangen werden.

"Über 40 Prozent des Verkehrs in der Stadt ist der Parkplatz-Suchverkehr", erzählte der Minister aus eigenen Erfahrungen. Das könne mit dem Ausbau der digitalen Infrastruktur, dem automatisierten und vernetzten Fahren erheblich minimiert werden. Die Digitalisierung bietet Dobrindt zufolge aber auch immense Chancen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft - sich ihr zu verschließen wäre fatal: "Die Digitalisierung unserer Lebens- und Wirtschaftsbereiche vollzieht sich in rasender Geschwindigkeit. Deutschland muss einer der Treiber dieser Entwicklung werden, um auch künftig Wohlstand, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern."

Vom "Autonomen Fahren" über "Industrie 4.0" bis hin zum internetbasierten Konsum habe der technologische Umbruch bereits begonnen und die meisten Bereiche des täglichen Lebens erreicht. "Wer nicht komplett digitalisiert, der verliert." In diesem Zusammenhang kündigte Dobrindt auch an, dass die Bahnstrecken elektrifiziert werden und die Dieselloks ausgemustert werden müssen.


Automatisiertes Fahren sicherer

Nicht selbst fahren, sondern fahren lassen - und zwar vom Computer. So sieht für Dobrindt das Auto der Zukunft aus. Er ist sich sicher: Die skeptischen Deutschen werden sich daran gewöhnen und das Angebot irgendwann gerne annehmen. Damit das keine reine Zukunftsmusik bleibt, läuft seit über einem Jahr ein Pilotprojekt auf der A 9 zwischen München und Ingolstadt. IT-Unternehmen, Autohersteller und Telekommunikationsanbieter erforschen im Realbetrieb, wie das automatisierte und vernetzte Fahren funktionieren kann. "Es sind auch schon Laster-Kolonnen unterwegs, bei denen mehrere Trucks vom ersten Fahrzeug aus ferngesteuert werden", beantwortete Dobrindt eine Frage aus dem Publikum. Außerdem ist das Ministerium dabei, sicherzustellen, dass die Abstandsmesser ab einer Geschwindigkeit von 30 km/h nicht mehr abgeschaltet werden können. "Automatisiertes Fahren macht den Fahrer sicherer und bereichert das Leben", ist sich Dobrindt sicher.

Der ehemalige Erlanger Oberbürgermeister Siegfried Balleis forderte, die Teststrecke mit dem automatisierten Fahren mindestens bis Nürnberg zu verlängern. Ein Zuhörer kritisierte, dass die deutschen Entwickler die Fertigung der Batterien für E-Autos und die Fertigung der Brennstoffzellen den Chinesen überlassen haben. "Bei den Brennstoffzellen waren wir führend und unsere Industrie sollte sich wieder mehr engagieren", fordert Dobrindt.
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