Ailsbach
Auszeichnung

Ulrike Krafft ist "Marktfrau des Jahres"

Die Geschäftsfrau aus Ailsbach hat auf dem Nürnberger Hauptmarkt ihr zweites Zuhause. Dort verkauft sie Obst und Gemüse.
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Ulrike und Jürgen Krafft bieten ein großes Sortiment an frischen und selbst konservierten Produkten an.Evi Seeger
Ulrike und Jürgen Krafft bieten ein großes Sortiment an frischen und selbst konservierten Produkten an.Evi Seeger
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Mitunter kommt Ulrich Maly (SPD) an ihren Stand und kauft Frisches aus der Region. Der Bürgermeister von Nürnberg koche gern in seiner Freizeit, verrät Ulrike Krafft. Überhaupt wird der Ailsbacherin so manche Neuigkeit aus Nürnberg zugetragen. Herzlich und freundlich wie sie ist, kommt sie mit Menschen schnell ins Gespräch. Das hat sicher auch dazu beigetragen, dass sie vom Nürnberg-Magazin "Metropol News" im Juni zur "Marktfrau des Jahres" gekürt wurde.
Vor 28 Jahren hat Ulrike Krafft, geborene Wehr, das Geschäft ihrer Eltern in Ailsbach übernommen. Auf dem Nürnberger Hauptmarkt ist sie aber schon viel länger "zu Hause". "Schon mit fünf oder sechs Jahren hat mich mein Vater auf den Markt mitgenommen", erzählt sie. Dass sie Marktfrau mit Leib und Seele ist und viel Herzblut in ihren Beruf steckt, glaubt man ihr aufs Wort. Dennoch kam der Titel für sie völlig überraschend.
Den Redakteur Leo Loy, der über Kulinarisches in Franken schreibt, habe sie schon länger gekannt. Auf die potenziellen Kandidaten werde zunächst eine Zeit lang ein Auge geworfen. Dann ermittle ein Gremium die Preisträger, die sich um die Metropolregion verdient gemacht haben. Überreicht wurde die Auszeichnung exakt auf der Nürnberg-Fürther Stadtgrenze im Tucher-Lokal "Schalander". Und zwar von Joachim Herrmann höchstpersönlich. Denn der Staatsminister ist zugleich Vorsitzender des Tourismusverbands Franken.
Der Tag von Ulrike Krafft ist total durchstrukturiert: Sie steht früh "um Viertel vier", also um 3.15 Uhr auf, um bis 4.30 Uhr im Großmarkt zu sein. Dort wird eingekauft, "was wir selbst nicht haben". Um 6.30 Uhr ist sie auf dem Hauptmarkt, lädt aus und bestückt ihren Stand. Um 18 Uhr macht sie Schluss. Bis sie zu Hause in Ailsbach ist, wird es 20 Uhr. Das geht so an den Dienstagen, Donnerstagen, Freitagen und Samstagen. "Wenn es Events auf dem Hauptmarkt gibt, zum Beispiel im Advent, bin ich jeden Tag bis 20 Uhr dort", sagt sie. Montags und mittwochs ist Hofverkauf in Ailsbach. Da freue man sich schon auf die jährlichen zwei Wochen Betriebsurlaub. Aber als der vor kurzem zu Ende war, seufzte die "Standfrau" glücklich: "Gott sei Dank, dass ich wieder nach Nürnberg darf!"
Ulrike Krafft ist in das Geschäft hineingewachsen: Ihre Eltern hatten seit den 1960er Jahren einen Stand auf dem Nürnberger Hauptmarkt. Mit Sauerkraut, Gurken, Meerrettich und Gemüse hat alles angefangen. Obst und Südfrüchte haben Ulrike Krafft und ihr Mann Jürgen dazu genommen. "Man kann den Kunden, der Sauerkraut kauft, nicht wegen einer Banane fürs Baby weiterschicken", sagt Jürgen Krafft. Immer freitags und samstags fährt er mit seiner Frau nach Nürnberg, um die Kunden aus der Gastronomie mit seinen Produkten, Sauerkraut und Meerrettich beispielsweise, zu versorgen. 150 Tonnen Sauerkraut werden "vom Hobeln bis zum fertigen Produkt" pro Jahr im Ailsbacher Betrieb hergestellt. Den Hauptanteil des Sauerkrauts verkauft er "offen aus dem Fass". Die Krautsköpfe bezieht er von Bauern in Unterfranken.
"Wir sind ein zertifizierter Betrieb", sagt Krafft und zeigt stolz seinen "Keller voller Köstlichkeiten". Da fehlt nichts: eingelegte Gurken in allen Geschmacksrichtungen, Meerrettich, Sellerie, Rote Beete, Blaukraut, Gelbe Rüben, Blumenkohl, selbst Paprika aus dem Knoblauchsland und Chili aus Franken. Alles im Betrieb "selbst veredelt". Aber es gibt auch etwas, das hierzulande früher eine Spezialität war, heute aber kaum noch angeboten wird: Die Kraffts bauen selbst Weiße Rüben an und verarbeiten sie zu "Rubmkraut", Rübenkraut, für das Kenner weite Wege in Kauf nehmen.
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