Erlangen
Aktenzeichen

Trotz XY weiter ungelöst

Eduard Zimmermanns Verbrechersuche gehört zu den erfolgreichen Sendungen in Deutschland. In Erlangen konnte "xy" aber nicht weiterhelfen.
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Beim Indizienprozess gab es ein Treffen des Gerichtes an der Erlanger Tiefgarage. Foto: Michael Busch
Beim Indizienprozess gab es ein Treffen des Gerichtes an der Erlanger Tiefgarage. Foto: Michael Busch
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Das Drehbuch liest sich wie für einen mehrteiligen Kriminalroman. Die Überschrift "Mord an Susanne M." war allerdings alles andere als die Idee eines Autors, der vor allem die Unterhaltung der Leser respektive Zuschauer vor den Bildschirmen vor Augen hatte. Das Drehbuch, das am 28. April 2004 gesendet wurde, entspricht Tatsachen.
Und die Menschen, weit über die hiesige Region hinaus, verfolgten die dann entstandene Sendung gebannt. "Aktenzeichen XY... ungelöst" lief und der zweite Fall spielte nicht "irgendwo" in der Republik, sondern vor der eigenen Haustüre. In Erlangen.
Im ersten Fall ging es um einen Überfall auf eine Bäckerei in Osnabrück. Fünf Männer wurden gesucht, sie hatten Geld geraubt. Nichts im Vergleich, was dann der zweite besprochene Fall bringen sollte. Der Kommissar im Studio Kriminalhauptkommissar Meiler der Dienststelle in Erlangen, hoffte auf entscheidende Hinweise, um den sogenannten "Tiefgaragenmord in Erlangen" aus dem Jahr 1999 abschließen zu können. Oder zumindest, um ein wenig weiterzukommen.
In den Filmvortrag wurden die bis dato zusammengetragenen Hinweise, Vermutungen und die eigentliche Tat szenisch dargestellt. Die Zuschauer erlebten nochmals den Überfall am 5. März 1999, gegen 7.30 Uhr, auf die Arzthelferin Susanne M.
Am Ende der Sendung standen die offenen Fragen: "Wer hat etwas mitbekommen?", "Wer kann zu dem Tathergang etwas sagen?", "Wer kann zu Beziehungen im Umfeld der Getöteten etwas sagen?" Die ausgesprochene Belohnung von rund 5000 Euro sollten die Menschen animieren, sich den 5. Oktober 1999 nochmals genauer vor Augen zu führen.
Und tatsächlich, nicht zuletzt wegen der eingegangenen Hinweise, startete eine der größten Indizienprozesse, den es bis zu diesem Zeitpunkt am Nürnberger Landgericht je gegeben hat. Am 8. Juni 2010 endete dieser dann auch, war aber überraschenderweise nicht das Ende des Falls. Richard Caspar, der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, erklärte sehr aufwendig, dass nach 735 Seiten Anklageschrift und 60 vernommenen Zeugen, das Urteil dennoch auf Freispruch lauten müsse. Aus Mangel an Beweisen. Trotz der vielen Hinweise aus der Fernsehsendung.
Doch dann hob der Bundesgerichtshof das Urteil gegen den freigesprochenen Landschaftsgärtner aus Erlangen komplett auf. Der 1. Strafsenat entschied, dass das Urteil der Nürnberger Richter nicht ausreichend erörtert worden sei.
Das Ergebnis war dann aber auch wieder ernüchternd. Der Mord konnte wieder nicht nachgewiesen werden, allerdings andere Straftaten führten zu einer Verurteilung.
Bei Aktenzeichen xy ... ungelöst, bleibt der Status aus dem Titel erhalten: Ungelöst!
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