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Debatte

Stiftung weckt die Emotionen

Soll die von Bürgern einst gegründete Stiftung für die Bedürftigen aufgelöst werden oder ist sie ein wichtiger Bestandteil von Herzogenaurach?
Das große Spital zählt zu den Immobilien  der Stiftung. Seit dem Jahr 2000  ist das Stadtmuseum dort untergebracht. Unser Foto zeigt einen Behördengang  im Gewölbekeller im Mai 1990.  Archiv
 
von BERNHARD PANZER
Es ist die erwartet kontroverse Debatte geworden, als der Hauptausschuss des Stadtrates am Montagabend über die mögliche Auflösung einer uralten städtischen Stiftung beriet. Ein Ergebnis gab es nicht, die Sitzung verlief ohne die geplante Beschluss-Empfehlung für den Stadtrat.

Die einen argumentierten mit Blick auf die Stadtgeschichte und mit Herzblut. Sie stellten den ideellen Wert heraus, den eine solche Einrichtung auch in der heutigen Zeit habe. Die anderen, allen voran Bürgermeister German Hacker (SPD), verwiesen auf ein effizienteres und weitaus unkompliziertes Arbeiten der Stadtverwaltung. Der Stiftungszweck würde durch eine Auflösung der Stiftung und deren Übergang in das Stadtvermögen keinesfalls gefährdet, sondern könnte unbürokratischer erfüllt werden.


Gegen die Intention der Stifter

Gemeint ist die Pfründner-Hospital, Seel- und Siechhausstiftung. Ihre Anfänge gehen, wie Kreisheimatpfleger Manfred Welker dieser Tage berichtete, bis ins Jahr 1511 zurück. Die Stadtverwaltung nennt in einer von Kämmerer Manfred Hofmann verfassten Sitzungsvorlage den Anfang des 17. Jahrhunderts als Gründungszeit. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung, um "alten, bedürftigen oder minderbemittelten Bürgerinnen und Bürgern aus Herzogenaurach" günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Genau auf diesen Zweck beriefen sich vor allem Manfred Welker (FW) und Walter Drebinger (CSU). Welker betonte, dass eine Auflösung der Stiftung gegen die Intention der damaligen Stifter wäre. Das Vermögen, also mehrere historische Gebäude, sei von Herzogenauracher Bürgern mit deren Geld geschaffen worden, als freiwillige Leistung. Drebinger sah das ebenso. Als gewählte Vertreter der Stadt sollte man die von Herzogenauracher Bürgern gegründete Stiftung am Leben erhalten, denn "die Stiftung ist ein wichtiger Bestandteil der Stadt."

Für ihn als alteingesessenen Herzogenauracher habe ein Erhalt der Stiftung einen besonderen Wert. Sie gehöre zur Stadt, sagte er emotionsgeladen und fügte hinzu: "Ich werde den Gedanken der Ur-Herzogenauracher nicht mit Füßen treten." Unterstützung kam von seinem Fraktionskollegen Stephan Wirth. Auch er komme aus einer älteren Herzogenauracher Familie, sagte er, und würde sich schwer tun, die Stiftung "mit einem Wisch" abzulehnen. Was auch gar nicht so einfach wäre, wie Manfred Welker, der auch Kreisheimatpfleger ist, feststellte. "Wir können sie nicht auflösen", sagte er. Denn darüber müsse eine übergeordnete Behörde entscheiden.


Kein Geringchätzen

Bürgermeister Hacker erklärte, dass es die Stiftung in der heutigen Zeit nicht mehr brauche. Die Aufgabe, Wohnraum für bedürftige Menschen zu schaffen, erfülle seit langem die Stadt. Wenn man die Einrichtung jetzt auflöse, dann wäre das keinesfalls ein Geringschätzen der Stiftung. Es gehe schlicht um den Abbau der Bürokratie. Das ersparte Geld - Hacker sprach von jährlich mindestens 50 000 Euro - könnte man eben für diesen Zweck sinnvoller einsetzen.

Hacker erklärte weiterhin, dass die Arbeit der Stiftung seit langem durch die Abteilung Gebäudewirtschaft im Rathaus übernommen werde. Es sei eine absurde Situation. Da würden Aufgaben zwischen Stadt und Stiftung hin- und hergeschoben, aber machen tun es die gleichen Leute. Außerdem sei die Stiftung im Grunde längst insolvent. Sie werde von der Stadt seit Jahrzehnten künstlich am Leben erhalten, ergänzte Verwaltungsleiter Gerhard Höfler. Und: "Die Stiftung wäre zahlungsunfähig."

Eine klare Zustimmung fand die Verwaltung in der Fraktion der Grünen. Man habe eine Auflösung ursprünglich schon mal selber beantragen wollen, meinte Retta Müller-Schimmel. "Aber eine heilige Kuh darf man nicht schlachten." Georgios Halkias wunderte sich, dass es ausgerechnet jetzt so viele Ideen gebe, die Stiftung zu erhalten. Bisher habe sie doch auch nicht interessiert.


Kein Empfehlungsbeschluss

Für Bürgermeister Hacker war außerdem klar, dass es die Stiftung gar nicht gäbe, wenn die Stadt damals schon so gearbeitet hätte wie heute. Also wenn die Sorge um die Bedürftigen schon eine städtische Aufgabe gewesen wäre. Heute sei das so, eine Stiftung brauche es nicht mehr. Man wisse, dass sozialer Wohnungsbau immer ein Verlustgeschäft sei. Aber man könnte die Verwaltungsarbeiten wenigstens effizienter machen.

Überzeugen ließen sich mehrere Ausschussmitglieder davon nicht. Man folgte dem Vorschlag von Kurt Zollhöfer (CSU), an diesem Abend keinen Empfehlungsbeschluss für den Stadtrat zu fassen, sondern erst noch in den Fraktionen zu diskutieren. Der soll dann am 19. Oktober entscheiden.


Lösungsvorschlag

Zuvor hatte Manfred Welker gesagt, dass er einen Weg sähe, die Stiftung am Leben zu erhalten. Man müsste sie mit Kapital ausstatten und könnte eine Zustiftung einrichten. Dann würde sie ihren Aufgaben wieder gerecht. Welker plädierte für einen Erhalt: "Meine Idee wäre es, die Stiftung wieder lebensfähig zu machen." Damit fand er auch Unterstützer im Gremium. Die Stiftung sei in all den Jahren zum Ballast geworden, meinte Stephan Wirth. Man könnte den Prozess jetzt aber umkehren und sie wieder zum Leben erwecken. Und Walter Drebinger ergänzte: "Wir haben die Stiftung doch ausbluten lassen."
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