Großenseebach
Der Querläufer unterwegs

Zehn lange Runden um den Auensee

Jochen Brosig vom trifft sich mit Sportlern auf deren Lieblingslaufrunde. Jüngst war er mit Dietmar Benkert bei der bayerischen 100-Kilometer-Meisterschaft.
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Die Strecke führte die Läufer zunächst durch den Leipziger Auwald, ehe sie den See umrundeten. Fotos: privat
Die Strecke führte die Läufer zunächst durch den Leipziger Auwald, ehe sie den See umrundeten. Fotos: privat
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Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingsrunde. Dieses Mal spricht er mit einem Läufer, der sich auch abseits der Laufstrecke engagiert. Dietmar Benkert ist beim BLV als mittelfränkischer Laufwart aktiv. In dieser Funktion organisiert er in Leipzig die Siegerehrung für die bayerischen Meister.

Dietmar habe ich bei den Läufen zum Laufcup des BLV kennen gelernt. Es liegt ja in der Natur der Sache, dass man die Läufer aus dem Nachbarvereinen oft auf den gleichen Laufveranstaltungen trifft. Außerdem gab es noch die Sportwochenenden vom BLV in Lindberg bei Zwiesel, die alle zwei Jahre stattfanden. Hier hatten wir zusammen großen Spaß bei Schneewanderungen, Skilanglauf und geselligen Abenden mit vielen Läufern aus ganz Bayern. Am Wochenende waren wir zusammen in Leipzig beim 100-Kilometer-Lauf.

Querläufer:Wie bist du mittelfränkischer Laufwart geworden?
Dietmar Benkert: Der damalige Laufwart Gerd Ankermann fragte mich, ob ich bereit wäre, diesen Posten zu übernehmen. Er war nämlich nicht nur Abteilungsleiter der TSH, sondern auch Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit und zusätzlich für Sport, organisierte dazu den HerzoRun und wollte verständlicherweise Arbeit abgeben. Nachdem auch Hans-Peter Schneider als BLV-Laufwart deswegen auf mich zukam, habe ich mich bereiterklärt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Leipzig ist schon seit vielen Jahren der Austragungsort für die bayerischen Meisterschaften im 100-Kilometer-Lauf. Da bayernweit keine adäquate Veranstaltung zu finden ist, wird am Auensee um die Titel gekämpft. Heuer hätte die "Bayerische" eigentlich in Fürth stattfinden sollen, doch die Umsetzung mit allerlei Straßensperren wäre so teuer gekommen, dass die Kosten mit den Startgebühren bei weitem nicht zu decken gewesen wäre. Deshalb wurde die Veranstaltung abgesagt und Leipzig erneut zur Alternative.
Während der Querläufer auf der Strecke gegen die Uhr läuft, kümmert sich Dietmar Benkert um das Organisatorische. Den Lauf inklusive Zeitmessung haben die Veranstalter vom gastgebenden LC Auensee fest im Griff. Benkert konzentriert sich auf die "Bayerischen". Start ist früh um 6 Uhr. Das heißt, spätestens um 4 Uhr aufstehen. Kurzes Frühstück, dann zur Strecke fahren. Meinen Tisch mit der Eigenverpflegung aufbauen. Ausrüstung kontrollieren und dann geht es auch schon los. Peng! Wir verlassen das Stadion. Ein Gedanke kommt mir in den Sinn. "Das Wichtigste des ersten Schrittes ist die Richtung." Kluger Kopf, wer auch immer das gesagt hat. Hundert Kilometer liegen vor mir. Dietmar Benkert hat es da leichter. Er stellt seinen Klappstuhl in den Start-Ziel-Bereich. Für ihn beginnt die Arbeit nach dem Lauf.

Was gehört zu Deinen Aufgaben als mittelfränkischer Laufwart?
Ganz allgemein unterstütze ich den BLV-Laufwart bei seinen Aufgaben. Ich besuche die Meisterschaftswettkämpfe als Verbandsvertreter, wirke bei den Siegerehrungen mit und berate die Vereine bei Fragen oder Unklarheiten. Außerdem nehme ich an den Sitzungen des Bezirksvorstandes teil. Daneben müssen die Termine für die Meisterschaften im kommenden Jahr koordiniert werden. Beim 100-Kilometer-Lauf in Leipzig bin ich als Vertreter des BLV anwesend, weil der Lauf auch für die bayerische Meisterschaft gewertet wird.

Die Zehn-Kilometer-Runde befindet sich im nördlichen Leipziger Auwald. Start und Ziel ist auf der Aschenbahn der August-Bebel-Kampfbahn in Leipzig-Wahren. Von dort aus geht es über ein kurzes Stück Asphalt hinein in den Auwald bis zum Auensee. Nachdem dieser umrundet ist, führt die Strecke wieder durch den Auwald zurück zum Ziel. Der größte Teil der Strecke wird in beiden Richtungen belaufen, so dass man den anderen Läufern begegnet. Insgesamt werden sechs Stationen mit Getränken angelaufen. An drei Stationen gibt es auch Essen. Dort besteht die Möglichkeit, Eigenverpflegung zu deponieren.
Nach einer Stunde ist der Querläufer wieder zurück, umrundet die große Eiche im Zielbereich - und weiter geht's. Auf ein Neues. Dietmar Benkert ruft Brosig noch etwas hinterher. Doch der ist schon wieder auf der Strecke.

Die Aufgabe als Laufwart hört sich sehr zeitaufwendig an. Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?
Für andere Sachen bleibt in der Tat nicht mehr viel übrig. Eine Pause vom Laufen gibt es eigentlich nur, wenn ich krank bin. Die Arbeit als Pressewart unserer Laufsportabteilung bei der Turnerschaft Herzogenaurach beansprucht auch Zeit.

Runde für Runde werden die Beine schwerer. Die einen sagen, bei einem 100-Kilometer-Lauf hast du die Hälfte bei 60 Kilometern erreicht, die Anderen beharren auf 70 Kilometern. Egal, auf jeden Fall braucht man für die zweite Hälfte länger. Vom Start weg läuft es sich ganz leicht. Zu leicht, und der Querläufer muss sich einbremsen. Nach 15 bis 20 Kilometern wird man zur Laufmaschine. Alles geht automatisch und locker. Der Laufrhythmus bestimmt den Körper. Das ist die schönste Zeit. Es läuft. Irgendwann stellt sich Erschöpfung ein. Einmal früher, ein andermal später. Für Brosig wird es ab Kilometer 65 hart. Die Gedanken kreisen um eine Pause. Das Wort "Gehpause" bekommt eine große Bedeutung. Runde für Runde wird Benkert zum Motivator für die bayerischen Starter.

Was sind deine läuferischen Ziele als Aktiver für die Zukunft?
Bei mir stehen nicht neue Bestzeiten im Vordergrund, aber mit 80 Jahren noch so viel Laufspaß wie jetzt zu haben. Das ist eine große Herausforderung.

Die Leidenszeit führt durch die achte und die neunte Runde. Noch zehn Kilometer. Der Querläufer kann sich noch einmal zu einer "schnellen Runde" motivieren. Im Ziel erwartet ihn Dietmar Benkert, der jetzt zum Zuge kommt: bei der Siegerehrung der bayerischen Meisterschaften. Medaillen und Urkunden werden überreicht. Es war ein anstrengender Tag, alle Helfer - wie Dietmar Benkert - verdienen Hochachtung. Sie opfern ihr Wochenende, damit die Läufer ihren Sport wettkampfmäßig ausüben können.

Run happy and smile!
Euer Querläufer
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