Für den Tag der Deutschen Einheit hatten sich die Herzogenauracher Handballdamen vorgenommen, den ersten Heimsieg in der 3. Liga zu landen. Doch der Gegner aus Kandel, der zuvor schon mit einem Unentschieden gegen den Zweitliga-Absteiger aus Haunstetten hatte aufhorchen lassen, machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Gästetrainer Eyub Erden hatte vor der Partie erklärt: "Wir wollen immer gewinnen und nicht nur mithalten, das haben wir uns für die ganze Saison vorgenommen." Die TSH verfolgt ein ähnliches Konzept, und so durften die rund 250 Zuschauer ein spannendes Spiel erwarten.


TS Herzogenaurach - TSV Kandel 19:23

Beide Mannschaften begannen mit einer 6:0-Abwehr. Kompakt und konzentriert wurden die Lücken geschlossen, so dass die Angriffe häufig an den Rand des Zeitspiels führten. Torchancen entstanden nur, wenn durch viel Bewegung die Abwehr auseinandergezogen wurde. Es dauerte zwei Minuten, bis Saskia Probst der erste Treffer der Partie gelang. Nina Bestle warf die Gastgeberinnen mit zwei sehenswerten Toren zur 3:2-Führung. Ab dem Zeitpunkt lagen die Auracherinnen immer in Front, ohne sich abzusetzen.

Zwar hielt Martina Ebersberger in der ersten Halbzeit einige Bälle und setzte ihre Mitspielerinnen im Gegenstoß in Szene, doch zu oft ließen diese ihre klaren Chancen liegen. Im Gegenzug nutzte der TSV immer wieder seine Möglichkeiten, um sich heranzukämpfen. Gegen Ende der ersten 30 Minuten wurde das Spiel aggressiver, so dass sich die Schiedsrichter gezwungen sahen, erste Zeitstrafen zu verteilen. Den dadurch entstandenen Raum nutzte Laura Wedrich mit einer herrlichen Passtäuschung zum Durchbruch. Zudem sorgte Ebersberger einmal mehr durch ein Tor in das leerstehende Gehäuse der Gäste für Jubel. Mit einem 12:9 ging die TSH in die Pause.

Die zweite Halbzeit gestaltete sich noch umkämpfter. Herzogenaurach stemmte sich zwar gegen das Schmelzen des Vorsprungs, versäumte es jedoch, sich mit mehr als einem Tor abzusetzen. Angetrieben von einer überragenden Christina Wilhelm, die die Heimabwehr nicht in den Griff bekam, gewannen die Badener langsam die Oberhand. Zudem bereitete die körperlich überlegene Kreisläuferin Maijana Markovic mit ihren dynamischen Körpertäuschungen, die entweder zum Tor oder zum Strafwurf führten, der TSH-Defensive erhebliche Probleme.

Der 12:13-Anschlusstreffer von Markovic zwang Klaus Watzinger und Mirko Scholten zu einer Auszeit. Das Spiel drohte zu kippen. Zu hektisch waren die Angriffsbemühungen, die in der Abwehr der Gegner hängen blieben. Die Ansprache des Trainerduos verpuffte jedoch, wiederum war es ein Kreisanspiel, das zum Strafwurf und zum Ausgleich führte (13:13).


Kandel übernimmt die Führung

In der 48. Minute lag Kandel zum ersten Mal vorne. Obwohl die Kräfte zu schwinden schienen, steckten die Herzogenauracher nicht auf und kämpften weiter um die Punkte. Die Abwehr arbeitete aufopferungsvoll und führte den TSV zum Zeitspiel. Aus einem Freiwurf heraus traf Wilhelm dennoch zum 17:18. Noch einmal fiel der Ausgleich durch Laila Schneidereit, die beherzt ins Eins-gegen-Eins ging. Sieben Minuten vor Schluss nahm auch Erden eine Auszeit, um seine Damen auf die Schlussphase einzustellen. Die Kandelerinnen kämpften nun um jeden Millimeter - ein Druck, dem die TS-Damen nicht mehr standhielten.

Auch Juliane Geling, die in der Zwischenzeit für Ebersberger ins Tor gerückt war, konnte trotz einiger Glanztaten den Torlauf der Gäste nicht verhindern. Ein abgefälschter Wurf von Rebecca Brecht brachte wieder die Führung für Kandel. Im Gegenzug hatte die Turnerschaft kein Glück mehr und setzte zwei Bälle an den Pfosten. Auch ein bereits gewonnener Ball gelangte wieder zur gegnerischen Kreisläuferin, die den Ball in die Maschen warf.

"Mit der ersten Halbzeit bin ich zufrieden. Die Mannschaft hat gut gearbeitet, was aber auch kräftezehrend war. Kandel hat das Duell mit der Routine einzelner Spielerinnen gewonnen", sagte TSH-Co-Trainer Scholten. "Wir haben in der zweiten Halbzeit in Schlüsselsituationen nicht mehr die richtigen Entscheidungen getroffen und so die Führung aus der Hand gegeben." Nun gelte es, das Tempospiel zu optimieren und sich Routine zu holen.

Erden erklärte: "Dieser Sieg war ein hartes Stück Arbeit. In der ersten Halbzeit haben wir zu viele einfache Tore über den Rückraum zugelassen. Dies wollten wir in der zweiten Halbzeit unterbinden, was uns weitgehend gelungen ist. Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhütern hat uns zum Sieg geführt. Zudem haben wir im Angriff unsere körperliche Überlegenheit ausgespielt."
TSH: Eberberger (1), Gerling - Stephan (3), Wedrich (5/1), Bestle (2), Probst (3), Schneidereit (2), Lichtscheidel (1/1), Zimmermann, Lang (1), Mittelheisser, Küffner, Neumann (1)