Herzogenaurach
Leichtathletik

Peter Müllers Taktik für Mosambik

Der 56-Jährige soll südostafrikanischen Trainern das nötige Rüstzeug für die Arbeit mit Sportlern an die Hand geben.
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Der gebürtige Hausener Peter Müller (links) ist seit 1990 hauptamtlicher Trainer bei der TSH und hat seinen Sportlern - hier Kai Bauer - Trainingspläne für die Zeit seiner Abwesenheit erstellt. Foto: Archiv
Der gebürtige Hausener Peter Müller (links) ist seit 1990 hauptamtlicher Trainer bei der TSH und hat seinen Sportlern - hier Kai Bauer - Trainingspläne für die Zeit seiner Abwesenheit erstellt. Foto: Archiv
30 Grad und Sonnenschein erwarten Peter Müller an Heiligabend. Der hauptamtliche Trainer der TS Herzogenaurach verbringt zwei Monate im Südosten Afrikas, allerdings nicht, um dem Schmuddelwetter in Deutschland zu entfliehen. Der 56-Jährige folgt einem Hilferuf des Leichtathletikverbands von Mosambik.
"Beim Auswärtigen Amt in Berlin ging der Antrag ein, ob ihm Rahmen der Entwicklungshilfe nicht auch Unterstützung bei der Ausbildung von Leichtathletiktrainern möglich wäre", schildert Müller die Ausgangslage. Von dort sei die Angelegenheit an den deutschen olympischen Sportbund (DOSB) weitergeleitet worden, wo grünes Licht gegeben und bei der Suche nach einem geeigneten Coach Peter Müller ins Spiel gebracht wurde.

"Ausschlaggebend war wohl, dass ich 2006 und 2008 - damals in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Leichtathletikverband und dem Konsulat - schon für ähnliche Projekte in Mosambik war", sagt der Diplom-Sportler der Fachrichtung Prävention. Als der Anruf vom DOSB kam, habe er nicht lange gezögert und zugesagt, auch wenn er aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen bei der TSH nur zwei statt der eigentlich angedachten drei Monate in Südostafrika verbringt. Los geht es am 4. Dezember am Nürnberger Flughafen, über Frankfurt und Addis Abeba (Äthiopien) führt der Weg in Mosambiks Hauptstadt Maputo, rund 8650 Kilometer Luftlinie entfernt von der Heimat, die Müller erst Ende Januar wiedersehen wird.

Dazwischen soll der 56-Jährige Schulungen für Leichtathletiktrainer anbieten, eine in Maputo, eine in Beira. "Ob das jedoch so stattfindet, ist nicht ganz klar. Denn zwischenzeitlich wurde der Präsident des dortigen Leichtathletikverbandes abgesetzt und es herrschte ein paar Wochen Funkstille, ehe ein Nachfolger gefunden wurde", erzählt Müller. Der neue Mann habe eigene Vorstellungen, das konkrete Programm werde aktuell ausgearbeitet. "Ich stehe aber auch in Kontakt mit einem Mitglied des nationalen olympischen Komitees, das sehr umtriebig ist. Deshalb bin ich optimistisch und freue mich auf dieses Abenteuer." Dass es hier und da hakt, ist für Müller nicht neu, das habe er schon bei den früheren Aufenthalten erlebt.

Wie in anderen afrikanischen Staaten auch gebe es in Mosambik nur wenig Struktur im Sport, viele Posten würden vor allem durch Vitamin B vergeben, so dass die richtigen Personen eben nicht auf den richtigen Stühlen säßen. "Dazu sind die Anlagen veraltet, beim letzten Mal gab es in Maputo nur eine Tartanbahn. Inzwischen sollen dort die Chinesen ein Stadion gebaut haben, aber das kenne ich nicht."
Talente gebe es in Mosambik genug, doch die würden oft falsch gefördert, weil der Fokus auf Langstreckenläufen liege und deshalb Sportler dahingehen ausgebildet werden, auch wenn sie eher Springer oder Sprinter seien. "Da geht viel Potenzial verloren. Wichtig wäre, glaube ich, die richtigen Personen an die richtigen Stellen Stellen zu setzen und Zentren zu gründen, in denen über mehrere Jahre zielgerichtet trainiert werden kann", erklärt Müller, der weiß, dass es dazu politischen Willen und Geld braucht.

Trotzdem glaubt er, den mosambikanischen Trainern viel mitgeben zu können, allein was die Gestaltung einer einzelnen Einheit oder eines Trainingsjahres, auch hinsichtlich der Übungsvielfalt, betrifft. "Beim letzten Mal war einer dabei, der war sehr interessiert und sitzt heute im Sportministerium", sagt Müller, der Trainingsmaterialien im Wert von 2500 Euro mitbringt, über frühere Erfolge.
"Ich hoffe natürlich, dass ich bis zum ersten Zusammentreffen ein paar Brocken in der Amtssprache Portugiesisch beherrsche, aber das ist echt schwer zu lernen." Ansonsten finde die Kommunikation auf englisch statt, berichtet Müller, der sich wegen der angespannten Lage im benachbarten Simbabwe keine Sorgen macht. Er freut sich vielmehr darauf, dass eine Tochter Clara an Heiligabend in den Flieger steigt, um die Weihnachtstage und den Jahreswechsel mit ihm unter der afrikanischen Sonne zu verbringen.
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