Herzogenaurach
Handball

Klassenerhalt ist für die TSH absolut machbar

Der gute Endspurt macht den TSH- Frauen Mut, ein weiteres Jahr in der 3. Liga verbringen zu können. Sechs Akteure des Aufsteigers ziehen Halbzeitbilanz.
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Die Turnerschaft Herzogenaurach ist in der 3. Handball-Bundesliga angekommen.  Foto: Picturedreams
Die Turnerschaft Herzogenaurach ist in der 3. Handball-Bundesliga angekommen. Foto: Picturedreams
Nicht nur die in der Hinrunde erzielten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Handballerinnen der TS Herzogenaurach in der 3. Bundesliga angekommen sind. Bei den Heimspielen identifiziert sich eine wachsende Zahl von rund 300 Zuschauern auf der Tribüne lautstark mit ihrem Team, das in elf Spielen neun Punkte holte und auf Platz 9 von zwölf Vereinen überwintert. Mit einem fulminanten Jahresendspurt inklusive drei gewonnener Zähler gegen die Top-Mannschaften des TSV Haunstetten und TSV Bietigheim II haben sich die Watzinger-Schützlinge auch Respekt bei den Mitbewerbern verschafft.

Zudem dürften die TS-Akteure Selbstvertrauen erworben haben, das für die am 13. Januar beginnende Rückrunde benötigt wird. Der Höhenflug ist auch ein Verdienst der Verantwortlichen um Abteilungsleiterin Christine Odemer, dem sportlichen Leiter Udo Hermannstädter sowie den Trainern Klaus Watzinger und Mirko Scholten. Die Spielerinnen sind durchgängig reine Amateure, die sich ohne jegliche Aufwandsentschädigung gegen meist etwas professioneller ambitionierte Gegner aus Süddeutschland behaupten. Kein Wunder, dass die Trainer, Hermannstädter sowie Mannschaftsführerin Nina Bestle, Saskia Probst und Neuzugang Jana Lichtscheidel eine positive Halbzeitbilanz ziehen.


Zwei unnötige Heimpleiten

Einig sind sie sich darüber, dass man mit dem Erreichten zufrieden sein kann, auch wenn die beiden Heimniederlagen gegen Kandel und Freiburg vermeidbar gewesen seien. Hermannstädter spricht von Welten, die die aktuellen Anforderungen in der 3. Liga gegenüber jenen in der Bayernliga unterscheiden. "Ich bin deshalb erfreut, dass der Verein nicht nur den sportlichen wie organisatorischen Herausforderungen gewachsen ist, sondern die bemerkenswerte Zuschauerzahl auch spürbar hilft, die erheblichen Kosten rund um den Spielbetrieb zu reduzieren", erklärt der "Vater" der guten Entwicklung der TS-Frauen in den vergangenen zwölf Jahren.

Watzinger hatte vor dem Saisonstart das Ziel genannt, in der 3. Liga gut mitzuspielen. "Dass nach der Hinrunde neun Punkte für einen Nichtabstiegsplatz nötig sein würden, damit habe ich allerdings nicht gerechnet", erzählt der Coach. Scholten sei sich vor Rundenbeginn sicher gewesen, dass Herzogenaurach eine gute Rolle spielen werde, habe jedoch nicht geglaubt, dass alles so eng verlaufen würde. "Fast jeder kann jeden schlagen. Die genannten zwei Niederlagen waren ein Spiegelbild unserer damaligen Möglichkeiten", sagt der Co-Trainer.

Beide Übungsleiter loben die deutliche Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft vor allem in der Abwehr. "Wenn es gelingt, diese Qualitäten noch öfter über 60 Minuten abzurufen und das einst so erfolgreiche Tempospiel auch in dieser Liga zu verbessern, ist der Klassenerhalt absolut machbar", sagt Watzinger. Bestle, die sowohl in der Abwehr als auch in der Offensive ihre bislang beste Saison zeigt, ist "positiv überrascht, mit welch toller Moral man bislang mit den Niederlagen umzugehen weiß", was nach der überragenden Aufstiegssaison nicht selbstverständlich sei. "Dieser innere Zusammenhalt ist ein ganz wichtiger Faktor", erklärt Bestle, die daran erinnert, dass sie und ihre Teamkolleginnen allein aus Spaß am Handball unterwegs seien und dafür erhebliche private Abstriche machten.

"Als wir vor der Abfahrt nach Bietigheim erfuhren, dass nun auch noch Sarah Stephan und Jana Lichtscheidel krankheitsbedingt ausfallen, konnten wir dank des großen Kaders so auffüllen, dass wir nie das Gefühl hatten, ersatzgeschwächt aufzulaufen. Dies war auch ein wichtiges Signal an jene, die sonst weniger zum Einsatz kommen; dass sie eben genauso wichtig sind wie alle anderen", sagt Bestle. Sie sei überzeugt, dass niemand nachlassen werde und warnt davor, "dass uns keiner mehr unterschätzen wird".


"Hatte mehr von mir erwartet"

Lichtscheidel, zuvor einige Jahre in der 3. Liga Ost für HaSpo Bayreuth aktiv und für die "Königsposition" im linken Rückraum geholt, zeigt sich selbstkritisch mit dem Saisonauftakt: "Da hatte ich mehr von mir erwartet." Dabei ist die drahtige Akteurin mit einer explosiven Wurfkraft ausgestattet, die sie meist mit Sprungwürfen umsetzt. "Mit Hilfe der Mädels und Trainer läuft es mittlerweile fast so, wie ich es mir erhofft hatte", berichtet die Ex-Bayreutherin, die auch den Ligavergleich nicht scheut: "In der Oststaffel wird mehr Wert auf Athletik gelegt, hier ist das Spiel technisch etwas anspruchsvoller und dynamischer. So macht der Handball mehr Spaß."

Saskia Probst, einstige Jugend-Nationalspielerin und im vergangenen Jahr mit 186 Treffern Torschützen-Krösus in der Bayernliga, habe sich nach dem Aufsteig zunächst schwergetan: "Ich hatte Bedenken, was da für durchtrainierte Koffer auf mich zukommen. Zudem brauchte ich früher nur drei kräftige Schritte und schon war ich anspielbar für die Super-Pässe von Torhüterin Martina Ebersberger. Heuer sind die Gegner in der Rückwärtsbewegung weitaus effektiver, da muss das Timing noch perfekter sein." Inzwischen ist sie wieder in Topform.

Über Weihnachten schwankt die TSH zwischen Freude über eine Pause und dem Bedauern, das Hoch nicht länger nutzen zu können. Für die Partie beim Tabellenzweiten TuS Metzingen II, der verstärkt Akteure von oben einsetzt, sollte Herzogenaurach rasch wieder auf Betriebstemperatur kommen. Die "Tussies" entschieden das Hinspiel mit 32:24 für sich.
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