Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, der begegnet interessanten Menschen. Der Querläufer Jochen Brosig trifft sich mit einigen dieser ganz unterschiedlichen Laufsportler auf deren Lieblingsrunde. Dieses Mal spricht er mit Robert Stein, der immer auf der Suche nach der romantischen Seite der Fränkischen Schweiz ist. Dabei ist er möglichst auf ursprünglichen Pfaden und Wegen unterwegs. Sein Herz hängt an seiner Heimat, "dem Muggendorfer Gebürg".

Der "Neideck 1000", der am 15. Oktober zum zweiten Mal stattfindet, ist ein kleiner, aber feiner Trail-Lauf mit limitierter Starterliste. 1000 Höhenmeter gilt es auf einer 22-Kilometer-Runde zu erklimmen. Querläufer Jochen Brosig war froh, einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Es ist zwar eine junge Veranstaltung, aber in der Szene bereits vor ihrer zweiten Auflage ein lohnender Geheimtipp.

Die Runde beginnt am Gasthof "Brückla" in Muggendorf. Vor dem Start bestellen Stein und Brosig bei Wirt Dusan Kisberi gleich einen Tisch für hinterher. Die dann leeren Energiespeicher müssen schließlich wieder aufgefüllt werden. Dann geht es los: Stein, der als Kind einer Muggendorferin und eines Allgäuers in München zur Welt kam und von dort eine Reise quer durch Bayern antrat, läuft über die Wiesenttalbrücke.

Der Bezug zu den Bergen ist ihm nie abhandengekommen. Vom Vater animiert, war der Alpinsport eine Selbstverständlichkeit für Stein. Im Muggendorfer Gebürg fühlt er sich zu Hause. Das merkt auch der Querläufer sofort. Kommt ein Anstieg, fällt er zurück. Je steiler, desto wohler fühlt sich Robert Stein. Die Wegwahl ist anspruchsvoll und höchste Konzentration ist erforderlich.

Querläufer:Wie entstand die Idee zum Wiesenttal-Trail "Neideck 1000"?
Robert Stein: Nachdem mein GPS-Gerät nach einigen Trainingsrunden 900 Höhenmeter angezeigt hatte, entstand die Idee, eine Runde zu konzipieren, die in etwa Halbmarathon-Distanz und volle 1000 Höhenmeter im Aufstieg hat. Zudem sollte die Runde natürlich landschaftlich und touristisch herausragend sein. Nach mehreren Versuchen ist daraus 2012 der Wiesenttal-Trail geworden. Mit der Idee im Hinterkopf, da irgendwann mal einen Vergleichswettkampf zwischen sportlichen Läufern mit Stock und Trailrunnern zu organisieren.

Vom östlichen Ortsausgang am Modellbahnmuseum läuft das Duo hoch Richtung Engelhardsberg. Weiter über das Quackenschloss und vorbei am Weitblickfelsen Adlerstein. Robert Stein immer voraus, der Querläufer in respektvollem Abstand hinterher. Stein, der freiberufliche Ingenieur für spezielle Holzindustrieprojekte, könnte die Strecke wahrscheinlich mit verbundenen Augen laufen, so trittsicher ist er. Er kennt jede Wurzel und jeden Stein. Der Querläufer aber hält die Augen offen, den Blick immer auf das geschwungene "W" gerichtet, die Wegmarkierung, die die Tour begleitet.

Querläufer:Die Wander- und Trailwege rund um Muggendorf dokumentierst du auf der Homepage www.fs-trailissimo.com. Wie entstand FS-Trailissimo?
Robert Stein: Für Wander- und Trailliebhaber ist das hier ein kleines Paradies. Da gibt es noch viel zu entdecken. Gerade um den Wiesenttal-Trail herum, eben im Herzen der Fränkischen Schweiz. Darum habe ich begonnen, weitere tolle Trailstrecken zwischen den touristischen Hochburgen Ebermannstadt und Gößweinstein an den Wiesenttal-Trail so anzubinden, dass für jeden eine attraktive Rundstrecke dabei ist. Knackige Anstiege, Pfade an Felswänden, durch Spalten und Höhlen hindurch. Online zu finden und mit GPS-Track beschrieben.

Das ständige Auf und Ab führt Brosig und Stein durch die Versturzhöhle Riesenburg hindurch. Ins Tal und aus dem Tal den alten Brunnweg wieder hoch. Weiter zum Hohen Kreuz, dem höchsten Punkt der Runde. Von hier aus geht es für die beiden weiter auf dem Frankenweg, durch die Oswaldhöhle hindurch. Die Frankenwegläufer kennen den Abschnitt. Sie sind ihn im Juni in der Gegenrichtung gelaufen. Schon ist die Ostschleife geschafft. Stein und Brosig sind zurück in Muggendorf beim alten Pavillon. Die schwierigere erste Hälfte des "Neideck 1000" liegt hinter ihnen. Für Stein scheint es kein Problem zu sein. Locker erzählt er von seinem Spaß an Outdoor-Aktivitäten jeglicher Art. Ob im Sommer oder Winter, auf Skiern, Mountainbike oder zu Fuß. Hauptsache im bergigen Gelände, gerne auch beim Genuss-Klettern. Trailrunning ist für ihn die perfekte Kombination aus natürlicher Bewegung und intensivem Naturerlebnis. Wichtig sei, dass jeder sein individuelles Tempo geht.

Querläufer:Was hast du in der Zukunft noch vor?
Robert Stein: Ich konzentriere mich auf die Ziele rund um den Wiesenttal-Trail. Meiner Ansicht nach ist die Fränkische Schweiz eine der schönsten Trailregionen in Nordbayern und darüber hinaus. Die Insider wissen das schon lang, aber die Feedbacks zum Wiesenttal-Trail zeigen auch: Viele sind zum ersten Mal hier und total begeistert.

Eine kurze Pause, eine kleine Stärkung, und dann geht es weiter auf die Westschleife. Diese bleibt mit dem Frankenweg auf der Höhe, führt an mehreren Aussichtspunkten vorbei Richtung Streitberg. Auf dem Weg hoch zum Guckhüll erzählt Robert Stein von seinem Weg vom Alpenvorland über Unterfranken in die Oberpfalz. Zwischendurch ging es wieder ins Allgäu und ein paar Jahre nach Südamerika und Russland. Seit rund zehn Jahren ist er im oberfränkischen "Gebürg" in Muggendorf. Quasi "back to the roots" seines fränkischen Familienzweigs. Steil ist der Pfad hinunter zur Streitberger Muschelquelle. Streitberg wird durchquert, über die B 470 nach Niederfellendorf und weiter zum Freibad. Die Zeit für ein Eis im Badcafé muss sein.

Querläufer:Das hört sich sehr zeitaufwendig an. Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?
Robert Stein: Neben der Bewegung im Freien mache ich seit meinen Südamerika-Jahren lateinamerikanische Musik. Das Ganze mit Originalinstrumenten und Gesang auf Spanisch.

Nach der Stärkung geht es hoch Richtung Ruine Neideck. Heute ist der Abstecher Pflicht. Beim "Neideck 1000" sprinten die Teilnehmer nur daran vorbei. Auf dem Höhenweg führt die Tour weiter nach Trainmeusel und von dort über den Wanderweg nach Muggendorf. Nicht nur am Aussichtsfelsen Frauenstein ergeben sich Weit- und Tiefblicke. Stein und Brosig sind fast am Ende. Noch einmal gilt es, die Konzentration hoch zu halten, der Abstieg und damit die Runde enden beim Naturpark-Infozentrum. Bei einem Teller Tagliatelle mit Steinpilzen im "Brückla" fachsimpelt das Läufer-Duo hernach. Es herrscht Einigkeit darüber, dass der Trail ambitioniert, der Schwierigkeitsgrad hoch ist. Jedoch lässt sich die Strecke in eine Ost- und Westschleife teilen. Diese jeweils rund zehn Kilometer langen Touren sind für viele machbar.

Run happy and smile!
Euer Querläufer