Herzogenaurach
Fußball

Herzogenaurach: vom Gejagten zum Jäger und zurück

Vor zwei Jahren war der FC in der Kreisliga das Maß der Dinge, eine Stufe höher überraschend im Verfolgerfeld, heuer wollen alle den Pumas ein Bein stellen.
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Spielertrainer Jakob Karches hat den FC Herzogenaurach Jahr für Jahr ein Stück nach oben geführt. Archiv
Spielertrainer Jakob Karches hat den FC Herzogenaurach Jahr für Jahr ein Stück nach oben geführt. Archiv
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Souverän und scheinbar ohne große Mühe spaziert der FC Herzogenaurach durch die Fußball-Bezirksliga Mittelfranken Nord. Zur Winterpause haben die "Pumas" 16 Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 2. Spielertrainer Jakob Karches will die positive Serie im verbleibenden Dutzend Begegnungen fortsetzen. Der 31-Jährige, der seine dritte Saison als Coach des FCH absolviert, warnt im Interview mit Sebastian Baumann von anpfiff.info aber nicht nur vor einer stark verzerrten Tabelle.

Herr Karches, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison und wie haben Sie es geschafft, so konstant zu sein?
Jakob Karches: Hätte uns jemand vor der Saison gesagt, dass wir von 22 Spielen nur eines verlieren und einen Punkteschnitt von 2,59 pro Spiel haben, hätte ich das sofort unterschrieben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der FC Herzogenaurach vor zweieinhalb Jahren aus der Bezirksliga abgestiegen ist und nach wie vor sechs bis sieben Spieler von der damaligen Mannschaft fast immer in der Startaufstellung stehen. Auch das 4:3 nach einem 1:3-Rückstand gegen den TV 48 Erlangen war ein toller Abschluss, um zufrieden in die Winterpause zu gehen.

Die Konstanz ist umso überraschender, weil wir in dieser Saison nur zwei Mal hintereinander mit derselben Aufstellung gespielt haben. Dies ist auch auf die Breite und Ausgeglichenheit unseres Kaders zurückzuführen. Von den 25 eingesetzten Spielern haben 22 von Anfang an gespielt. Jeder wusste, wie er zu laufen hat und brachte sich immer gut ein. Die Hinserie hat unsere Erwartungen vom Spielerischen wie auch von der Punktausbeute übertroffen.

Was waren die Erfolgsfaktoren?
Wir haben den vor der Saison eingeleiteten personellen Umbruch gut bewältigt. Sechs Jugendspieler wurden integriert, die sich innerhalb eines halben Jahres wahnsinnig entwickelt haben. Diese Sechs kommen auf insgesamt 54 Bezirksliga-Einsätze. Die Jungs haben auch im Training immer Gas gegeben, damit den Konkurrenzkampf belebt und sich gegenseitig zu Höchstleistungen getrieben. Das beste Beispiel ist Michael Thomann, der mit 17 Toren fast schon so viele wie in den vorherigen drei Spielzeiten zusammen geschossen hat.

Dank des großen Kaders haben wir Verletzungen wie von Alexander Ronneburg und Jochen Staniszewski ohne Probleme kompensiert. Die Jugendspieler, aber auch Daniel Kratz und Bastian Dörrich haben diese Aufgabe hervorragend gelöst und dafür gesorgt, dass wir im Gegensatz zur vergangenen Runde defensiv besser stehen. Die Mannschaft hat das System und die taktischen Vorgaben mittlerweile verinnerlicht. Unser Pressing erfordert hohe Fitness und Laufbereitschaft. Damit sowie mit Wille und Moral haben wir einige Male einen Rückstand noch umgebogen.

Was gilt es noch zu verbessern?
Es gilt, die individuellen Fähigkeiten zu fördern, denn vor allem die jungen Spieler haben unheimlich großes Potenzial, das bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Außerdem wollen wir vom Fußballerischen an die ersten fünf Spiele der Saison anknüpfen, in denen wir sehr souveräne und schöne Siege herausgespielt haben. Diese Souveränität und Leichtigkeit ist uns im Laufe der Saison ein wenig abhandengekommen, was aber auch an der defensiveren Spielweise der Gegner liegen könnte.

Das Ziel lautete 40 Punkte. Mit 57 Zählern kann das neue Ziel eigentlich nur Landesliga heißen, oder?
Wir wären falsch beraten, wenn wir nach den gezeigten Leistungen nicht das Selbstvertrauen hätten zu sagen, dass wir den Platz an der Sonne verteidigen wollen. Allerdings sind wir bis jetzt immer gut damit gefahren, unseren jungen Spielern nicht zu viel Druck aufzubürden und von Spiel zu Spiel zu denken. Außerdem sollte man sich nicht zu sehr vom derzeitigen Vorsprung blenden lassen, denn aufgrund der vielen ausgefallenen Spiele ist die Tabelle verzerrt. So kann Hersbruck auf sieben Punkte herankommen. Und wie schnell ein Polster schmelzen kann, hat man vor zwei Jahren bei der SpVg Erlangen gesehen. Zudem rüsten der FSV Stadeln, Cagrispor und Türkspor Nürnberg gerade mit teils höherklassig erfahrenen Spielern auf.

Könnte die Mannschaft auch in der Landesliga bestehen?
Meiner Meinung nach könnten wir uns in der Landesliga unter Umständen sogar leichter tun, wenn sich der Gegner nicht nur hinten reinstellt und unsere schnellen Offensivleute von den sich bietenden Räumen profitieren. Außerdem haben unsere jungen Spieler dann eine weitere Herrensaison auf dem Buckel, wodurch wir an Erfahrung und Cleverness gewinnen. Wenn die Entwicklung der Mannschaft nur annähernd so anhält wie in den letzten Monaten, muss uns vor der Landesliga nicht bange sein.

Tut sich bei Ihnen im Winter personell etwas?
Wir bleiben unserem Grundsatz treu, dass wir auf junge Spieler aus der Region bauen. Wir haben gar nicht die finanziellen Möglichkeiten, um in der Winterpause Spieler zu verpflichten.

Was erwarten Sie von der Rückrunde?
Ich hoffe, dass wir unsere Serie von 13 ungeschlagenen Spielen so lange wie möglich ausbauen. Wir waren vor der Winterpause gut drauf und hätten eigentlich gerne weitergespielt.
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