Röttenbach
Querläufer (165)

Überraschungsfrühstück ersetzt GPS-Uhr

Wer bei Läufen in der Region startet, erlebt einiges, auch abseits der Strecke. Jochen Brosig vom FSV Großenseebach erzählt davon in seiner Kolumne.
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In Sachen Wegbeschreibung macht dem Querläufer keiner etwas vor.  Foto: privat
In Sachen Wegbeschreibung macht dem Querläufer keiner etwas vor. Foto: privat
In den vergangenen Wochen konnte ich mich läuferisch machomäßig austoben. Die Läuferfrau war krank, der Querläufer musste keine Rücksicht nehmen. "Das machst du doch sowieso nie", höre ich die Läuferfrau sagen. Stimmt aber nicht. Zum Beispiel wird die in der Regeneration frei gewordene Zeit direkt in die Familie investiert. "Das ist doch völliger Blödsinn", widerspricht die Läuferfrau. "Bei dir dreht es sich das ganze Jahr ums Laufen." Da muss Abhilfe geschaffen werden, bevor die Beziehung noch mehr leidet. Also mache ich mich zusammen mit meiner Herzallerliebsten auf die Socken.

Seit ein paar Tagen schnürt sie wieder die Laufschuhe. Samstag, der Tag des ausgiebigen Familienfrühstücks. Heute müssen wir es uns erst verdienen. Wir drehen ihre Lieblingsrunde um den Dechsendorfer Weiher. Aber immer dieselbe Strecke ist langweilig. Also biegen wir ab. Auf zu neuen Wegen.

Gemütlich traben wir. Quatschen über dies und das. Niemand stört uns. Kein Telefon, kein Klingeln an der Haustür und kein pubertierender Sohn, der den Familienfrieden durcheinanderwirbelt. Die Gabelung an der "Roten Marter" bringt mich auf eine Idee. Nach links der kurze Weg für die Läuferfrau. Nach rechts der lange Weg für den Querläufer. Das ist optimal. Sie kommt kurz vor mir zu Hause an. Bis ich die Brötchen geholt habe, ist sie geduscht. Die Läuferfrau wird von mir ausführlich gebrieft, denn mit der Navigation hat sie manchmal Schwierigkeiten. Dann trennen sich unsere Wege.

Der Querläufer sprintet los, der Plan soll schließlich aufgehen. Ruckzuck bin ich zu Hause. Wer nicht da ist, ist die Läuferfrau. Sie hat den Schlüssel. Ich bin ausgesperrt. Nun heißt es warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt sie um die Ecke. Hochroter Kopf, die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengepresst. Ängstlich versuche ich zu beschwichtigen: "Mensch, war das ein schöner Lauf mit dir." Ihr Blick verfinstert sich. Was war passiert?

Kaum hatten sich unsere Wege getrennt, lief sie an einer Abzweigung vorbei. Aus dem Kiesweg wurde ein Trampelpfad. Sie wunderte sich noch über die Strecke. Mittlerweile war kein Weg mehr zu erkennen. Die Bäume wehten im Wind, manchmal knackte es hinter ihr. Wurde sie verfolgt? Dann wurde es auch noch sumpfig. Umkehren? Kam nicht in Frage! Die Landschaft passte überhaupt nicht zur Beschreibung des Querläufers. Sie wunderte sich immer mehr und lief trotzdem weiter. Wenn nur jemand käme, den sie nach dem Weg fragen könnte. Mittlerweile ging es ihr wie E.T. Sie wollte nur noch nach Hause.

Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Sie dachte zurück an eine Irrfahrt in Nürnberg oder wie sie sich am Münchner Kreuz hoffnungslos verfranste. Hörte sie da nicht Autos? Sie beschleunigte ihr Tempo, kämpfte sich durch ein Dornengebüsch und kam auf die Straße. Alles war gut und sie trabte nach Hause.

"Das konnte ja nicht gut gehen. Du kannst einfach keinen Weg beschreiben", schimpft die Läuferfrau. Der Querläufer ist untröstlich. Wie kann ich das nur wieder gutmachen? Vielleicht mit der neuen Polar Boomerang, Modell Women mit GPS und Navi. Mit der findet man immer seinen Weg. Oder doch lieber mit einem Überraschungsfrühstück am heutigen Weltfrauentag? Ein Cappuccino mit Verwöhnaroma und dazu ein Croissant. Wer kann dazu schon "Nein" sagen?

Run happy and smile!
Euer Querläufer
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