Herzogenaurach
Handball

Ein neues Kapitel aufgeschlagen

Nach vielen Erfolgen in der Vergangenheit müssen die Herzogenauracher Herren den Nimbus des Aushängeschilds spätestens jetzt an die Damen abtreten.
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Individuelle Stärke, Erfolgshunger und ein fantastischer Teamgeist zeichnen die TSH-Damen aus. Saskia Probst trug mit bislang 172 Bayernligatoren nicht unwesentlich zum Titelgewinn bei. Foto: herzopress/Archiv
Individuelle Stärke, Erfolgshunger und ein fantastischer Teamgeist zeichnen die TSH-Damen aus. Saskia Probst trug mit bislang 172 Bayernligatoren nicht unwesentlich zum Titelgewinn bei. Foto: herzopress/Archiv
Handball in Herzogenaurach, dafür standen viele Jahre schwerpunktmäßig die Männer, von denen einige Außergwöhnliches leisteten: An erster Stelle natürlich Linkshänder Martin Haberzettl, der für die CSG Erlangen spielend viele Jahre zu den besten Rechtsaußen der 2. Bundesliga zählte. Auf der gleichen Position schaffte Benedikt Schwandner später sogar mit dem HC Erlangen den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Udo Ende (CSG) und Martin Manz (CSG und HC Erlangen) waren verlässliche Torhüter in der 2. Liga, und Roland Fellner wurde mit der B- Jugend der CSG einst deutscher Jugendmeister.
Ähnliches und noch mehr wäre auch dem wurf- und sprunggewaltigen Ingo Kundmüller zuzutrauen gewesen, wenn er nicht andere Prioritäten gesetzt hätte. Das größte Talent der TSH war aber Helge Brixner, mit seiner Jugend bayerischer Meister 1984 und mit damals knapp 16 Jahren bei fast zwei Metern Körperlänge schon auf den Wunschzetteln einiger Bundesligaklubs. Der technisch wie taktisch überragende Mittelangreifer, der auch in der Abwehr verblüffend clever agierte, wurde jedoch innerhalb eines Jahres gleich zweimal so rüde an der Wurfarmschulter zu Boden gerissen, dass er nicht mehr Handball spielen konnte.


Der Durchbruch kam 2007

Nur zögerlich entwickelte sich zwischenzeitlich der weibliche Handball vom geselligen Freizeitspaß hin zum Leistungsgedanken. Hier waren es unter anderem Dorle und ihre enorm begabte, aber früh schwer verletzte Tochter Katrin Stockhorst, die für Bewegung sorgten. Als fast zeitgleich Kundmüller das Training der weiblichen B-Jugend übernahm, die sich in der Bayernliga erfolgreich bewährte, und parallel der später tödlich verunglückte Carsten "Gassi" Gaspar mit seiner Frau Christine dem Damenteam Profil vermittelten, waren die Grundsteine im weiblichen Sektor gelegt.
Der Durchbruch gelang jedoch erst 2007, als der damalige Abteilungsleiter Wolfgang Hentschke Udo Hermannstädter als Trainer verpflichtete. Dieser "Glücksgriff" für die Frauen konnte nicht nur auf etliche Talente aus der Jugend zurückgreifen, sondern brachte auch einige erfahrene Akteure mit, der Aufstieg in die Bayernliga 2010 war fast eine logische Folge. Es kamen Jahre der stabilen Behauptung im bayerischen Oberhaus, aber auch Sorgen ob des schrumpfenden Kaders.
Selbst Hans-Jürgen Kästl, der 2015 das Amt von Hermannstädter übernahm, musste im ersten Jahr jede Woche fürchten, nicht genug Akteure auf das Spielfeld schicken zu können. Als dann aber 2016 einige zuvor nach Bayreuth und Regensburg gewechselte Spielerinnen zurückfanden und es gelang, beim HC Erlangen A-Jugendliche für die TSH zu gewinnen, gab es jenen Schub, welcher jetzt mit den glanzvollen Titeln in Pokal und Meisterschaft gekrönt wurde.


Ungestillter Torhunger

Ein Baustein dieses Erfolgs ist Saskia Probst, deren Vater Bernd schwärmt: "Als unsere Familie 2014 erstmals mit der TSH Kontakt bekam, imponierte uns, wie unkompliziert und freundschaftlich wir empfangen wurden. Der Teamgeist war auch da schon deutlich spürbar." Dass es in der Mannschaft stimmt, bestätigt auch Saskia - vor allem mit ihrer Leistung auf dem Feld. Die Jugend-Nationalspielerin führt die Bayernliga-Torschützenliste mit 172 Treffern in 23 Partien an, gibt sich aber bescheiden: "Bei Gegenstößen profitiere ich von meiner vorgezogenen Position und von den perfekten Anspielen von Torfrau Martina Ebersberger, aber auch im steten Doppelpass mit Sarah Stephan gab es etliche Treffer. Von außen kann ich im technischen Ablauf sicher noch etwas zulegen."


Stimmen zum Erfolg der TSH-Damen

Wolfgang Hentschke (bis 2008 Motor und Verantwortlicher des Herzogenauracher Handballs): Ganz offensichtlich war die Verpflichtung von Kästl so etwas wie ein Sechser im Lotto, dem es gelang, das Optimale aus den Akteuren herauszuholen. Bleibt zu hoffen, dass dieses Top- Ereignis dem Handball in Herzogenaurach einen weiteren Schub verleiht.

German Hacker
(Bürgermeister): Herzogenaurach ist stolz auf diese Mannschaft. Allen Beteiligten wünsche ich einen tollen Saisonabschluss, eine gute Vorbereitung sowie viele bewährte und neue Sponsoren, um die anspruchsvolleren Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
Hans Jürgen-Kästl (Meistertrainer): Wir fanden eine ideale Kombination aus intensivem Training, Talenten und Teamgeist, was für diese außergewöhnlichen Leistungen entscheidend war. Bedenkt man die personelle Situation am Ende der letzten Spielzeit, ist der Erfolg ein kleines sportliches Wunder. Wenn sich die Mädels im athletischen Bereich noch steigern, traue ich ihnen den Klassenerhalt in der 3. Liga zu."

Laura Wedrich (Rückraumspielerin): Zur TSH zu wechseln war meine beste Entscheidung, ich bin glücklich mit der Mannschaft und in unserem Umfeld. Zudem wohne ich gleich um die Ecke, da passt alles.
Christine Odemer (Abteilungsleiterin): Nach solch einer großartigen Saison wäre es gegenüber allen Beteiligten ein Affront gewesen, nicht für die 3. Liga zu melden.

Lena Mergner (Kreisläuferin): Ich habe früh an unsere Chance geglaubt - auch weil wir in so kurzer Zeit als zusammengewürfelte Mannschaft so perfekt funktionieren konnten und uns mit unserem inneren Antrieb zu steigern wussten.

Udo Hermannstädter (Sportlicher Leiter): Die Saison war auch für mich eine tolle Erfahrung, obwohl ich alle schon vorher kannte, nur eben nicht in dieser Zusammensetzung.
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