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Schaeffler: 375 Jobs in Herzogenaurach und Schweinfurt bedroht

Der Autozulieferer will seine europäischen Service-Abteilungen bündeln. Auch Arbeitsplätze in Herzogenaurach und Schweinfurt sind betroffen.
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Schaeffler will umstrukturieren: In den Standorten Herzogenaurach und Schweinfurt sind insgesamt 375 Jobs bedroht. Foto: Daniel Karmann/dpa
Schaeffler will umstrukturieren: In den Standorten Herzogenaurach und Schweinfurt sind insgesamt 375 Jobs bedroht. Foto: Daniel Karmann/dpa
Die geplante Zusammenlegung firmeninterner Dienstleistungsbereiche bedroht beim Autozulieferer Schaeffler bayernweit bis zu 375 Stellen. Davon betroffen seien neben Arbeitsplätzen in der Konzernzentrale in Herzogenaurach auch Jobs am Standort Schweinfurt, sagte ein Firmensprecher am Dienstag.

Im Herzogenauracher Werk sind derzeit rund 8500 Mitarbeiter beschäftigt, in Schweinfurt beträgt ihre Zahl 6300.


Nach einem im November gefassten Vorstandsbeschluss sollen sämtliche europaweit verteilten Service-Abteilungen bis zum Jahr 2022 in einem Dienstleistungszentrum gebündelt worden. Dort könnten bis zu 900 Menschen arbeiten. In Deutschland betreffen laut einer internen Information an die Mitarbeiter "die Optimierungen und Aufgabenverlagerungen rund 500 Jobs, die entfallen sollen". Das Schreiben liegt unserer Zeitung vor. Von den Maßnahmen berührt sind dezentrale Service-Einheiten, zu denen die Bereiche Finanzen, Personal, Logistik, Einkauf und IT gehören.

Von einer Standardisierung der Abläufe erhofft sich der Vorstand Kosten- und Effizienzvorteile. "Wir haben entschieden, interne Abläufe zu beschleunigen und Entscheidungsprozesse durch Herausnahme von Zwischenebenen zu beschleunigen und unseren Sparten mehr Verantwortung zu geben", heißt es in der internen Information weiter. Bei der Verlagerung der bisher dezentralen Service-Einheiten hofft Schaeffler soziale Härten vermeiden zu könnten - allein mit der Zeitspanne von fünf Jahren, die der Vorstand für den Transformationsprozess vorgesehen hat.

Betroffenen Arbeitnehmern will Schaeffler alternative Jobangebote im Unternehmen unterbreiten, für andere Mitarbeiter bemühe man sich um sozialverträgliche Lösungen.


Polen als Standort im Gespräch

Unklar ist dem Firmensprecher zufolge, wo die zentrale Dienstleistungszentrale angesiedelt werden soll. Die Prüfung möglicher Standorte in Europa sei noch nicht abgeschlossen.
Auf die Frage, ob auch Standorte in Deutschland eine Chance hätten, sagte der Sprecher: "Da muss man auf die Lohn- und Gehaltssituation in Deutschland schauen - da ist Deutschland nicht der beste Standort."

Dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Norbert Lenhard zufolge hat Schaeffler als neuen Standort für die dezentralen Service-Einheiten vor allem Polen im Blick. Dies wollte das Unternehmen allerdings weder bestätigen noch dementieren.

Die jetzt öffentlich gemachten Pläne kommen für Lenhard keineswegs überraschend. "Wir stecken mitten in der digitalen Transformation. Vor allem standardisierbare Prozesse stehen auf dem Prüfstand." Was Schaeffler jetzt ins Auge fasse, habe die Konkurrenz mitunter schon vor Jahren vollzogen.

Sich kampflos mit der Entscheidung des Vorstands abfinden will sich der Gesamtbetriebsrat allerdings nicht. Inzwischen hat er das Saarbrücker Info-Institut mit einem Gutachten beauftragt. "Wir wollen prüfen, ob es nicht Alternativen zu den Vorstandsplänen gibt."

Lenhard selbst könnte sich eine teilweise Umwandlung der bisherigen Arbeitsstellen in Home-Office-Arbeitsplätze vorstellen. Im Januar nimmt das Saarbrücker Institut seine Arbeit auf, das Gutachten soll dem Vorstand noch im Frühjahr vorgelegt werden. mit dpa
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